Open-Air-Kino Burg Hohenzollern
: So kalt und so bewegend war der Abend im Burghof

Ausverkauft! Im voll besetzten Burghof startete am Freitagabend das Open-Air-Kino auf Burg Hohenzollern. Zwei bewegende Filme waren der Leidenschaft von Menschen für den Tanz gewidmet.
Von
Peter Demmer
Burg Hohenzollern
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Decken, Jacken, Sitzkissen – das 400-köpfige Publikum im Burghof ist vorbereitet. Kälte hin oder her: Die Augen ruhen fasziniert und begeistert auf der Leinwand. Open-Air-Kino Burg Hohenzollern

Decken, Jacken, Sitzkissen – das 400-köpfige Publikum im Burghof ist vorbereitet. Kälte hin oder her: Die Augen ruhen fasziniert und begeistert auf der Leinwand.

Peter Demmer
  • Open-Air-Kino auf Burg Hohenzollern: 400 Gäste trotzten 9 Grad für zwei Tanzfilme.
  • „Janas Tanz“ (15 Min.) und „Cranko“ begeisterten mit emotionalen Geschichten.
  • „Cranko“ zeigt das Leben des Ballettreformers John Cranko – intensiv und berührend.
  • Regisseur Joachim Lang beantwortete Fragen zum Biopic direkt im Publikum.
  • Kunst und Tanz hinterließen starke Eindrücke – ein Abend voller Rührung und Applaus.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

„Schnell das tränennasse Taschentuch wegstecken.“ Ein Gedanke, den sich die Menschen im Burghof wohl fast kollektiv teilen. Wir haben frische neun Grad, es ist schon weit nach Mitternacht, und eben läuft der Abspann des bemerkenswerten Filmes „Cranko“.

400 Cineasten im Burghof

Zurückspulen zum Anfang: Zwei Streifen sollen es an diesem Open-Air-Kino-Abend auf Burg Hohenzollern werden. Rund 400 cineastisch Interessierte sind angereist, um zu sehen, was Ralf Merkel, Hechinger Kinokoryphäe und Eigentümer der Zollernalb-Kinos, für sie ausgewählt hat. Neben dem Hauptfilm ist im Vorprogramm die Bachelorarbeit des jungen Hechinger Medienkünstlers Julian Wirth zu sehen.

Kameramann Julian Wirth und Regisseurin Else de Waal haben mit "Janas Tanz" das Publikum im Burghof berührt.

Kreativer Nachwuchs mit Ideen und Begeisterung: Julian Wirth, Hechinger Filmemacher, und seine Partnerin und Regisseurin Else de Waal. Zwei, die privat und künstlerisch ein Team sind.

Peter Demmer

„Janas Tanz“ (Regie: Else de Waal) erzählt den Alltag einer jungen Frau: Sie pflegt ihre Mutter. Und sie tanzt. Eine filmische Miniatur: 15 Minuten. Nur ein winziger Ausschnitt eines Lebens. Und trotzdem nimmt sich das Werk die nötige Zeit, um Hintergründe zu erzählen und Interpretationsräume zu öffnen. Eines dieser Stücke, die kurz sind, aber länger nachhallen als jeder Marvel-Abspann. Applaus, ehrlicher Applaus. Schon jetzt hat sich der Weg auf den Zollerberg gelohnt. Man ist auf die Premiere des ersten langen Filmes von Julian Wirth bereits heute gespannt wie ein Flitzebogen: Ab 10. Oktober läuft im Hechinger Kino Burgtheater „Eine kleine Kneipe“, die Dokumentation über das Hechinger „Fecker“.

Die Seele des Tanzens erfassen

Kurz auf der Suche nach einem Glühwein. Ein kleiner Umweg zur Popcornmaschine. Vor und auf der Leinwand plaudern der Hausherr, Georg Friedrich Prinz von Preußen, und Autor, Regisseur und Professor Joachim A. Lang. Schon im Vorjahr war Letzterer mit seinem Projekt „Führer und Verführer“ auf der Burg zu Gast. Nun wollte er einen ersten, richtigen Ballettfilm machen. Weniger „Black Swan“, nicht nur „A Chorus Line“. Lang versucht, die Seele des Tanzens zu erfassen und erzählt dabei wie selbstverständlich von Kunst, Wirklichkeit, der Sehnsucht nach Liebe, der Einsamkeit und dem Tod.

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Im Zwiegespräch auf der Bühne: "Cranko"-Regisseur Joachim A. Lang (links) und der Hausherr, Georg Friedrich Prinz von Preußen.

Vor der Leinwand im Burghof: "Cranko"-Regisseur Joachim A. Lang (links) und der Hausherr, Georg Friedrich Prinz von Preußen. Vor großem Publikum – und mittendrin in der Frage, wie Kunst und Geschichte hier zusammenfinden.

Peter Demmer

Und dann, Klappe: „Cranko“. Ein Biopic – inszeniert auf den Punkt, fotografiert wie ein Traum mit Sam Riley in der Hauptrolle. John Cranko ist Choreograf. Ein Typ, der Ballett nicht einfach nur als Tanz sieht, sondern als Drama. Als Story mit Herzschlag. Immer im Exzess. Geboren 1927 in Südafrika, wächst er zwischen Pirouetten auf wie andere mit einem Fußball. Seine Ballette: dramatisch, ein bisschen kitschig, aber immer echt, mit Rebellion im Takt und Liebe in den Spitzenschuhen. Als ob Tschaikowski mit einem Punk choreografiert. Nach Schlagzeilen in der Londoner Boulevardpresse kommt er 1961 nach Stuttgart. Cranko ist homosexuell. Und eben in Stuttgart erfindet er das Ballett quasi neu: junge Tänzer als Helden, Bühne als choreographischer Comic, Musik als Herzschlag. Im Rücken immer eine tiefe Einsamkeit. Man sagt: Cranko, das ist der, der Geschichten tanzen lässt. Der Film erzählt das. Zeigt das. Fühlt das. Intensiv, filigran, manchmal kitschig-schön. Und immer echt. Dann das Ende: Wucht. Stille. Rote Augen.

Die Burghoflichter gehen an. Regisseur Joachim Lang ist im Publikum, stellt sich liebevoll allen Fragen und Autogrammwünschen. Aber eigentlich sind alle noch drüben vor der Leinwand: bei Cranko. Es ist keine Trauer, die man fühlt. Vielmehr tiefe Rührung, die man mitnimmt.

Runter von der Burg. Die Füße sind kalt und der Abend ist zu Ende. Kunst hat gemacht, was Kunst machen soll: Sie hat getroffen. So tief, dass man im Bus zum „P1“ denkt: „Bitte, bitte – der Fahrer soll nicht merken, wie glasig die Augen immer noch sind.“

Stichwort: Biopic

Ein Biopic (Kurzform für „biographical picture“) ist ein Spielfilm über das Leben einer realen Person. Anders als eine Dokumentation arbeitet es mit Schauspielerinnen und Schauspielern, inszenierten Szenen und dramaturgischer Verdichtung. Fakten sind das Gerüst, künstlerische Freiheit bringt Spannung. Ziel: nicht Wikipedia zum Ansehen, sondern Leben und Charakter wirklich greifbar machen.