Kunst kommt von Können, oder? Wer vor den Bildern der Neuen Meister steht, weiß, dass das Fragezeichen hinter diesem Satz sogleich gestrichen werden kann. Da sind echte Könner am Werk, welche die Bezeichnung Künstler völlig zurecht tragen. Die Malweise der Alten Meister ist es, die sie aus der Ecke des Angestaubten hervorgeholt und der sie zu neuem Glanz verholfen haben. Alles autodidaktisch, versteht sich. Denn an der Akademie lernt man diese aufwändige Technik längst nicht mehr.

Burladingen

Angetrieben von Perfektion, davon, sich nicht mit abstrahierter oder ungegenständlicher Kunst zufriedenzugeben, können sich Birgit Feil, Michael Krähmer, Joachim Lehrer, Michael Maschka und Siegfried Zademack als „Neue Meister“ zu dem bekennen, was als Realismus der Gegenwart beschrieben werden kann. So kreieren sie in ihren Werken neue Realitäten, schaffen Parallelwelten, wobei jeder der Künstler stets in seiner jeweiligen schöpferischen Leistung für sich neue Wege beschreitet. Gemeinsam präsentieren sie in der Villa Eugenia in Hechingen ihre faszinierenden Werke.

Vier der Fünf sind da

Johanna Scheunig vom Kunstteam des Fördervereins begrüßte zur Vernissage am Sonntag vier der fünf Künstler, „deren biographische Ortsangaben auf ganz Deutschland verteilt sind.“ Birgit Feil, die einzige Frau in den Reihen der „Neuen Meister“, lebt und arbeitet in Stuttgart, konnte zur Eröffnung der Ausstellung aber nicht anwesend sein. Ihre großformatigen Plastiken kommen überaus naturalistisch daher und sind von einer eigentümlichen Präsenz im Hier und Jetzt beseelt. Ist das nicht der Mann, der gerade noch draußen auf der Parkbank saß? Steht da nicht die Frau, die eben noch vor uns in der Supermarktschlange stand? Genau derlei Assoziationen sind es, die die aus Beton und Kunststoff geschaffenen Figuren der Bildhauerin auslösen. Es sind „Menschen wie Du und ich“, die sie aus dem Alltäglichen herauslöst und ihnen damit eine Freiheit schenkt, die ihnen eine ganz besondere Würde verleiht.

Fast schon fotorealistisch

Die großformatigen Bilder von Michael Krähmer zeigen magische, fast schon fotorealistisch anmutende Landschaften, die aber allesamt nicht der Realität entstammen. „Es sind Stimmungen im Kopf, die sich im Bild ausdrücken“, sagt er. Dabei geht dem in Kirchentellinsfurt lebenden Künstler, der seine Werke in der aufwendigen Harzöl-Lasurtechnik der Alten Meister schafft, vor allem um die Atmosphäre. „Ruhe und Ausgeglichenheit, die sich auf den Geist auswirken“, sollen im Vordergrund stehen und es dem Betrachter ermöglichen, sich in der Stille des Dargestellten zu verlieren.

Meisterhaft fabulieren

Der Tübinger Joachim Lehrer schöpft seine Inspiration aus der Betrachtung der Welt, in der sich mitunter abstruse Szenerien aneinanderreihen. Das „geheime Leben der Dinge“, die technischen Errungenschaften der Menschheit sind es, die ihn faszinieren. „Details tauchen unmittelbar und ohne Zusammenhang auf – diesem Irrsinn widme ich meine Bilder“, erklärt er. Zu sehen sind oft traumhafte Szenen, die er in der Art eines meisterhaften Fabulierers auf Leinwand bannt. Mittels hauchdünner Lasuren lässt er ein phantastisches Tiefenlicht entstehen.

Das Abgründige sehen

Die Welt der Mythologie und der Märchen ist es, die der Nördlinger Michael Maschka in seinen Bildern zum Leben erweckt. „Geistig-seelische Zustände“ werden von ihm sichtbar gemacht, indem er die Übereinstimmung von inneren und äußeren Bildern aufspürt und in eine individuelle Bildsprache übersetzt. Die überbordende Sinnlichkeit in seinen Bildern, die Figuren wie „Ophelia“ oder „Ikarus“ zeigen, drückt aus, dass „im Schönen immer auch etwas Abgründigen steckt.“
Mit den „Verlockungen der Schwerkraft“ setzt sich Siegfried Zademack auseinander. In den Werken des Bremers, in denen sich Kreativität mit altmeisterlicher Handwerkskunst vereint und mitunter auch ein surrealistischer Ansatz aufblitzt, finden sich immer wieder Darstellung von Gewichten. „Sie stehen für die Gravitation und bringen uns immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn wir abheben“, führt der Künstler aus.

Info Die Ausstellung ist bis zum 27. November geöffnet, und zwar immer sonntags von 14 bis 17 Uhr. Die Samstagsöffnung ist weggefallen.

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kreative Köpfe verbergen sich hinter dem Titel „Neue Meister“. Die vier Männer der Künstlergruppe machen in Bilderwelten, die Frau im Quintett, Birgit Feil, wartet mit Plastiken auf.