Nachruf Richard Diez: Der Firmengründer der Ridi Leuchten GmbH hat für Hochtechnologie in Jungingen gesorgt

Richard Diez, Firmengründer und Seniorchef von Ridi, ist im Alter von 97 Jahren verstorben.
privat- Richard Diez, Gründer der Ridi Leuchten GmbH, verstarb mit 97 Jahren in Jungingen.
- Aufbau des Betriebs 1952, später Expansion mit über 600 Mitarbeitenden und Standorten in Europa.
- Innovator: Einführung des ersten Produktionsroboters 1982, Fokus auf Technik und Qualität.
- Engagement in Jungingen: Gründung eines CO₂-neutralen Heizkraftwerks 2010.
- Ausgezeichnet für Verdienste um die Wirtschaft, geschätzt für Prinzipien und Menschennähe.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ohne ihn wären Jungingen, das Killertal und die weite Umgebung ein anderer Ort: Am 16. Juli ist Richard Diez im Alter von 97 Jahren in seinem Heimatort Jungingen verstorben. Mit ihm verliert die Region eine der prägenden Unternehmergestalten der Nachkriegszeit, einen Mann mit klaren Prinzipien, technischem Erfindergeist und einer tiefen Verbundenheit zu seiner Heimat.
Geboren am 31. Mai 1928 als zweiter Sohn von Anna und Friedrich Diez, wächst Richard in Jungingen auf. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, er stirbt im Jahr nach seiner Geburt. Als Jugendlicher wird er noch zum Ende des Zweiten Weltkriegs eingezogen. Diese Erfahrung prägt ihn, ohne ihn zu verbittern. Nach dem Krieg wendet er sich entschieden dem Aufbau zu. Er wird Elektroinstallateur, bildet sich weiter zum Elektromeister und schließt 1952 seine Ausbildung ab. Drei Jahre später heiratet er seine Frau Anneliese, mit der ihn bis zu ihrem 70. Ehejahr im Mai 2025 eine tiefe Partnerschaft verbindet. Gemeinsam ziehen sie zwei Kinder groß, aus denen eine Familie mit mittlerweile drei Enkeln hervorgeht.
Am 1. August 1952 übernimmt er den kleinen Installationsbetrieb seines Stiefvaters. Aus bescheidenen Anfängen entsteht durch seine Tatkraft, seine technische Begabung und seine Weitsicht ein Unternehmen, das neue Maßstäbe setzt. Bereits 1957 beginnt Richard Diez, eigene Leuchten zu entwickeln und zu fertigen. Die ersten Modelle entstehen in der Garage, bald darauf folgt der Bau einer eigenen Produktionshalle. Die Nachfrage steigt, und mit ihr wächst auch der Betrieb. Die Firma Ridi Leuchten, deren Grundstein er in diesen Jahren legt, entwickelt sich unter seiner Leitung zu einem führenden Hersteller technischer Innenbeleuchtung in Europa. Heute beschäftigt das Unternehmen über 600 Mitarbeitende, produziert an drei Standorten in Deutschland und Polen und unterhält Niederlassungen in mehreren europäischen Ländern.
Er ist kein Unternehmer, der sich auf Repräsentation beschränkt. In der Anfangszeit übernimmt er Planung, Fertigung und Verkauf persönlich. Auch später bleibt er am liebsten nah am Produkt, dort, wo gefertigt wird, entwickelt wird, gesprochen wird. Für ihn zählt, was entsteht, nicht wie es genannt wird. Sein Führungsstil ist kollegial, seine Präsenz verlässlich. Viele erinnern sich an einen Chef, der nicht vorgab, sondern vormachte, der zuhörte, anpackte und stets erreichbar blieb. Technologie begreift er als Werkzeug, nicht als Selbstzweck. Schon 1982 führt er den ersten Roboter in der Produktion ein. Seine Ideen zielen auf Funktionalität und Unabhängigkeit. Mit großer Konsequenz setzt er auf eigene Fertigungstiefe und Qualität.

Hochtechnologie im Killertal: Bei Ridi waren immer wieder hohe Politiker zu Gast, und die IHK Reutlingen war mit ihrem Presseclub regelmäßig vor Ort. Dabei gab es auch Einblicke in die Arbeit im Lichtlabor. Dort werden die Leuchten fotometrisch vermessen.
ArchivAb 1975 eine neue Ausrichtung
Auch unternehmerisch denkt Richard Diez stets in größeren Zusammenhängen. Aus der Fertigung von Wohnraumleuchten entsteht ab 1975 eine neue Ausrichtung auf technische Beleuchtung. 1987 stellt das Unternehmen das erste eigene Schnellmontage-Lichtbandsystem vor, eine Innovation, die neue Fertigungsflächen erfordert. Da sich diese in Jungingen nicht realisieren lassen, gründet Richard Diez das Werk Ridi Nord in Rellingen bei Hamburg. 1989 wurde die Ridi Leuchten GmbH gegründet. Sein Sohn Manfred Diez wirkte nach seinem Studium der Elektrotechnik in Berlin an seiner Seite nun tatkräftig mit. 1991 folgt die Übernahme des ostdeutschen Leuchtenherstellers Berlux in Berlin.
Expansion wird vorangetrieben
Mit Blick auf neue Märkte und den europäischen Binnenraum wird ab 1992 die Expansion ins Ausland vorangetrieben. Die erste Niederlassung entsteht in Wien. Schritt für Schritt entwickelt sich aus dem einstigen Handwerksbetrieb eine Firmengruppe mit Standorten und Partnern in mehreren Ländern. Ab 2014 legte Richard Diez die Geschäftsleitung in die Hände seines Sohnes, der auf dem Fundament, das sein Vater mit Sorgfalt, Mut und unternehmerischem Gespür gelegt hat, die Firma weiterführt. Richard Diez blieb auch im Rentenalter in der Firma und kümmerte sich besonders um Fuhrpark, Investitionen usw.
Immer ganz nah bei den Menschen
Was Richard Diez auszeichnet, ist nicht allein die Neugier auf Technik, sondern die Nähe zu den Menschen. Der Umgang mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden ist geprägt von gegenseitigem Respekt. Sein Wort gilt. Viele schätzen seine Klarheit, seine Bodenständigkeit und seine Offenheit. Bis ins hohe Alter ist er täglich im Unternehmen präsent. Er bleibt mobil, besucht Baustellen, fährt zu Terminen, bringt sich ein. Auch außerhalb der Firma gestaltet er, nicht laut, aber wirkungsvoll.
Heizenergie für Ridi und andere
In Jungingen gründet er 2010 zusammen mit Partnern die Bio Energie Killertal. Das Heizkraftwerk versorgt die Firma Ridi ebenso wie weitere Betriebe im Gewerbegebiet mit CO₂-neutraler Wärme. Die Idee eines regionalen Energiekreislaufs begeistert ihn, weil sie sinnvolle Lösungen schafft. Das Projekt begleitet er bis zu seinem Tod.
Neben der Firma bleibt ihm Zeit für das, was er liebt. Die örtlichen Vereine wissen ihn stets ansprechbar. Seine große Leidenschaft gehört dem Wassersport. Zunächst verbringt er mit seiner Familie viele Wochenenden am Bodensee, mit Motorboot und Wohnwagen. Später steigt er auf das Segelboot um. Der Bodensee wird ihm mit der Zeit zu klein, und es zieht ihn hinaus auf die Ostsee. Später entdeckt er seine Liebe zu Wohnmobilen, und er unternimmt zusammen mit seiner Frau ausgedehnte Reisen durch Europa. Dabei wusste er das Vergnügen stets mit dem Nützlichen zu verbinden. So wurden auf vielen dieser Fahrten auch Niederlassungen besucht, Geschäftskunden getroffen oder langjährige Partner kontaktiert.
Was wirklich zählt
Für seine Verdienste um die Wirtschaft des Landes wird er im November 1998 mit der Wirtschaftsmedaille Baden-Württembergs ausgezeichnet. Doch es sind andere Auszeichnungen, die ihm mehr bedeuten: das Vertrauen seiner Mitarbeitenden, die langjährige Treue seiner Geschäftspartner und der Umstand, dass sein Lebenswerk weitergetragen wird.
Er bleibt ein Mensch voller Energie. Er liebt es, Dinge selbst zu tun, fragt ungern um Hilfe, wenn es auch allein geht. Der Weg zum Bodensee, der Abstecher in den Wald, die Fahrt zum Heizwerk, alles bleibt Teil seines Alltags, selbst in hohem Alter. Seine Enkel erleben ihn als technikbegeisterten Großvater, der mit Freude Gabelstapler fährt, Boote ausprobiert und jedes neue Fahrzeug mit leuchtenden Augen erkundet. Noch mit 95 Jahren steigt er auf ein Elektroauto um. Die Technik begeistert ihn, ebenso wie die Ruhe, mit der sich das Fahrzeug bewegt. Für ihn ist das kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern die konsequente Fortsetzung seiner Freude am Fortschritt.
Seine Spuren bleiben
Richard Diez war ein Unternehmer mit Haltung, ein Mensch mit Prinzipien, ein Gestalter mit Gespür für das Wesentliche. Er hat nicht nur Gebäude errichtet, sondern Strukturen geschaffen, in denen Menschen arbeiten, Ideen entstehen und Verantwortung übernommen wird. Sein Lebenswerk lebt weiter, in der Firma, in der Familie, in den vielen Spuren, die er hinterlassen hat. Jungingen und die gesamte Region wären ohne ihn ein anderer Ort.
