Was der Klimawandel für den Wald bedeutet, war noch nie so deutlich spürbar, wie in diesem Sommer: Ein heißer Tag reihte sich an den anderen und wurde über Wochen nicht durch einen einzigen Regentag unterbrochen. Für die Bäume ist dies ein echter Überlebenskampf. Hinzu kommt noch der Fraß von Tieren. Um vor allem Jungpflanzen davor zu schützen, wird seit kurzem ein neuer Verbissschutz eingesetzt.
Wilhelm Grundler ist Revierleiter in Bisingen und erstaunt, dass die jungen Eichen, die er dieses Frühjahr gesetzt hat, immer noch grüne Blätter haben und fit aus ihren Röhren schauen. „Die Röhren schützen die jungen Bäume vor hungrigen Rehmäulern. Rehe sind echte Feinschmecker und die zarten Blätter junger Eichen mögen sie besonders gern“, berichtet Grundler. Waldumbau und Jagd gehören zusammen, und die Jäger haben eine große Verantwortung beim Waldumbau, weiß Kreisjägermeister Markus Schuler.

In Anschaffung etwas teurer

Die Forstwirte der Gemeinde Bisingen haben dieses Jahr eine Neuerung aufgebaut: einen plastikfreien Verbissschutz. „Diese Hüllen sind aus natürlichen nachwachsenden und somit restlos abbaubaren Rohstoffen, Holz und Baumwolle hergestellt“, so Grundler. „Sie sehen viel eleganter aus als die marktüblichen grünen Plastikröhren und fügen sich viel besser in die natürliche Kulisse ein. Klar, sind sie in der Anschaffung etwas teurer, aber sie verursachen keine kalkulierbaren oder unkalkulierbaren Folgekosten!“, so Grundler weiter.

Bisingen/Albstadt

In verschiedenen Forstrevieren im Zollernalbkreis testen die Revierförster aktuell den plastikfreien Verbissschutz. So auch eine regionale Variante auf einer Pflanzfläche in Stetten u.H.. Hier hat Revierleiter Tobias Speidel dieses Jahr eine Innovation aus dem Kreis bei seinen Pflanzungen ausprobiert: „So ist der Baum geschützt und das ganz ohne Plastik“, freut er sich und weiß: „Nur heimisches Eschenholz und Esskastanie aus der Ortenau kommen hier zum Einsatz.“

Lebenshilfe hilft bei Produktion

Bernd Schairer von der Baumschule Stingel hat den Sprossenschützer aus heimischen Hölzern entwickelt und die Lebenshilfe Zollernalb hilft bei der Produktion. Die Mitarbeiter der Lebenshilfe bauen die kleinen Latten zu einem wirksamen „Minizaun“ zusammen. „Hier kommt alles in der Region zusammen: Heimische Patententwicklung, regionale Rohstoffe und lokale Verarbeitung mit Mehrwert,“ loben Landrat Günther-Martin Pauli und Jana Kohler, Leiterin des Forstbereichs Hechingen.