Marode Brücken: Dresden ist nicht überall: Hechingen sorgt am Highway rechtzeitig vor

Das Bild täuscht: Die Herren vom Bau haben am Hechinger Highway den üblichen Knochenjob, und den verrichten sie für die Vorbeifahrenden nicht sichtbar am Steilhang. Würde das Bauwerk nicht saniert, hätte ziemlich bald eine halbseitige Sperrung gedroht.
Ernst KlettSeit dem Einsturz der Brücke über die Elbe in Dresden wird sich in vergleichenden Szenarien geübt: Könnte das auch hierzulande geschehen? Und wenn ja, wo dann überall? Nur keine Panik jetzt, die Bauwerke werden bekanntlich alle regelmäßig überprüft. Selbstverständlich hat es das allerdings im eingestürzten Osten ebenfalls geheißen. Es kommt wohl auf die Intervalle an. Das ist wie beim Auto-Tüv. Aber der ist alle zwei Jahre, bei den Brücken gönnen sich die Behörden ein Jahr mehr, für die Hauptuntersuchung vier Jahre mehr.
Eine Brücke freilich ist auch kein Auto. Aber vielleicht macht es zusätzlich die enorme Menge. „Die Abteilung, Mobilität, Verkehr, Straßen‘ des Regierungspräsidiums Tübingen ist für rund 1600 Brücken im Regierungsbezirk Tübingen zuständig.“ Das hat am Freitag auf Anfrage Matthias Aßfalg von der Koordinierungs- und Pressestelle des Regierungspräsidiums Tübingen mitgeteilt. Die Universitätsstadt, man bedenke, ist nur der Amtssitz. Das Präsidium erstreckt sich von Ulm bis nach Friedrichshafen.
Alle sechs Jahre der Super-Tüv
Matthias Aßfalg erläutert den Brücken-Tüv: „Die Brückenbauwerke im Zuständigkeitsbereich der Straßenbauverwaltung Baden-Württemberg werden im Abstand von drei Jahren einer qualifizierten Bauwerksprüfung unterzogen. Dabei wechseln sich die sogenannte ,Einfache Prüfung‘ und die wesentlich umfangreichere ,Hauptprüfung‘ mit jeweiligem Sechs-Jahres-Turnus ab.“ Geprüft, so erläutert der RP-Fachmann weiter, wird nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit nach DIN-Normen, und das noch in Verbindung mit der Richtlinie zur einheitlichen Erfassung, Bewertung, Aufzeichnung und Auswertung von Ergebnissen der Bauwerksprüfungen.
Zweimal jährlich der Augencheck
Offenkundig traut man den Drei-Jahres-Fristen selbst nicht so unbedingt – oder geht auf Nummer ganz sicher. Denn: Zusätzlich prüfen die lokalen Straßenmeistereien die Brücken jedes (!) Jahr. Und das nicht nur alle zwölf Monate: Zweimal jährlich wird beobachtet, ob es sichtbare Schäden gibt. Das nennt man umgangssprachlich dann wohl Augenprüfung. Die wiederum machen extra dafür ausgebildete Ingenieure der Straßenbauverwaltung oder externe Ingenieurbüros.
Gefahr im Untergrund
Nicht beim Brücken-, sondern beim Stützmauern-Tüv, ist in Hechingen die Oberstadtzufahrt zwischen Rewe und Obertorplatz mit den Jahren immer kritischer beäugt worden. Und irgendwann wurde die Reißleine gezogen: Vor Jahresfrist hat die Stadtverwaltung dem Gemeinderat dringend ans Herz gelegt, für die Sanierung des sogenannten „Highway“ deutlich mehr als eine halbe Million Euro auszugeben. Das Projekt wurde gutgeheißen, und seit Monaten ärgert man sich als Verkehrsteilnehmer über die Baustellenampel an der Stillfriedstraße.
Die Alternative zu den bislang geplanten Baukosten von annähernd 675.000 Euro wäre einmal mehr eine blamable Sperrung gewesen: Die Stützmauer am Steilhang zum Reichenbach hinunter war derart marode, dass man die Fahrbahn zum Hang hin aus Sicherheitsgründen hätte dauerhaft sperren müssen.
Das Auftausalz ist schuld
Im Falle des Falles und vor allem des Gewichts hätten Teile der Straße abrutschen können. Der Stahlbeton des Stützbauwerks war mit den Jahren und insbesondere wegen des Auftausalzes im Winter so hinüber, dass man beim Tüv kein Auge mehr zudrücken wollte.
Laut Plan diesen Monat fertig
Die halbseitige Sperrung erleidet man zwar ebenfalls schon seit Ewigkeiten, aber ein Ende ist abzusehen: Die Bauarbeiten sollen laut Plan Ende September beendet sein, und bislang gab es keine anderslautenden Hiobsbotschaften. Pluspunkte gibt die schöne, neue Stützmauer-Welt am Highway obendrein noch: Zukünftig ist die Fahrbahn so breit, dass noch ein Fahrradschutzstreifen aufgepinselt werden kann, und der bislang unmöglich schmale Gehweg am Brückengeländer bekommt ebenfalls Normalmaße.

