Trigema Burladingen
: Wolfgang Grupp, die Frage nach dem Glück und was er noch vorhat

Der vormalige Textilunternehmer sprach in der SWR1-Sendung Leute über seinen Suizidversuch, sein Leben und was die Zukunft für ihn bereithält.
Von
Matthias Badura
Burladingen
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Bekleidungsunternehmen Trigema: ARCHIV - 27.04.2026, Baden-Württemberg, Burladingen: Wolfgang Grupp, ehemaliger Chef des Bekleidungsunternehmens Trigema, steht im Stofflager. (zu dpa: «Grupp gibt Waffe ab – Konsequenzen nach Suizidversuch») Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wolfgang Grupp, der im Jahr 2024 seine Firma in die Hände seiner Kinder übergab, ist weiterhin ein gesuchter Interviewpartner. In der SWR-Sendung Leute sprach er über seinen Suizidversuch. Große Vorhaben beschäftigten ihn nicht mehr. Er habe in seinem Leben „alles gemacht, was ich machen wollte.“

Marijan Murat/dpa
  • Wolfgang Grupp sprach in SWR1 Leute über seinen Suizidversuch und seine aktuelle Lage.
  • Er bereut die Tat, hört rechts schlechter, und hält an seinen Prinzipien fest.
  • Große Pläne hat er nicht mehr – er lässt die Zukunft auf sich zukommen.
  • Digitalisierung bei Trigema ja, aber ohne eigenen PC: Das übernehmen die Mitarbeiter.
  • Die Firma übergab er 2024 an seine Kinder und vertraut auf deren Fortführung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wolfgang Grupp, langjähriger Geschäftsführer der Textilfirma Trigema (Burladingen/Zollernalbkreis) und offenkundig einer der weiterhin gesuchtesten Interviewpartner in Wirtschaftsfragen und Fragen unternehmerischer Ethik, sprach in der SWR1-Leute-Sendung über seine derzeitige Lebenssituation und darüber, wie es ihm geht, nachdem er im vergangenen Juli mit einer Schusswaffe infolge von Altersdepressionen einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Die Tat des Mannes, der bisher als unerschütterlich galt, zudem bekennender Christ ist, schockierte. Bekanntlich kehrte er nach seinem Krankenhausaufenthalt gesund zurück, stand bald wieder im Licht der Öffentlichkeit.

An seinen Lebenseinstellungen habe er nach seinem Suizidversuch „im Prinzip“ nichts geändert, sagte Grupp am Donnerstagmorgen, 7. Mai, im Gespräch gegenüber Moderator Nabil Atassi. Er habe den Suizidversuch „sofort sehr bedauert, weil ich viele Nachteile habe.“ Auf dem rechten Ohr höre er seither schlechter. (Vom Krankenlager aus hatte er sich damals umgehend auch bei seiner Familie sowie bei seinen Mitarbeitern für sein Vorgehen entschuldigt.) „Aber Fehler macht man und daraus muss man lernen und ich habe daraus gelernt, dass es nichts bringt. Ich muss mein Leben leben und wann es beendet wird, bestimmt ein anderer.“

Was er „noch vorhabe“, wollte Atassi wissen. Grupps Antwort: „Gar nichts. Irgendwann werde ich abgerufen aus dieser Welt. Das habe ich noch vor mir.“ Es wäre „fatal“, fügte er hinzu, wenn er sich mit 84 Jahren sagen müsste: „Ich habe das (und das) noch nicht gemacht. Ich habe alles in meinem Leben gemacht, was ich machen wollte, und jetzt lasse ich alles auf mich zukommen.“ Dazu gehöre letztlich das Sterben. Ein Familiengrab sei schon angelegt, sein Name und Geburtsdatum seien bereits eingraviert.

Die Frage nach dem persönlichen Glück

Auf die Frage, was Glück sei und ob er Glück in seinem Leben gehabt habe, entgegnete der 84-Jährige: „Glück ist, dass gewisse Probleme an einem vorbeigegangen sind, dass ich die und die Krankheit nicht gehabt habe. Glück ist ein Zufallsprinzip. Die, die mehr Pech haben, sind zu bedauern. Mehr Glück haben ist angenehmer.“ Man könne aber durchaus selbst durch gesunde Lebensweise, Ernährung und Bewegung zum persönlichen Wohlergehen beitragen. Aber manches werde einem Menschen eben ohne eigenes Zutun auferlegt.

Zu seinen „Hobbys“ erzählte Grupp: „Ich war begeisterter Jäger, das ist meine Hauptleidenschaft.“ Außerdem sei er immer ein „Sonnenanbeter“ gewesen. „Ich habe immer Urlaube gesucht, wo ich die Sonne genießen konnte, aber ansonsten hatte ich außer Jagd keine großen Hobbys.“

Was Unternehmensphilosophie angeht, ist sich der Altunternehmer treu geblieben. Er beharrte auf der persönlichen Verantwortung: „Eine Insolvenz gibt es nicht, weil der Staat irgendwas gemacht hat, sondern weil der Unternehmer den Wandel der Zeit nicht erkannt hat, und irgendeine Fehlentscheidung getroffen hat.“ Ob Deutschland generell ein guter Wirtschaftsstandort sei, dürfe man ihn nicht fragen, für ihn selbst habe gegolten: „Ich bin in Deutschland geboren und habe eine Verpflichtung gegenüber meinem Heimatland. Auch meine Mitmenschen haben ja ein Recht auf einen Arbeitsplatz und für die bin ich verantwortlich. Ich habe immer meine Verpflichtung gegenüber meinen Mitarbeitern und meiner Heimat gesehen. Hier lebe ich. Und Burladingen und Umgebung müssen davon profitieren und nicht das Ausland!“

Wie hält er's mit dem digitalen Wandel?

Im Verlauf des Interviews erreichten den Sender zahlreiche Fragen von Hörern. Ein „Marco“ wollte wissen, wie es zu vereinbaren sei, dass Wolfgang Grupp von Wandel und Anpassung spricht, aber sich gleichzeitig gegen PC – und damit Digitalisierung – wehrt.

Er sei kein Gegner der Digitalisierung, korrigierte Grupp: „Ich kann sie nicht verhindern, aber ich brauche sie selbst nicht zu machen. Ich habe keinen Computer. Das machen meine Mitarbeiter. Ich sage: Selbstverständlich müssen wir mit der Zeit gehen, die Digitalisierung geht ja an Trigema nicht vorbei. Wir sind mittendrin und wir müssen alles digital machen, was digital machbar ist und was Zeitersparnis bringt.“ Doch er müsse persönlich „nicht am Computer sitzen und da alles reinhämmern.“ Das würden die Mitarbeiter erledigen.

Was indessen Verträge und Abmachungen angehe, gelte das gesprochene Wort: „Ein Mann ein Wort. Die Mitarbeiter müssen wissen, wenn etwas zugesagt wurde, dann wird das auch eingehalten.“

Vertrauen in die Nachfolger

Wolfgang Grupp legte seinen Betrieb 2024 in die Hände seiner Kinder Wolfgang und Bonita. Warum erst im Alter von 81 Jahren? – lautete eine andere Hörerfrage. „Weil Sie Angst vor Langeweile hatten oder weil Sie der Nachfolgegeneration so wenig zutrauen?“

Grupp verneinte: „Ich habe mit meinen Kindern zehn Jahre zusammengearbeitet. Dann habe ich irgendwann erkannt, dass ich auch nicht ewig lebe, und habe ihnen die Firma geschenkt.“ Sohn und Tochter hätten jedoch im Betrieb schon zuvor dieselbe Entscheidungsfreiheit gehabt. „Irgendwann habe ich gesagt: Jetzt wird es Zeit, weil ich ja auch nicht wissen konnte, ob ich ein halbes Jahr später vielleicht schon todkrank bin.“ Die Befürchtung, die Nachfolger könnten die Firma nicht mehr in seinem Sinne weiterführen, habe er nicht. „Die Kinder sind so erzogen, sie kennen das so. Und wie ich sie kenne, glaube ich, dass sie die Prinzipien, die ich hatte, weiterführen. Ich glaube nicht, dass sie meinen, jetzt müssten sie alles anders machen.“ Er habe Trigema 55 Jahre auf seine Weise geführt. „Ganz schlecht kann ich es ja nicht gemacht haben, wenn ich der Letzte bin, der in der Burladinger Textilproduktion noch da ist.“

(Wobei außenstehend zu ergänzen wäre, dass weitere Burladinger Unternehmen, allerdings kleinerer Größe, die Textilkrise, die ab den 1970er-Jahren einsetzte, überlebten und in Segmenten am Markt, teils international, überaus erfolgreich sind. So die Dolinschek GmbH oder hijoma tex. Die Masse der einst 26 Mitbewerber am Ort ist aber tatsächlich nicht mehr existent.)

Fernsehinterview am 11. Mai

SWR Für Montag, 11. Mai, kündigt der SWR Baden Württemberg im TV ein weiteres Interview (Dokumentation) mit Wolfgang Grupp an. Es soll von 21 bis 21.45 Uhr ausgestrahlt werden.