Sparzwang in Hechingen: Städtischer Kita-Bus ist eingestellt – Eltern sind sauer

Die letzte Fahrt mit dem Kita-Bus nach Stein traten die Kinder aus Bechtoldsweiler am Donnerstag an. Links im Bild: Fahrer Erkan Wölk.
privat- Hechingen stellt zwei Kita-Busse aus Spargründen ein; Eltern verärgert.
- Betroffene Strecken: Beuren-Schlatt und Bechtoldsweiler-Stein.
- 38.000 Euro Einsparungen; Kosten pro Kind: 1833 Euro.
- Eltern kritisieren mangelhafte Kommunikation und kurzfristige Entscheidung.
- Stadt verweist auf Gespräche und erwartet Fahrgemeinschaften.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Groß ist der Ärger bei den Eltern aus dem Hechinger Stadtteil Bechtoldsweiler, deren Kinder bisher auf städtische Kosten mit dem Bus in die Kita im benachbarten Stein gefahren wurden: Am 29. November erreichte ein Schreiben der Stadt Hechingen über die App „Stay Informed“ die Eltern mit der schlechten Nachricht: Aus Spargründen wird der Bus ab dem nächsten Jahr nicht mehr fahren. Am Donnerstag vor Weihnachten fand die letzte Fahrt statt.
„Ziemlich ärgerlich und kurzfristig“
„Ziemlich ärgerlich und vor allem kurzfristig finden die Eltern diese Entscheidung der Stadt Hechingen“, sagt Bianca Oesterle, eine der betroffenen Mütter. Seit mehr als 50 Jahren, so schildert sie, werden die Kinder von Bechtoldsweiler mit dem Bus in den Nachbarort Stein in den Kindergarten gefahren und auch wieder nach Hause gebracht. Bei der Etablierung des Fahrdienstes habe die Stadt den Eltern versprochen, dass dieser Service aufrechterhalten werde, bis Bechtoldsweiler einen eigenen Kindergarten habe. Deren Bau steht zwar im mittelfristigen Investitionsprogramm der Stadt. Aber bis die Kita im Baugebiet „Mittelwies“ steht, werden noch etliche Jahre ins Land ziehen.
„Wir hätten diese Entscheidung verstanden, wenn es endlich den lang ersehnten Kindergarten in Bechtoldsweiler gäbe“, heißt es aus Kreisen der enttäuschten Eltern. Hilfe wurde gesucht bei Ortsvorsteher Bernd Zimmermann, und Gespräche mit der Stadt wurden geführt – doch vergebens. Der Kita-Bus blieb auf der langen Liste der städtischen Sparmaßnahmen, die zur Haushaltskonsolidierung angelegt wurde.
Eltern beklagen „fehlende Kommunikation“
„Wir ärgern uns vor allem über die Kurzfristigkeit und die fehlende Kommunikation im Vorfeld“, sagt Bianca Oesterle im Namen der Eltern. Die Bereitschaft für einen Kompromiss wäre aus Sicht der Eltern da gewesen, zum Beispiel einen Zuschuss zu leisten oder auf vereinzelte Fahrten zu verzichten. Doch die Entscheidung sei ohne die Vorschläge der Eltern getroffen worden.
Nun bleibe „nichts anderes übrig, als dass künftig zweimal täglich zehn Fahrzeuge von Bechtoldsweiler nach Stein fahren müssen statt bisher ein Kleinbus“. Der Klimaschutz, so wird kritisiert, bleibe da ebenfalls auf der Strecke.
Die Stadt verweist auf geführte Gespräche
Den Vorwurf der fehlenden Kommunikation lässt die Stadtverwaltung nicht gelten. Der zuständige Bereichsleiter Marc Meßmer verweist auf ein Telefonat mit einer der Mütter, die nach eigener Aussage auch für die übrigen betroffenen Eltern gesprochen habe. Dabei sei „Verständnis für die Entscheidung gezeigt“ worden. Auch Ortsvorsteher Bernd Zimmermann habe als Mittler agiert.
Ebenso verteidigt das Rathaus die Bekanntgabe der Streichung über die App „Stay Informed“. Dabei handle es sich um das etablierte Kommunikationsmittel für alle Themen rund um die Hechinger Kitas. Eines zusätzlichen Infobriefes habe es deshalb nicht bedurft.
Einspareffekt: 38.000 Euro
In der Sache argumentiert Marc Meßmer mit dem Sparzwang im Rahmen der Haushaltskonsolidierung. Dabei gerieten zunächst jene „Freiwilligkeitsleistungen“ in den Fokus, die nicht an gesetzliche Vorgaben gebunden seien. Darunter fielen auch die Kita-Busse von Bechtoldsweiler nach Stein und von Beuren nach Schlatt. Für solche Leistungen, so Meßmer, könne es „keine Ewigkeitsgarantie“ geben, vor allem wenn sie massiven Kostensteigerungen unterworfen seien. Die Transportkosten, die das beauftragte Taxiunternehmen Wölk in Rechnung stelle, wären im kommenden Jahr um fast 23 Prozent auf insgesamt 38.000 Euro gestiegen. Davon entfielen 22.000 Euro auf den Bus von Bechtoldsweiler nach Stein.
1833 für jedes transportierte Kind
Meßmer rechnet vor: Derzeit nutzten zwölf Kinder aus neun Bechtoldsweilerner Familien den Fahrdienst an 220 Kita-Öffnungstagen im Jahr. Damit würden Kosten von 1833 Euro im Jahr für jedes transportierte Kind anfallen. Das sei auch im Sinne der Gleichbehandlung aller Bürgerinnen und Bürger des Stadtgebiets nicht mehr zu rechtfertigen. Schließlich, so argumentiert das Rathaus, müssten Eltern auch anderswo in der Stadt den Bringdienst zur Kita selbst organisieren.
Fahrgemeinschaften müssen möglich sein
Dass einige Eltern aus Bechtoldsweiler keine Möglichkeit hätten, Fahrgemeinschaften zu organisieren, lässt die Stadt nicht gelten. Mütter, die ihre Kinder gemeinsam zur Bushaltestelle begleiten, müssten auch die Möglichkeit fahren, ein gemeinsames Elterntaxi ins weniger als zehn Minuten entfernte Nachbardorf zu organisieren.
Lob fürs Taxiunternehmen Wölk
Das werden sie im neuen Jahr bewerkstelligen müssen – und dem Taxiunternehmen Wölk nachtrauern, mit dem sich die Bechtoldsweilerner Eltern sehr zufrieden zeigten: „Die Kinder“, so betont Bianca Oesterle, „wurden zur Selbständigkeit erzogen und waren bisher perfekt vorbereitet auf die anstehende Busfahrt nach Sickingen, wenn die Kinder in die dortige Grundschule wechseln“.
Traurig war deshalb die letzte Fahrt am vergangenen Donnerstagnachmittag. Die Kinder bedankten sich bei ihrem Busfahrer Erkan Wölk mit einem Geschenk und wurden selbst auch mit einer kleinen Aufmerksamkeit überrascht.

