Umsonst & Draußen
: Neuer Besucherrekord: 4000 Metalfans feiern zwei Tage lang

Das Wetter hat brav mitgemacht, und die Bands hatten das Zeug, um viele Besucher anzulocken. Am Ende steht ein neuer Rekord fürs Bisinger Metal-Fest.
Von
Ernst Klett
Bisingen
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Sie müssen einfach dabei sein, wenn es in der Region bei Konzert härter zur Sache geht: Agend´t Orange.

Sie müssen einfach dabei sein, wenn es in der Region bei Konzert härter zur Sache geht: Agend´t Orange.

Konrad Flegr

Viele haben es sich gewünscht. Etliche haben hart dafür gearbeitet. Tausende haben es in die Tat gesetzt. Das „Umsonst und Draußen Zollernalb 2024“ auf dem Bisinger Festplatz geriet zu einem Festival, das alle seitherigen Grenzen des Non-Profit-Events sprengte. Viele Faktoren waren Voraussetzung für diesen Erfolg. Manche davon lassen sich nicht steuern, das Wetter zum Beispiel. Sah es am Vorabend noch aus, als wollte die Welt untergehen, herrschte an den beiden Festtagen eitel Sonnenschein.

Auch die benötigten Essensmengen lassen sich nicht wirklich kalkulieren. So waren vor dem Caterer-Zelt Schlangenbändiger gefragt, welche die Besucher jedoch gerne gechillt ertrugen. Anders als bei Festivals mit Kartenvorverkauf ist beim kostenlosen Konzert auch der Besucher-Zuspruch nicht vorab zu wissen. Eine wahre Auto-Lawine ergoss sich am späten Samstagnachmittag über die Kirchspielgemeinde. Die Kennzeichen spiegelten ganz Baden-Württemberg, aber auch die Schweiz, Österreich und Frankreich. Steuern dagegen lässt sich das Line-up, und diesbezüglich haben die Veranstalter nur Top-Gewinne in die Lostrommel gelegt. Sämtliche Bands konnten mit hohem musikalischem Können, Spielfreude und einem begeisternden Bühnenauftritt überzeugen. Alle spielten sich in die Herzen des zum Schluss unübersehbaren Publikums.

Opener aus Rosenfeld

Den Auftakt machte am Freitag „When hell breaks loose“, die fünfköpfige Metal-Band aus Rosenfeld. Ihr eigenwilliger Stil, der harte Metalparts mit weichen, melodischen Einflüssen kombiniert, kam bestens an und ließ sofort Festival-Feeling aufkommen. Dieses wurde von „Darkness Ablaze“ bestens weitergepflegt. Mit ihrem fulminanten Mix aus brutalem Growl und technisch anspruchsvollen Instrumentals schafften sie es, die Begeisterung des Publikums hochzuhalten.

Menschenmassen schon tagsüber: Das U & D war dieses Jahr ein Supererfolg.

Menschenmassen schon tagsüber: Das U & D war dieses Jahr ein Supererfolg.

-konrad Flegr

Die wurde durch „Pinghost“ noch weiter gesteigert, boten die Balinger Jungs doch alles, was sich Fans von modernem Metal wünschen. Derart bestens präpariert konnte das Festival dann den Top-Act des ersten Abends feiern: „Parasite Inc.“. Die Band aus Aalen bewies mit einem energiegeladenen Auftritt, warum sie zu Recht den internationalen Durchbruch geschafft hat.

Besuch aus Riedlingen

Den zweiten Festivaltag eröffneten zur besten Nachmittags- und Familienzeit „Then comes the night“. Die Heavy-Metaler aus Riedlingen schafften es spielend, sofort wieder ein  musikalisch spannungsgeladenes, aber friedliches Feeling auf die Wiese zu zaubern. Das wurde von „Indrawn“ aus Bietigheim-Bissingen bestens gepflegt. Die noch junge, von Frontfrau Sophie geprägte Band empfahl sich eindrücklich für weitere Liveacts. Stilistische Abwechslung brachten anschließend die „Dumb Bats“ mit ihrem mitreißenden Death Punk.  Malu mit ihren energiegeladen Vocals bildete die Kirsche auf dem instrumentalen Sterne-Menü ihrer Bandkollegen.

Für Glückseligkeit sorgten die Klänge von „Lacrimas Profundere“.

Für Glückseligkeit sorgten die Klänge von „Lacrimas Profundere“.

Konrad Flegr

Mit den „Noplies“, einem Urgestein der lokalen Szene, betrat dann ein alter Weggefährte des U&D die Bühne. In neuer Besetzung war die Band heiß auf einen Live-Act und das spürte man durch unbändige Spielfreude.

Die Szene hält zusammen

Wegen ernsthafter Erkrankung der Sängerin mussten „Front Row Warriors“ kurzfristig absagen. Ihren Part übernahmen spontan „Get into Gear“, die nicht nur einen bombastischen Auftritt hinlegten, sondern auch zeigten, wie reichhaltig und solidarisch die lokale Metal-Szene ist. Pre-Top-Act war „Agent Orange“, ebenfalls ein langer Weggefährte des „U&D“ und die lokale Pionier-Metal-Band schlechthin. Mit ihren Power-Balladen trifft sie immer noch den Nerv des Publikums und liefert Vollgas-Rock vom Feinsten. Krönendes Highlight des Festivals bildeten „Lacrimas Profundere“, die deutsche, schon seit 1993 bestehende Gothic-Rock-Band. Mit ihrem genialen interaktiven Sänger und einem kosmisch-atmosphärischen Klangteppich brachte sie das die Wiesenfläche voll ausfüllende Publikum in die Glückseligkeit.

Enorme Zugkraft

Die Sensation ist gelungen. Die Akteure haben jetzt ein Jahr Zeit, sich für die enorme Zugkraft des Festivals zu rüsten. Sie werden dazu ins Benehmen mit der Gemeinde und mit örtlichen Vereinen gehen. Das Kalkulationsrisiko aber bleibt. Draußen halt, und umsonst.