Nationales Kulturgut verkauft: Haus Hohenzollern versteigert Münzen für knapp 4 Millionen Euro

Eine Münze aus der kaiserlichen Münzsammlung des Hauses Hohenzollern ist für 700.000 Euro versteigert worden. Es handelt sich um den sogenannten russischen Familienrubel aus dem Besitz Friedrich Wilhelms IV.
Annika Wagner/konsequent/dpa- Haus Hohenzollern versteigerte 337 Münzen und Medaillen – Erlös 3,95 Millionen Euro.
- Spitzenstück: ein „russischer Familienrubel“ von 1835 erzielte 700.000 Euro.
- Eine Goldmedaille zu 120 Dukaten von 1870/71 wurde für 160.000 Euro verkauft.
- Sammlung war Beutekunst, kam in die Sowjetunion und später an die DDR zurück.
- Kritiker warnen vor Verlust von Kulturgut, obwohl Museen weiterhin viele Stücke halten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Haus Hohenzollern macht Kasse. Bei einer Auktion in Osnabrück sind wertvolle Münzen aus der kaiserlichen Münzsammlung versteigert worden. Insgesamt erzielten die Münzen, die unter den Hammer kamen, eine Zuschlagsumme von 3,95 Millionen Euro, wie es in einer Mitteilung des Auktionshauses Künker heißt.
Auktion setzt neue Maßstäbe beim Preisniveau
Bei der Auktion angekündigt waren „numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern“. Der Erlös übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. „Die Auktion setzte neue, ungeahnte Maßstäbe beim Preisniveau erstklassiger Medaillen und Münzen zur preußisch-deutschen Geschichte“, so die Einordnung des renommierten Preußen-Historikers und Numismatikers Reinhold Zilch, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften. Die Schätzungen des Auktionshauses seien „durchweg übertroffen“ worden, „bei manchen Stücken um ein Vielfaches“.
700.000 Euro für einen Rubel mit Zaren-Porträts
Bei den Münzen, die in Osnabrück versteigert wurden, handelt es sich um ausgewählte Stücke aus dem Besitz preußischer Könige und deutscher Kaiser, die lange von der Sowjetunion beschlagnahmt waren. Eine Münze aus der kaiserlichen Sammlung ist für sage und schreibe 700.000 Euro (statt der erwarteten 250.000 Euro) versteigert worden. Es handelt sich um den sogenannten russischen Familienrubel aus dem Jahr 1835 mit den Porträts der neunköpfigen Zarenfamilie. Von dieser Rubel-Münze waren nur 36 Stück geprägt worden.
Goldmedaille zum Sieg Preußens über Frankreich
Eine Goldmedaille zu 120 Dukaten, die nach dem Krieg von 1870/71 zur Feier des preußischen Sieges über Frankreich herausgegeben worden war, wechselte für 160.000 Euro den Besitzer. Von der Medaille aus dem Besitz Kaiser Wilhelms I. waren damals nur 25 Exemplare geprägt worden.
Zu den Käufern machten die Auktionatoren keine Angaben. Das Auktionshaus in Osnabrück gilt als eine der ersten Adressen bei Münzsammlern in Europa.

Burg Hohenzollern, der Stammsitz des Adelsgeschlechts, das preußische Könige und deutsche Kaiser stellte.
dpa/Thomas WarnackMünzen mit bewegter Geschichte
Insgesamt sind bei der Auktion 337 Münzen und Medaillen aus preußischem Besitz versteigert worden. Die Münzsammlung hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Ursprünglich war sie im Hohenzollernmuseum im Berliner Schloss Monbijou zu sehen. 1945, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kamen die Stücke als Beutekunst in die Sowjetunion, 13 Jahre später wurden sie an die damalige DDR zurückgegeben.
Erst vor einem Jahr regelten das Haus Hohenzollern mit Georg Friedrich Prinz von Preußen an der Spitze, die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund vertraglich, welche Stücke dauerhaft in Museen bleiben sollen – und welche verkauft werden dürfen. Die jetzt in Osnabrück versteigerten Münzen gehörten zum verkäuflichen Teil. Denn von einzelnen Münzen, wie etwa vom russischen Familienrubel, der 700.000 Euro in die Kasse der Hohenzollern spülte, gibt es weitere Exemplare in öffentlichen Sammlungen.
Mit den preußischen Sammlungen vertraute Numismatiker wissen, dass rund 500 Münzen und Medaillen weiterhin vom Berliner Münzkabinett im Bode-Museum aufbewahrt werden, einzelne auch auf Burg Hohenzollern.
„Es bleibt ein Verlust an nationalem Kulturgut“
Für den weiteren Erhalt ihres Familien-Stammsitzes im Zollernalbkreis werden die Hohenzollern den 3,95-Millionen-Erlös gut gebrauchen können. Kritiker fürchten indes, dass noch mehr ehemals öffentlich zugängliche Schätze nach künftigen Auktionen in private Schatullen wechseln könnten. Reinhold Zilch urteilt: „Es bleibt durch den Verkauf eben dieser durch ihre Geschichte ,historisch aufgeladenen' Medaillen und Münzen an anonyme neue Eigentümer, die wohl kaum zu den Stücken eine persönliche Beziehung haben, ein Verlust an nationalem Kulturgut.“ Und fragt: „Hätte die Bundesrepublik Deutschland nicht diese Objekte in Gänze erwerben müssen?“

