Stadttauben Hechingen
: Petition hat zur Halbzeit über 500 Unterzeichnende, es sollen aber 1000 werden

Mit Spannung schaut man beim Verein Stadttauben Hechingen auf einen ganz besonderen Liveticker: Er zählt die Unterschriften unter der Petition gegen das von der Stadt erlassene Taubenfütterungsverbot. Damit verbunden ist das Verlangen nach einer effektiven Lösung des Problems.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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Nach wie vor sitzen Tauben auf den Dächern der Obertorplatz-Gebäude. Die Tiere sind auf Nahrungssuche, seit sie nicht mehr artgerecht gefüttert werden dürfen. Viele sind schon verendet.

Nach wie vor sitzen zahlreiche Tauben auf den Dächern der Obertorplatz-Gebäude. Die Tiere sind auf Nahrungssuche, seit sie nicht mehr artgerecht gefüttert werden dürfen. Viele sind schon verendet.

Ernst Klett
  • Petition gegen Taubenfütterungsverbot in Hechingen: 500 von 1000 Unterschriften zur Halbzeit erreicht.
  • Tierschützer fordern Taubenschläge mit Eier-Austausch als nachhaltige Lösung statt Fütterungsverbot.
  • Tote und kranke Tauben prägen Stadtbild – Stadttaubenverein kümmert sich um Kadaver und Tierarztbesuche.
  • Positive Reaktionen auf Petition, Ziel: lokales Stimmungsbild für tierschutzgerechte Maßnahmen.
  • Beispiele aus Bisingen und Burladingen zeigen erfolgreiche Umsetzung von Taubenschlägen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tote und kranke Tauben machen sich nicht gut im Stadtbild. Vor allem dann nicht, wenn junge Familien auf dem Schaukelpfad unterwegs sind. Aber die Stadt beseitigt die Kadaver rasch – oder lässt sie beseitigen durch Mitglieder des Stadttauben-Vereins. Die bringen auch kranke und halbverhungerte Exemplare zum Tierarzt. Trotzdem kommt es offenbar immer wieder vor, dass man auf verendete Tauben trifft. Eine Mutter hat berichtet, was das für ihre Kleinkinder bedeutet hat.

Aber es müsste ja alles nicht sein, beharren die Tierschützer. Ausgelöst worden ist das Tauben-Elend durch das städtische Fütterungsverbot. Damit wollen Rathaus und Gemeinderat dem Problem der Überpopulation Herr werden – auf grausame Weise, die nicht mit dem Tierschutz einhergeht. Eine Lösung, darauf pocht der Stadttauben-Verein ebenfalls, ist diese mittelalterliche Methode sowieso nicht: Einzig Taubenschläge mit funktionierender Vermehrungsbremse könnten helfen.

Ihren Vorstoß gegen das Fütterungsverbot wollen die Taubenschützer wie berichtet durch eine Petition befeuern. Und die wird seit Mittwoch dieser Woche kräftig genutzt. Bis Freitagabend waren schon weit über 500 Unterzeichnende registriert. Das lässt den Hechinger Taubenschutzverein aufatmen: Zur Halbzeit ist damit deutlich mehr als die Hälfte der angestrebten 1000 Unterschriften erreicht. Und man ist zuversichtlich, dass die vierstellige Zahl geschafft wird.

Wie viele Unterschriften am Ende tatsächlich aus Hechingen und Umgebung stammen, darauf wollen die Taubenschützer genau achten. Die Liste wird nach dem Ende der Aktion von der Online-Plattform angefordert, und dann werden Namen und Wohnorte gecheckt. Unterschriften von ganz weit weg zählen nicht. Im Mittelpunkt soll ein Ergebnis stehen, das zeigt, wie viele Hechingerinnen und Hechinger wollen, dass es den Stadttauben gut geht. Der Verein weiß zu differenzieren: Blauäugig Forderungen stellen, soll nicht sein Ding sein. Und man weiß sehr wohl, dass es etliche Mitbürger gibt, die sich am Taubendreck stören – die aber trotzdem nicht wollen, dass die Tiere kläglich sterben müssen. Die Zahl der lokalen Unterzeichner soll ein Gegengewicht zu den Beschwerdeführern darstellen, bei denen es sich laut Stadttaubenverein nur um „ein paar Menschen“ handelt. Auf deren Betreiben allerdings sei das Fütterungsverbot erlassen beziehungsweise die Ausnahmegenehmigung zum Füttern nicht verlängert worden.

Das neue Taubenhaus zwischen Bahngleis und Bahnhofstraße oberhalb des Marktplatzes. Ob es die Vögel annehmen, muss sich zeigen. Dann ließe sich die – sehr rasch vor sich gehende – Vermehrung der Vögel mit Hilfe von Gipseiern unter Kontrolle bringen. ⇥

Burladingen macht ebenfalls mit bei einer gezielten Tierpolitik: Das neue Taubenhaus steht zwischen Bahngleis und Bahnhofstraße oberhalb des Marktplatzes.

Matthias Badura

Gezielt gerichtet wird die Eingabe an die Stadt Hechingen. Die soll ein Stimmungsbild erhalten, das einen gewissen Querschnitt der Bevölkerung darstellt. Dies zumindest hoffen die Tierschützer. Die Reaktionen, die Kristina Stalder (bekannt von der Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen und Umgebung) bislang registriert hat, deuten darauf hin, dass dieses hehre Ziel erreicht werden könnte: Gerechnet hatten die Petitionsmacher sehr wohl auch mit einem heutzutage üblichen „Shitstorm“ von der anderen Seite. Aber es kamen bislang laut Stellungnahme des Stadttaubenvereins ausschließlich positive Reaktionen.

Fütterungsverbot hilft nicht weiter

Kristina Stalder hat gegenüber der HZ erneut bekräftigt, dass das Vorgehen gegen den Gemeinderatsbeschluss nicht allein aus Tierschutzgründen beschlossen worden ist. Der Erfolg der grausamen Methode wird grundsätzlich bezweifelt: Wenn die Tiere merken, dass die Population kleiner wird, sorgen sie ganz naturgemäß für noch mehr Nachwuchs.

Mit dem Taubenschlag steuern können

Eine Lösung sieht der Verein einzig darum, dass auch Hechingen wie andere Kommunen endlich Taubenschläge errichtet, mit deren Hilfe die Zahl der gesunden (!) Tauben effektiv eingedämmt werden kann – Stichwort: Austausch der Eier durch Nachbauten. Das wird nicht ohne Kosten abgehen, auch wenn sich der Stadttaubenverein weiterhin ehrenamtlich einbringen will. Allerdings herrscht bei den Tierschützern derzeit eher Resignation vor: Den Taubenschläge-Vorschlag hat man schon wiederholt eingebracht, und das Ergebnis war jedes Mal ein Nein.

Hier geht’s zur Petition. Oder aber man bemüht die Suchmaschine.

Tauben auf dem eigenen Dach? Wer würde wollen?

Kristina Stalder beschreibt, wie effektive Tauben-Behandlung funktionieren würde (im Original): „Wenn es nur einige wenige Menschen gäbe, die ihren Dachboden, auf dem womöglich sowieso schon Tauben hausen, freigeben würden für Modul-Einbauten für die Legenester und zulassen würden, dass sich Freiwillige um den Ei-Austausch kümmern oder die Stadt stadteigene Gebäude zur Verfügung stellen würde, dann wäre das eine Kleinigkeit! In Bisingen hat der Bauhof einen Bauwagen als erstes „Versucherle“ ausgebaut und weil das gut lief nun mit einem größeren Schlag für mehr Tauben nachgezogen (wird bald fertig sein), in Burladingen wurde ein Turm erstellt, in Rottweil ist ein Schlag oberhalb des Schulhofes einer Grundschule – überall geht es, überall funktioniert es – es ist unverständlich, warum sich Hechingen so dagegen sperrt, jetzt ein überschaubares Budget dafür zur Verfügung zu stellen statt später, wenn es mehr Tauben sind, viele kranke Tauben herumirren, Kadaver herumliegen wesentlich mehr Geld aufwenden zu müssen.“