Tempo 30 in Hechingen: Nicht noch mehr Flickenteppich, aber in Schlatt bleibt es gebremst

Man sollte wirklich nicht auf die Bierwerbung schauen, sondern auf die rot umrandete Zahl, und das Verkehrszeichen bleibt wohl weiterhin: Tempo 30 in Schlatt auf einem Abschnitt auch tagsüber, das ist gut gegen den Verkehrslärm, und noch besser für die Sicherheit der Kindergarten- und Schulkinder!
Ernst Klett- Tempo 30 bleibt in Hechingen-Schlatt – rund um die Uhr zur Lärmminderung und Kindersicherheit.
- Kritik: Flickenteppich aus Tempo-30- und Tempo-50-Zonen sorgt für Akzeptanzprobleme und mehr Überholmanöver.
- Stadtrat fordert Kontrolle von Rasern und Motorrädern – Polizei ist dafür unterbesetzt.
- Lärmaktionsplan vorerst gestoppt, mittelfristig neue Diskussion im Gemeinderat geplant.
- Antrag für Tempo 80 auf der B 27 abgelehnt – Lärmmessungen bleiben umstritten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Leiter des Hechinger Ordnungsamtes nickt heftig mit dem Kopf. Ja, im Killertal-Stadtteil müssen Kontrollen her! In der Tat ist es mit der Einhaltung der neuen Höchstgeschwindigkeit auf dem Abschnitt der B 32 zwischen den beiden Fußgängerampeln so eine Sache. Fast könnte man meinen, vor allem Auswärtige halten sich an Tempo 30. Ansonsten scheint es mit der Akzeptanz der Geschwindigkeitsbremse nicht weit her zu sein. Wer sich daran hält und einen eiligen Wutbürger (m/w/d) hinter sich hat, wird im schlimmeren Fall bedrängt beziehungsweise gefährlich überholt.
Schlatt allerdings hat nichts beziehungsweise nur indirekt zu tun mit dem Lärmaktionsplan. Die teilweise erregte Aussprache am Ratstisch zu beiden Themen vereint aber beides. In Schlatt ist Tempo 30 rund um die Uhr eingerichtet worden, so beteuert es Bürgermeister Philipp Hahn, weil die Anwohner Ortsvorsteher Jürgen Schuler und den Ortschaftsrat bedrängt haben. Schuler hat schon vor Monaten gegenüber der HZ Klage darüber geführt, dass zu schnell gefahren wird auf der Ortsdurchfahrt und skandalöserweise oftmals die rote Ampel ignoriert werde. Das ist Lebensgefahr für Kindergarten- und Schulkinder.
Es ist noch lauter geworden
Weniger Lärm bedeutet Tempo 30 in diesem Abschnitt der B 32 allerdings ebenfalls. Wenn sich Leute in den Autos und Lastwagen daran halten. Stadtrat Roland Huber (FWV) erneuerte seine Feststellung, dass die Schlattemer Anwohner sich über zusätzlichen Lärm beklagen, weil jetzt ständig überholt werde. Womit sich der Kreis schließt zu den angekündigten Kontrollen.
Der irre Flicktenteppich
Huber rückte zurecht, was seiner Ansicht nach nicht richtig berichtet wurde aus dem Bauausschuss: Niemand habe die Arbeit im Lärmaktionsplan angreifen wollen, niemand sei gegen Lärmschutz. Wenn es nach ihm ginge, könne man überall Tempo 20 machen, oder alle sollten laufen. Im Brennpunkt steht für ihn und offenkundig nahezu alle Stadträte der zum geflügelten Wort gewordene Flickenteppich: Tempo 50, 100 Meter Tempo 30, dann wieder Tempo 50. Das bringe nichts für den Lärmschutz und sei Irrsinn. Genau das müssten die kommunalen Vertreter bei den Gesetzgebern anbringen.
Tempo 80 auf der B 27 bleibt wohl ein Traum
Innerorts lässt sich Verkehrslärm sehr wohl reduzieren. Die richtig große Lärmbremse für die Menschen in der östlichen Unterstadt und droben am First wäre allerdings die B 27. Auf der Umgehung von Hechingen sind seit einigen Jahren immerhin 120 Sachen die Obergrenze. Stadtrat Jürgen Fischer (SPD) bezeichnet die vierspurige Schnellstraße trotzdem als enormen Lärmfaktor, vor allem im Bereich der Tankstellen. An 120 halte sich nachts sowieso kaum jemand. Der Konter von Stadtoberhaupt Hahn: Es wird regelmäßig geblitzt dort. Hahn brachte zudem in Erinnerung, dass Hechingen sehr wohl einen Antrag auf Tempo 80 gestellt hat. Das Regierungspräsidium sei jedoch nicht mitgegangen. Philipp Hahn: „bedauerlicherweise“.
Die Erste Beigeordnete Dorothee Müllges, unter deren Sitzungsleitung der Bauausschuss den finalen Lärmschutzplan mehrheitlich abgelehnt hatte, appellierte im Gemeinderat daran, neben den Verkehrsteilnehmern und dem ÖPNV (der offensichtlich Tempo 50 auf ausgewählten Strecken braucht) solle man doch auch an die Anwohner und deren Gesundheit denken.
Kontrolleure komplett unterbesetzt
Das kam trotzdem nicht an im Kommunalparlament. Felix Miller (SPD) bezweifelte, dass der Mix aus Tempo 30 und Tempo 50 der richtige Weg sei. Nicht nachvollziehen konnte er, dass der Stadtbus tatsächlich Tempo 50 benötigt. Es brauche ein Konzept gegen den Lärm, aber ohne Flickenteppich. Matthias Linckersdorff (FDP) pflichtete bei: Der Krach werde auf die bisherige Weise nicht reduziert. Effektiver seien Kontrollen bei lauten Motorrädern und Rasern, die man vor allem nachts durch die ganze Stadt höre. Steins Ortsvorsteher Manuel Riecher, von Beruf her Experte, bremste den Liberalen aus: Die Polizei hat ein Kontrollfahrzeug für solche Einsätze – für vier Landkreise!
Von Tempo 40 können die Hechinger Stadträte nicht lassen. Bereits im Ausschuss verklickerte die Stadtverwaltung mehrmals, dass damit der Hechinger Lärm nicht wie gefordert reduziert werden kann. Trotzdem wunderte sich Annette Fellinger-Robertz (Bunte Liste) weiterhin, dass es anderswo doch sehr wohl gehe. Lorenz Welte (CDU) sprang bei: Reutlingen habe 30er-Zonen in 40-er umgewandelt. Einspruch der Verwaltung: Das musste teilweise zurückgenommen werden.
Irgendwann ein neuer Anlauf
Bei drei Enthaltungen wurde die vierte und letzte Stufe des Lärmaktionsplanes abgelehnt. Bürgermeister Hahn hatte gleich zu Beginn eine Alternative angekündigt: Das Papier wird lediglich zur Kenntnis genommen, aber nicht umgesetzt. Damit bleibt es bei den aktuellen 30er- und 50er-Regelungen mit dem Tag- und Nachtmix. Das Abstimmungsergebnis für diesen Änderungsantrag: sieben Neinstimmen, vier Enthaltungen. Mittelfristig soll es eine erneute Lärm-Runde im Hechinger Rat geben.
Messen oder rechnen? Laut bleibt laut.
Die Grundlage für den Hechinger Lärmaktionsplan sind Lärmberechnungen, nicht Lärmmessungen. Das kann man schon mal durcheinanderbringen. Auch dem Hechinger Bürgermeister ist das im Gemeinderat passiert. Außerdem legt die HZ Wert darauf, dass im Bauausschuss sehr wohl und wiederholt von Messungen die Rede war. Überhaupt ist es doch einerlei: Laut bleibt laut.


