Statistik im Zollernalbkreis
: Arbeitsmarkt im Leerlauf: Trotz leicht sinkender Arbeitslosigkeit wächst die Sorge um Langzeitarbeitslose

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen ist im Juni saisonüblich leicht zurückgegangen. Allerdings sind weniger neue Stellen im Juni gemeldet.
Von
red
Zollernalbkreis
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Jobcenter: ARCHIV - 30.03.2020, Bremen: Eine rote Ampel leuchtet vor einem Schild, das auf die Agentur für Arbeit hinweist. (zu dpa: «Etwas mehr Arbeitslose in Rheinland-Pfalz») Foto: Sina Schuldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Agentur für Arbeit hat den Juni-Arbeitsmarktbericht für die Kreise Reutlingen, Tübingen, Sigmaringen und den Zollernalbkreis veröffentlicht.

Sina Schuldt/dpa (Symbolfoto)
  • Arbeitslosigkeit im Bezirk Balingen-Reutlingen sinkt im Juni leicht, Quote bleibt bei 4,3 Prozent.
  • Langzeitarbeitslosigkeit nimmt zu – die Agentur spricht von nachlassender Dynamik am Arbeitsmarkt.
  • Zugänge aus Beschäftigung unter 4000 und Abgänge auf niedrigstem Wert seit Januar: Zeichen für Unsicherheit.
  • Unterschiedliche Entwicklung: Reutlingen mit mehr Arbeitslosen, Tübingen, Sigmaringen und Zollernalbkreis mit Rückgang.
  • Arbeitskräftenachfrage gespalten: 971 neue Stellen, Reutlingen mit Plus, übrige Kreise mit Rückgängen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung am regionalen Arbeitsmarkt positiv: Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen ist im Juni saisonüblich leicht zurückgegangen. Insgesamt sind zum Stichtag 20.663 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 194 weniger als im Mai. Doch hinter den Zahlen verbirgt sich eine andere Realität. Während die Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent stabil bleibt, wächst die Zahl der Langzeitarbeitslosen – und die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt nimmt weiter ab. Die Entwicklung fällt allerdings regional sehr unterschiedlich aus: Während die Landkreise Tübingen, Sigmaringen und der Zollernalbkreis einen Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnen, steigt sie im Landkreis Reutlingen leicht an.

Langzeitarbeitslosigkeit nimmt zu

Besonders kritisch bewertet die Agentur für Arbeit den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Gerade die Entwicklung im Landkreis Reutlingen sorgt dafür, dass mehr Menschen über einen längeren Zeitraum ohne Beschäftigung bleiben. „Ein Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit ist immer auch ein Alarmsignal. Strukturen am Arbeitsmarkt verfestigen sich, die Betroffenen verlieren oftmals den Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt und es wird immer schwieriger, eine neue Stelle zu finden“, erläutert Markus Nill, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen. Diese Entwicklung ist auch an der fehlenden Dynamik am Arbeitsmarkt erkennbar.

Auch die Zahlen zu Zu- und Abgängen in die Arbeitslosigkeit verdeutlichen die schwache Entwicklung. Erstmals in diesem Jahr lag der Zugang aus einer Erwerbstätigkeit in die Arbeitslosigkeit mit 3873 Personen unter der Marke von 4000. Gleichzeitig konnten jedoch lediglich 4062 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, der niedrigste Wert seit Januar.

Für Nill ist das ein Zeichen für die derzeitige wirtschaftliche Unsicherheit: „Aufgrund konjunktureller Unsicherheiten halten sich viele Unternehmen mit Neueinstellungen zurück. Die geringe Dynamik erschwert Arbeitslosen die Rückkehr in den Arbeitsmarkt und jungen Menschen den Einstieg in das Berufsleben. Der Arbeitsmarkt befindet sich ein Stück weit im Leerlauf.“

Arbeitskräftenachfrage geht leicht zurück

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist im Bezirk der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen im Juni leicht zurückgegangen. Interessanterweise verläuft die Arbeitskräftenachfrage in der Region entgegengesetzt zur Arbeitslosigkeit. So sind im Kreis Reutlingen (mit gestiegener Arbeitslosigkeit) sowohl Zugang als auch Bestand an Arbeitsstellen gestiegen, in den anderen Kreisen im Bezirk hingegen gesunken. Insgesamt wurden im Juni 971 Stellen neu gemeldet, der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen liegt damit knapp unter der 5000er-Marke.

Auffällig ist dabei die unterschiedliche Entwicklung innerhalb des Agenturbezirks: Während im Landkreis Reutlingen sowohl die Zahl der gemeldeten Stellen als auch der Stellenbestand zugenommen haben, gingen sie in den übrigen Landkreisen zurück – obwohl dort gleichzeitig die Arbeitslosigkeit sank.

So entwickeln sich die einzelnen Landkreise

Im Landkreis Reutlingen sind im Juni 8024 Menschen arbeitslos, 105 mehr als im Mai. Davon sind 3759 bei der Agentur für Arbeit gemeldet und 4265 beim Jobcenter Landkreis Reutlingen. Die Arbeitslosigkeit im Landkreis Tübingen ist im Juni um 112 Personen gesunken. Im Juni sind in Tübingen 4690 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Agentur für Arbeit betreut davon 2490 Personen, das Jobcenter Landkreis Tübingen 2200. Den größten Rückgang im Agenturbezirk Balingen-Reutlingen verzeichnete im Juni der Zollernalbkreis. Mit 2506 von der Agentur für Arbeit und 2658 vom Jobcenter Zollernalbkreis und damit insgesamt 5164 betreuten Personen ist die Zahl der Arbeitslosen hier um 164 Personen niedriger als im Mai. Im Landkreis Sigmaringen verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 23 auf jetzt 2785 Personen. Davon werden 1531 von der Agentur für Arbeit und 1254 vom Jobcenter Landkreis Sigmaringen betreut.

Die aktuellen Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Zwar ist die Arbeitslosigkeit saisonbedingt leicht zurückgegangen, doch der regionale Arbeitsmarkt kommt insgesamt kaum in Bewegung. Besonders die steigende Langzeitarbeitslosigkeit und die zurückhaltende Einstellungsbereitschaft vieler Unternehmen bereiten der Agentur für Arbeit Sorgen. Solange die wirtschaftliche Unsicherheit anhält, dürfte sich an diesem verhaltenen Trend vorerst wenig ändern.