Auftritt in Burladingen: Wolfgang Grupp: „Der Affe und ich gehören zusammen.“

Wolfgang Grupp auf der Bühne. Die Gelegenheit, ihn einmal im richtigen Leben sehen und hören zu können, wollten sich viele nicht entgehen lassen. Der Marktplatz war voll. Vor Grupp auf dem Tisch stehen Textil-Spulen, darunter eine historische (Mitte).
Matthias Badura- Burladingen: Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp sprach beim 2. Spulenfest vor vollem Marktplatz.
- Er betonte Strenge und Vergebung im Führungsstil – Lob für „schwächere“ Mitarbeiter sei zentral.
- Internatserfahrung war schwierig, doch die Firmenübernahme sah er als in die Wiege gelegt.
- Zum Werbeaffen Charly sagte er: „Der Affe und ich gehören zusammen“, Hauptsache Bekanntheit bleibt.
- Er riet zu Begeisterung für den Beruf, bekräftigte Produktion in Deutschland und forderte Heimatverbundenheit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bestimmt war die große Zahl der Zuhörerinnen und Zuhörer nicht auf den Burladinger Marktplatz gekommen, um etwas Neues über Wolfgang Grupp zu erfahren. Erleben wollte man ihn!
Umgekehrt war der vormalige Trigema-Chef der Einladung zu einem Talk (Gespräch) beim 2. Burladinger Spulenfest umgehend gefolgt. Das tue er selbsterständlich gerne für seine Heimatgemeinde – so ließ er auf die Anfrage hin ausrichten. Valentina Kandler, Mitarbeiterin der Landkreisverwaltung (Zollernalbkreis) führte das Interview. Sie wollte unter anderem wissen, ob Wolfgang Grupp eher „toben kann wie ein Stier“ oder eher vergeben? „Ich kann beides“ antwortete der Alt-Unternehmer. Wenn er aus der Haut fahre, dann leidenschaftlich, doch es falle ihm genauso leicht, jemand anderem einen Fehler nachzusehen. Oder aber, sich zu entschuldigen, wenn er zu energisch gewesen sei.
Kann er auch loben? Ja, erwiderte Grupp, das sei sogar ganz besonders wichtig. Gerade bei „schwächeren“ Mitarbeitern, „die im sonstigen Leben die zweite Geige spielen.“ Anerkennung schaffe Loyalität, Vertrauen und Zusammenhalt.
Internat war keine schöne Zeit
Was war der schönste Moment in seiner Zeit am Jesuiteninternat in St. Blasien? Klare Antwort: „Die Abiturfeier. Da war es vorbei.“ Die Zeit am Kolleg sei nicht schön gewesen, er habe starkes Heimweh gehabt, erzählte er. Obwohl es offenbar auch zu Hause streng zuging. „Ich habe alles bekommen, was ich wollte, ich musste aber auch viel leisten.“ Dass er einmal die Firma des Vaters übernehmen würde, erzählte er weiter, sei ihm „in die Wiege gelegt“ worden. „Es ist aber doch das Schönste überhaupt, wenn man einen Familienbetrieb weiterführen darf.“

Eine Vergrößerung des Grundsteins, den Bürgermeister Davide Licht in Händen hält, wird bei der Grundsteinlegung für den Kindergarten-Anbau Jahnstraße mit vermauert. Rechts im Bild Valentina Kandler, Landratsamt Balingen. Sie hatte das Gespräch mit Wolfgang Grupp geführt.
Matthias BaduraGrupp trug seine Antworten mit viel Humor vor, mitunter polterte er aber auch. So, als es ganz zu Beginn um Gewalttaten ging, die von Geflüchteten begangen werden. Der Alt-Unternehmer würde sie umgehend aus dem Land weisen. „Willkommensgruß ja, aber wer eine Straftat begeht, hat sein Bleiberecht verwirkt.“
Wichtig ist der Bekanntheitsgrad
Wie steht er zum Trigema-Werbeaffen Charly? „Der Affe und ich gehören zusammen, wir sind eine Einheit.“ Anders als früher an seiner Seite, trete der Affe neuerdings in den Spots alleine auf, nicht mit einem seiner beiden Kinder, bemerkte Valentina Kandler. Das sei die Entscheidung seiner Nachfolger gewesen, erklärte Grupp. „Wichtig ist nur, dass der Bekanntheitsgrad von Trigema erhalten bleibt.“
Weitere Themen drehten sich um das Batik-T-Shirt, das die damals verschuldete Firma vor einer möglichen Insolvenz rettete. „Ich habe das Batik-T-Shirt nicht erfunden“, stellte Grupp klar. Doch er habe die Möglichkeiten erkannt, die das Kleidungsstück birgt. Die Produktion in Masse setzte er gegen die damalige Geschäftsführung durch. „Ich habe gewusst, das ist ein heißes Eisen. Da habe ich die Chance wahrgenommen. Manchmal muss man etwas riskieren.“ Gehört zum Erfolg auch ein Quäntchen Glück, wollte Valentina Kandler erfahren. Der Gesprächspartner bestätigte das. Jedoch komme das Glück nur zu den „Guten“. Damit meinte er, wie er ausführte, diejenigen, die hart und konsequent arbeiten und den Wandel der Zeit rechtzeitig erkennen.
In der Frage nach dem Produktionsstandort Deutschland blieb Grupp eindeutig und folgte seinen früheren Aussagen: „Wir müssen innovative und qualitativ hochwertige Dinge produzieren.“ Nur dann habe Deutschland eine Chance gegen (Billig-)Konkurrenz aus dem Ausland.
Begeisterung für den Beruf
Was würde er jungen Menschen als Rat mit auf ihren Lebens- und Berufsweg geben? Grupp zögerte kurz, das sei nicht ganz einfach zu beantworten. „Auf jeden Fall, allen zu zeigen, dass man von seinem Beruf begeistert ist. Die Zeit, die man für seinen Beruf aufwendet, darf nicht begrenzt sein.“
Was wünschte er sich zuletzt von den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern seiner Heimatstadt? „Dass Sie weiter treu zu unserer Heimatstadt stehen. Es muss alles getan werden, damit Burladingen so bleibt, wie es ist, und wir das Spulenfest auch noch in Jahrzehnten feiern können.“
Ein Grundstein mit seinem Namen
Bevor Grupp die Bühne verließ, wandte sich Bürgermeister Davide Licht mit einem Geschenk an ihn. Neben einer weiteren Gabe handelte es sich um einen Grundstein, mit Inschrift. Er soll bei der baldigen Grundsteinlegung des Kindergarten-Anbaus in der Burladinger Jahnstraße vermauert werden. Zur Erklärung: Wolfgang Grupp und seine Frau Elisabeth unterstützen das Projekt mit 500.000 Euro aus ihrer privaten Stiftung.
Nach dem Schlussapplaus dauerte es lange, bis der Gaststar den Weg zu dem Auto zurückgelegt hatte, das ihn wieder nach Hause bringen sollte. Unzählige Hände wollten geschüttelt und ebenso viele Selfies mit ihm gemacht werden. Grupp nahm sich jeweils Zeit für ein paar Worte.
Die Antworten auf alle Fragen im Buch
Es wurden noch weitaus mehr Fragen als die hier genannten gestellt. Die Antwort auf alle finden sich in „Grupp. Die autorisierte Biografie“ von Volker ter Haseborg. Das Buch ist kürzlich erschienen. Wie der vormalige Trigema-Chef in dem Gespräch mit Valentina Kandler sagte, finde er sich gut getroffen. Selber hätte er es nicht schreiben können. „Das wäre nicht objektiv gewesen.“
