Obst- und Gartenbauverein Rangendingen: Ein zünftiges Mostfest zu den ersten 120 Jahren Landschaftspflege

Zwei Sitzbänke hat der Obst- und Gartenbauverein Rangendingen anlässlich seines 120-jährigen Bestehens aufgestellt. An diesem Samstag, 18. Oktober, lädt der Verein zum Mostfest ein. Das Bild zeigt das Vorstandsteam mit (von links): Herbert Beiter, Heidrun Krämer, Manfred Beiter, Heidi Widmaier, Oliver Vassallo, Antje Schlegel, Daniel Strobel und Dietmar Waller. Nicht auf dem Bild sind Rainer Franke, Michael Wannenmacher und Martin Hermann.
Klaus Stifel- Der Obst- und Gartenbauverein Rangendingen feiert am 18. Oktober 120-jähriges Bestehen mit Mostfest.
- Programm: Schaumosten für Kinder, Rückblick auf Vereinsgeschichte, Musik und deftige Speisen.
- Verein stellte zwei Sitzbänke auf und bietet sechs Mostsorten, Cidre und Birnensecco an.
- Gegründet 1905, einst 6570 Obstbäume, heute nur noch 2000 – Fokus auf Natur- und Landschaftsschutz.
- 2020 gewann der Verein den Streuobstpreis Baden-Württemberg, Hochzeitswiese bleibt Highlight.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
So groß wie vor zehn Jahren beim 110. Vereinsjubiläum wird am Samstag der runde Geburtstag nicht ausfallen. Aber es gibt doch ein ausgedehntes Mostfest vor und in der Mensa bei der Mehrzweckhalle. Um 15 geht es los, und es gibt auch ein Mitmachprogramm für Kinder beim Schaumosten. Die Kleinen können ihren Süßmost aus Äpfeln von Rangendinger Streuobstwiesen selbst herstellen.
Um 17 Uhr wirft der Vorsitzende Manfred Beiter einen Blick auf die 120-jährige Vereinsgeschichte. Danach spricht Bürgermeister Manfred Haug zu den Gästen. Für Unterhaltung sorgen bereits ab 16.30 Uhr die „Wägelemusikanten“, eine Abordnung des Rangendinger Musikvereins. Fürs leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Fürs Jubiläumsjahr hat sich der Verein außerdem etwas Besonderes einfallen lassen: Im Wolfental wurden zwei Sitzbänke aufgestellt.
Wie wäre es mit einem Birnensecco?
Beim Mostfest des Obst- und Gartenbauvereins Rangendingen am Samstag wird zur Jahreszeit absolut Passendes aufgetischt. Es wird also vor allem deftig. Aber nicht nur, man schaue auf die Karte: Bei den Getränken gibt es sechs (!) verschiedene Mostsorten, spritzigemn Cidre und Birnensecco. Dazu serviert werden Beeten, Schälripple aus dem Kessel mit Sauerkraut, Wurstsalat und Rote Würste.
Gegründet 1905, hat sich der Verein über die Jahrzehnte zu einer festen Institution im Ort entwickelt. Beachtliche 60 Mitglieder waren es schon bei der Gründung durch Hauptlehrer Friedrich Wilhelm Haug. „Von 1850 bis 1905 wurden im Schulunterricht auf Anweisung der Regierung Kenntnisse im Obst- und Gemüsebau vermittelt, um die Versorgungslage zu verbessern“, ist in der Chronik nachzulesen. Damals habe die Gemeinde Rangendingen mehrere Baumschulen zur Anzucht von Obstgehölzen betrieben und die Fachwarte bezahlt.
Bis 1950 schritt in Rangendingen der Obstanbau zur Selbstversorgung zügig voran, und Most war das Getränk Nummer eins. Es entstanden große Obstanbaugebiete an der „Vorderen Halde“, „Wanne“, „Espenloch“, „Lindeshalde“, „Hochegert“, „Postenbühl“ und „Krummbrückle“. 1932 wuchsen schon 6570 Obstbäume auf Markung. Sechs Jahre später hat sich der Bestand fast verdoppelt. Laut Baumfachwart Herbert Beiter sind es heute nur noch gut 2000 Obstbäume. Beiter hat sich zum Ziel gemacht, in den nächsten Jahren jeden einzelnen Obstbaum zu kartieren.
Ab den 1950er-Jahren habe, so verrät es die Vereinsgeschichte weiter, die Bedeutung der Eigenversorgung mit Obst und Gemüse abgenommen. Aber seit etlichen Jahren wiederum ist der Garten wieder zum Lebensraum für Freizeit und Erholung geworden, stellt der Vorsitzende Manfred Beiter fest. Auch nach 120 Jahren will der Verein zukunftsorientiert bleiben: Besonders im Fokus stehen der Natur- und Landschaftsschutz. So gehörte der 290 Mitglieder starke Rangendinger Obst- und Gartenbauverein 2020 zu den vier Gewinnern des Streuobstpreises Baden-Württemberg. Nachhaltigkeit betrieben wird ebenfalls auf der Hochzeitswiese am Owinger Berg, wo Brautpaare seit 20 Jahren ihren von der Gemeinde gespendeten Baum pflanzen und pflegen können.
