Ukrainehilfe aus Hechingen
: Kinderhilfsverein bringt Rettungswagen nach Cherson an die Kinderklinik

Mit Fördermitteln der Landesstiftung Baden-Württemberg hat der Hechinger Verein „Kinder brauchen Frieden“ einen Rettungswagen gekauft. Dieser tritt jetzt die Reise in die Ukraine an.
Von
Sabine Hegele
Hechingen
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An diesem Samstag machen sich Helfer von „Kinder brauchen Frieden“ mit dem Rettungswagen für die Kinderklinik in Cherson auf den beschwerlichen Weg in die Ukraine. Bürgermeister Philipp Hahn (Vierter von links) wünschte eine sichere Reise.⇥

Sabine Hegele

Überwältigt von der Hilfsbereitschaft in Hechingen, in ganz Deutschland… aber vor allem von der Unterstützung des Vereins „Kinder brauchen Frieden“ zeigte sich am Freitagvormittag die in der Zollernstadt lebende Ukrainerin Jaroslawa Schuturma – und mit ihr eine ganze Delegation Ukrainerinnen und Ukrainer aus dem von Almut Petersen geleiteten Deutschkurs. Sie, die engagierten Vereinsmitglieder von „Kinder brauchen Frieden“, hätten „ein größeres Herz als sie groß sind“.

Fürwahr. Das Engagement des Hechinger Vereins seit Kriegsausbruch nun auch für die in ihrem Land verbliebenen Ukrainerinnen und Ukrainer verdient höchsten Respekt. Sein aktuellstes „Hilfsgut“: ein Rettungswagen, medizintechnisch umfangreich aufgerüstet, sprich ausgestattet. Am Freitagmorgen stand er zur Ansicht noch vor dem Rathaus, an diesem Samstag treten Helfer von „Kinder brauchen Frieden“ mit ihm die Fahrt zunächst nach Aachen und weiter über Polen nach Cherson an. Zielort dort ist das letzte noch funktionierende Kinderkrankenhaus.

Vor dem Hechinger Rathaus mit den besten Wünschen auf die Reise geschickt wurde der Rettungswagen von Bürgermeister Philipp Hahn. Er sprach von einer „intensiven Zeit“ seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine – in dessen Folge heute viele Ukrainerinnen und Ukrainer „Teil unserer Stadtgesellschaft“ geworden seien.

Das Zusammenwirken vieler helfender Hände im Kleinen wie in der großen EU-Gemeinschaft nannte Philipp Hahn (weiterhin) notwendig. Wobei neben des Dauerthemas „Waffenlieferungen“ die humanitäre Hilfe nicht vergessen werden dürfe. Hier, ganz speziell in Hechingen, tue sich beispielgebend der Verein „Kinder brauchen Frieden“ hervor. Schon mehrfach habe er Hilfsgüter, Medikamente und Medizintechnik in die Ukraine geliefert – jetzt also einen Rettungswagen.

Andreas Bierlmeier, Bruder des verstorbenen Vereinsgründers Michael Bierlmeier, freute sich über die anerkennenden Worte Hahns – machte aber auch deutlich: „Wir können nur helfen, wenn uns die Menschen helfen.“ Nicht versäumen wollte es Bierlmeier außerdem, dem Vereinsvorsitzenden Jürgen Müller für dessen unermüdliche Arbeit zu danken. Über Müller nämlich wurde die jetzt anstehende Lieferung des Rettungswagens in die Ukraine überhaupt erst möglich.

Über dieses Zustandekommen informierte der Vereinsvorsitzende selbst. Als Mitarbeiter in der Verwaltung des Zollernalb-Klinikums war (Müller ist seit August Ruheständler) und ist er noch immer gut vernetzt – so auch mit der Kollegenschaft in Aachen. Dort werden ebenfalls Hilfspakete geschnürt. Gemeinsam wurde die Lieferung des Rettungswagens in die Ukraine organisiert.

Das Fahrzeug wurde zuletzt von einem privaten Rettungsdienst in Paderborn genutzt – und stand jüngst in einem Autohaus zum Verkauf. Der Hilfsverein „Kinder brauchen Frieden“ hat ihn für 38 000 Euro gekauft und viele weitere tausend Euro in seine Ausstattung investiert. Zum Beispiel in den Kauf eines EKGs, eines Beatmungsgeräts oder in Perfusions- und Infusionsbestecke.

Das Autohaus seinerseits hat den Rettungswagen auf eigene Kosten neu bereift, für die Tüv-Abnahme gesorgt und ihn sogar mit einer Aufschrift („Kinderkrankenhaus Cherson“) in ukrainischer Sprache versehen.

Den Kauf möglich gemacht haben für die Ukrainehilfe zweckgebundene Fördergelder in einer Größenordnung von 50 000 Euro der Landesstiftung Baden-Württemberg.

Schon mal ein Beatmungsgerät geliefert

Mit Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg konnte der Hechinger Hilfsverein „Kinder brauchen Frieden“ bereits im Frühsommer für 10 000 Euro ein Beatmungsgerät beschaffen und auf den Weg in die Ukraine bringen. Am 29. Mai wurde das Beatmungsgerät zusammen mit anderen Hilfsgütern in Polen verladen. Am 4. Juni kam die Ladung in Cherson in der Kinderklinik an.

50

-tausend Euro hat die Landesstiftung Baden-Württemberg dem Hechinger Hilfsverein für den Kauf des Rettungswagens samt Ausstattung zur Verfügung gestellt.