Albkamele e.V. aufgelöst – Tiere stehen zum Verkauf
: Traum vom Kamelhof ist geplatzt

Rolf Müller hat seinen Tiererlebnishof „Albkamele“ samt Förderverein aufgelöst. Der letzte Hoffnungsschimmer auf ein neues Quartier in Sonnenbühl ist verblasst. In Burladingen hat der 42-Jährige jetzt den Kuriernotdienst „Lastkamele“ gegründet.
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Von Andrea Spatzal
Hechingen/Burladingen
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Ein letzter Abschiedskuss: Rolf Müller hat lange für das Projekt „Albkamele“ gekämpft. Jetzt musste er doch die Reißleine ziehen.

privat

Rolf Müller musste seinen Traum von einem Kamelhof nun leider doch begraben. Nach dem verordneten Abzug vom Butzenwasen bei Hechingen blitzte für den engagierten Tierpfleger und seine Menagerie kurz ein Gelände in Sonnenbühl als Hoffnungsschimmer auf. Doch auch dieser ist schnell wieder verblasst. Um einen Tiererlebnishof auf der Sonnenalb ansiedeln zu können, hätte es eine Bebauungsplanänderung gebraucht, erklärt Müller. Und das wäre teuer geworden. Auf zirka 50 000 Euro schätzt er die Investition, die er trotz aller Unterstützung einer treuen Anhängerschar nicht hätte stemmen können. Die Reserven seien am Ende. „Seit sieben Jahren habe ich kein Geld verdient“, sagt Müller. Die Unsicherheit und das Risiko, in Sonnenbühl neu anzufangen, waren ihm einfach zu groß.

Vor sieben Jahren in Höfendorf begonnen

Viel Geld, Zeit und vor allem Herzblut hat der 42-Jährige in die Verwirklichung seines Traumes gesteckt: Schon seit seiner Kindheit von den Wüstenschiffen fasziniert, wollte Rolf Müller einen Kamelhof nach dem Vorbild Rotfelden aufbauen. Bis zu einem verheerenden Brand im Jahr 2013 betrieb der ehemalige Landwirt Wilhelm Breitling in dem kleinen Schwarzwalddorf die größte Kamelfarm in Europa.

Auf einer Wiese mit Stall am Ortsrand von Höfendorf haben Rolf Müller und sein Team 2013 angefangen. Nach einem Umzug auf ein größeres Gelände innerhalb des Orts schien man 2016 endlich eine dauerhafte Bleibe gefunden zu haben: Ein großer Hof auf dem Butzenwasen zwischen Hechingen und Bodelshausen. Die Aufbauarbeit konnte beginnen.

Zuletzt waren etwa es 100 Tiere – vom Kamel bis zum Strauß

Die Besucherzahlen wuchsen. Auch die Vielfalt der Tiere wurde größer. Zuletzt waren etwa es 100 Tiere, vom Kamel bis zum Strauß konnte man Vier- und Zweibeiner, mit Fell oder Federn hautnah erleben. Eine besondere Attraktionen war jedes Jahr das Kamelfest, das demnächst, wie immer zum Ende der Sommerferien, in seiner 8. Auflage hätte gefeiert werden können. Doch der Pachtvertrag wurde gekündigt und Ende 2019 mussten Rolf Müller und seine Tiere den Hof verlassen.

Auch der Förderverein Albkamele, dessen Vorsitz zuletzt der Hechinger Joachim Wien innehatte, sei inzwischen aufgelöst.

Nach etlichen Wochen bangen Wartens und Hoffens auf eine Lösung zog Rolf Müller nun die Reißleine. Schweren Herzens wurden alle Tiere zum Verkauf angeboten, die Tierhaltung sowie der Besuch und die tiergestützte Therapie eingestellt. Auf Facebook bedankt sich Rolf Müller auch im Namen seines Teams „bei allen, die ein wirkliches Interesse an den Albkamelen hatten“. „Ich hoffe, dass alle Verständnis für meine Entscheidung, die Tiere herzugeben, haben“, schreibt er.

In Burladingen Kuriernotdienst „Lastkamele“ gegründet

Tatsächlich sei das Angebot, sich für wenig Geld ein Kamel oder ein Lama zuzulegen, auf nicht sehr fruchtbaren Boden gefallen, verrät Müller im Gespräch mit der HZ. Nur wenige habe er unterbringen können. Das Dromedar Marisol und das Trampeltier Schanaja sowie etliche Lamas, Schafe, Ziegen und Schweine sind immer noch in Müllers Besitz und wollen gefüttert und versorgt werden. Um die Versorgung der an verschiedenen Standorten verteilten Tiere zu finanzieren, hat Rolf Müller, der inzwischen in dem Burladinger Stadtteil Hausen lebt, umdisponiert und den Kuriernotdienst „Lastkamele“ gegründet (www.lastkamele.de; Tel.: 01520 4661820). Im Auftrag werden mit Sprinter & Co. Sonderfahrten übernommen, erklärt er die Geschäftsidee.

Große Fangemeinde auf Facebook bedauert Auflösung

Rolf Müller trauert um seinen Traum, seinen Tierhof. Es gehe ihm damit „nicht gut“, gibt er zu. Aber ganz aufgeben will der 42-Jährige nicht. Auch wenn die Suche nach einem geeigneten Hof bis auf Weiteres eingestellt sei, habe er immer noch die Kraft und die Hoffnung für ein Happy End. „Ich bin ein Powermensch“, sagt er .

Eine große Anhängerschar würde es wahrlich begrüßen, wenn die Albkamele doch noch eine Zukunft hätten. Die Zahl der Kommentare auf Facebook, die das Aus des Tiererlebnishofes bedauern, ist hoch. „Es tut mir unendlich leid für deine Tiere, deine Philosophie und auch für dich, lieber Rolf“, schreibt Tina. „Oh nein, wie traurig! Wir hatten immer gehofft, euch bald an neuer Stelle besuchen zu können“, lautet der Kommentar von Sabine. „Ich fasse es nicht“, schreibt Melanie und Wolfgang postet: „Ich kann dazu nur sagen: sehr, sehr schade.“

Silvia behält den Tiererlebnishof als einen Ort in Erinnerung, an dem „jeder willkommen war und es keine Unterschiede zwischen den Menschen gab.“

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