Lindenhof Melchingen: Wie himmlisch doch der Tod sein kann

Pröstchen. Auf das Leben. Und das Sterben! Der Experimentierclub des Melchinger Theaters Lindenhof holt mit seiner Produktion „Die Bar Danach“ das Thema Tod aus der Tabuzone. Das Stück geht jetzt auf die Zielgerade. Nochmalige Gelegenheit, es zu sehen, besteht am Donnerstag, 14. Mai.
Lindenhof- Theater Lindenhof zeigt „Die Bar Danach“: eine poetisch-komödiantische Annäherung an den Tod.
- Vorstellungen im Lindenhof: Mittwoch, 13. Mai, 19.30 Uhr – Donnerstag, 14. Mai, 17 Uhr.
- Rahmen: Beerdigungsszenen und die „Bar Danach“ als Sehnsuchtsort, Musik begleitet das Geschehen.
- Ziel ist Enttabuisierung des Sterbens und der Blick aufs Leben ohne Sentimentalität.
- Regie: Carola Schwelien, Bühne und Kostüme: Ilona Lenk, Gesang einstudiert von Bernhard Mohl.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Gestorben wird schon immer und überall“ – diese unumstößliche Tatsache stellt der Flyer zum neuen Stück des Theaterexperimentierclubs lakonisch fest. Und doch ist das Thema Sterben keines, mit dem die Gesellschaft in der Regel ohne Befangenheit umgeht. In seinem gut einstündigen, selbst entwickelten Stück holte der Experimentierclub den Tod aus der Tabuzone. Und das auf komödiantisch-poetische Weise, ohne Sentimentalität, mit einem klaren (bei den Beerdigungsszenen mitunter „entwaffnenden“) Blick auf das Leben. „Die Bar Danach. Himmlisch!“ wird für Kurzentschlossene an diesem Mittwoch, 13. Mai, um 19.30 Uhr nochmals im Melchinger Lindenhof aufgeführt. Außerdem am Donnerstag, 14. Mai, um 17 Uhr. Karten sind noch erhältlich.
„Der Tod wird immer totgeschwiegen“, stellt Carola Schwelien, als Regisseurin die einzige Profi im ansonsten mit Laien besetzen Experimentierclub, fest. Das war der Anlass für den Club, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und das neue Stück in der Gruppe zu entwickeln. Hierzu waren auch eigene Betroffenheiten ausschlaggebend. Seit unserem letzten Stück im vergangenen Jahr „hat das Thema jede mehr oder weniger gestreift“. Die daraus entwickelten Ideen wurden verarbeitet und szenisch auf die Bühne gebracht – kein vorgefertigtes Stück also, sondern eine richtige Eigenentwicklung.
Was wird am Grab ausgeplaudert?
Zwei Beerdigungsszenen stehen am Anfang und am Ende. Sie nehmen mit feiner Ironie die Abläufe einer alltäglichen Beerdigung in den Blick. Treffpunkt Grab: Was gibt es dort über den Toten (beide Male sind es Männer, die zu Grabe getragen werden) zu sagen? Dinge, die man bisher nicht wusste? Wohl gehütete Geheimnisse? Dramatisches?
Dazwischen das Jenseits, die „Bar Danach“: ein Ort himmlischer Freude, an dem alles das Wirklichkeit wird, was man im Leben ersehnt hat? Bühnenbildnerin Ilona Lenk hat die Bar mit schillernden Farben, bunt und leicht schrill, gestaltet. Ein farbenfroher, stark rosarot und himmelblau gefärbter Kontrast zum üblichen Beerdigungsschwarz. Hier, an der Bar, gelingt das, was man im Leben schon immer zu können wünschte. Ein Sehnsuchtsort.
Und dazwischen das Leben. Denn bis ins Jenseits müssen wir eigentlich nicht warten mit unseren Sehnsüchten: „Du kannst dir nicht aussuchen, wann und wo du stirbst – aber du kannst dir aussuchen, wie du lebst“. Gibt es ein besseres Plädoyer für das Leben, das zwangsläufig mit dem Tod endet? „Der Tag ist so kurz, so lang ist die Nacht…“: Mach was aus deinem Leben, so scheint die Botschaft am Ende des Stückes durch.
Die Sehnsucht nach dem Tod
Aber es gibt auch sie, die Sehnsucht nach dem Tod: das wurde ebenfalls eindrucksvoll und berührend in Szene gesetzt. Sterben als Wunsch, wenn das Leben ausgelebt ist, hinübergleiten in das Jenseits: Johann Strauß´ „An der schönen blauen Donau“ lieferte dazu den passenden musikalischen Rahmen.
Überhaupt Musik: Sie begleitete das Geschehen auf der Bühne. Und transportierte Botschaften. Der Text zur Polka am Ende zeigte den Tod als großen Gleichmacher. Auch das ist eine zentrale Botschaft des Stückes: Über das Anschauen des Todes soll das eigene Leben gespiegelt werden.
„Die Bar Danach. Himmlisch!“ ist ein unterhaltsamer und nachdenklich machender Theaterabend mit einer engagierten und durchweg mit Lust am Spiel agierenden Experimentiergruppe – alle sogenannte „Laien“ wohlgemerkt. Das Publikum im ausverkauften Saal honorierte die Leistung der ersten Aufführung mit herzlichem Applaus. Wie erwähnt besteht jetzt nochmals Gelegenheit, das Stück zu sehen.
Unter professioneller Regie
Mitglieder des Theaterexperimentierclubs sind Tine Abel, Vanessa Geilinger, Babs Gerlach, Waltraud Goller-Bertram, Margit Neidhart-Hübner, Gisela Ilg, Gudrun Keim und Oussama Oizidi
Regie führt Carola Schwelien, Bühnenausstattung und Kostüme sind von Ilona Lenk. Hospitanz: Kirandeep Lina Heer, den Gesang hat Bernhard Mohl einstudiert.
