Mönchsgrabenhexen Rangendingen: 20 Jahre erfolgreiche Umtriebe: Zum Umzug kommen über 2500 Narren
Rangendingen ist immer gut für Fasnet extragroß. Der Jubiläumsumzug der Mönchsgrabenhexen an diesem Sonntag, 28. Januar, passt in diese Serie trefflich hinein. Das wird eines der beeindruckendsten Narrentreiben!
Eröffnet wurde das Jubiläumswochenende in Rangendingen bereits am Freitag. Beim Ballabend in der Festhalle wurden annähernd 900 geladene Gäste erwartet.
Jetzt über 60 Hexen
Angefangen hat es bei den Mönchsgrabenhexen wie fast immer: ziemlich klein. Im Jahr 2004 hat sich eine Handvoll junger und junggebliebener Menschen zusammengefunden, um den Verein der Mönchsgraben Hexen e.V. zu gründen. Seither ist die närrische Familie stetig gewachsen. Der Verein zählt heute rund 60 aktive Hexen, etwa 45 Junghexen und 34 Freunde und Förderer (Passive) als Mitglieder — es handelt sich um einen „sehr fruchtbaren Verein“, betonen die Hexen.
Die Aktiven sowie die Kinder führen jährlich ihre Hexentänze auf. Nicht fehlen darf ein Hexenwagen, der vorrangig bei Umzügen dabei ist. Aktuell leitet André Schneider die Geschicke des Vereins als Vorsitzender. Die Vorstandsgruppe umfasst insgesamt zehn Personen.
Der Graben führt zur Starzel
Benannt sind die Rangendinger Hexen nach dem Mönchsgraben, dessen Bach von Norden her in die Starzel fließt. Die Sage erzählt, dass ums Jahr 1590 vier Frauen aus den Gemeinden Rangendingen, Sickingen und Bechtoldsweiler beschuldigt wurden, auf dem Gewann „Schöner Rein“ bei den alten Eichen Hexentänze und Teufelsbeschwörungen abgehalten zu haben. Madlene Arnott wurde zusammen mit Margarete Haug aus Sickingen, Anna Oster und Katarine Clan, beide aus Rangendingen, der Hexerei bezichtigt und im Jahr 1598 zur Richtstätte am Heilig Kreuz geführt und durch das Feuer hingerichtet.
Nachts mit Laterne
Die Mönchsgrabenhexe trägt eine Maske mit Haaren und Kopftuch (Wappen am Spitz des Kopftuches), eine rote Bluse mit schwarzer Stola, einen blaukarierten Rock mit brauner Schürze (die Zahl unten rechts auf der Schürze), rotweiße Socken, Hexenschuhe, schwarze Handschuhe, dazu einen Hexenbesen und für Nachtumzügen eine Laterne.
Zwei Weinfeste gefeiert
Die öffentlichen Veranstaltungen des Vereins beginnen im Januar mit dem Besenstellen. Jedes Jahr am ersten Sonntag nach Dreikönig sind die Mönchsgrabenhexen damit in der Dorfmitte präsent und läuten so die Fünfte Jahreszeit ein. Inzwischen zum zweiten Mal (2022 und 2023) wurde im August in der Dorfmitte ein Weindorf gezaubert. Dabei wird gesungen, getanzt und köstlicher Wein aus der Region Insel Reichenau genossen. Das Fest wurde 2022 ins Leben gerufen und hat die Bevölkerung regelrecht begeistert.
Zum 20. Jubiläum sind zwei neue Narrenfiguren entstanden: der Mönch und das Reeba–Maale Sie wurden beim Besenstellen am 7. Januar vorgestellt.
Haare vom Yak
Der Mönch ist eine Einzelfigur. Er soll die Gesamtheit der Vereinsgeschichte herstellen, die auch auf dem Grabstein in der Hochburg am Mönchsgraben zu finden ist. Der Mönch hat eine Lindenholz–Maske mit langem Bart sowie Haare eines Yak–Büffels. Er trägt eine wunderschöne Mönchskutte und ist mit einem Wanderstock ausgestattet — da er zu den Wandermönchen gehörte.
Einst zogen Wandermönche auch durch die Rangendinger Wälder. Im Laufe der Zeit häuften sich jedoch Berichte dieser Reisenden über die Sichtungen von Hexen, die in den Wäldern ihr Unheil trieben. So wurden angeblich Frauen bei Hexentänzen oder Teufelsbeschwörungen beobachtet. Ein mutiger Bruder der Waldbrudergenossenschaft nahm sich daraufhin der Hexenjagd an und überführte die Frauen schließlich der Hexerei. Durch seine Anschuldigungen fanden viele Frauen den Tod durch das Feuer.
Halb Mensch, halb Wein
Neu ist ebenfalls das Reeba–Maale (Hochdeutsch: „Reben–Männchen“). Es wurde erschaffen nach einer schönen Geschichte vor gut 500 Jahren. Das Gebiet der Hochburg wurde damals für den Weinbau genutzt — von dem zum Teil heute noch gesprochen wird. Weinflaschen mit entsprechender Etikettierung sind im Heimatmuseum zu finden. Das Logo dieses Etiketts ziert seit Beginn des Mönchsgrabenhexen–Weinfests das „Weinfest–Logo“. Damals konnte man der Erzählung nach in der Nacht und in den frühen Morgenstunden ein besonderes Wesen zwischen den Reben entdecken: halb Mensch und halb Wein, gekleidet in Blättern, Trauben und Laub zierten das Gesicht. Das Reeba–Maale hegte die Trauben und beschützte sie. Die Männle nahmen nur, was sie auch brauchten, und die Bauern ließen sie unbehelligt ihr Werk tun, verhalf doch ihr Zutun den Weingütern zu gutem Ruf und zu Wein von unumstrittener Qualität.
Info Am Sonntag, 28. Januar, ist ab 13.30 Uhr der Jubiläumsumzug mit knapp über 50 Narrengruppierungen und zirka 2500 Narren.




