Klanglabor Hechingen: Premiere beim Musikfestival: Jung-Reporter berichten

Beim Klanglabor wurde dieses Jahr erstmals aus dem Blickwinkel junger Leute berichtet. Das Bild zeigt die Nachwuchsreporter des Musikfestivals beim Interview mit Guy Braunstein, Raphael Schenkel und Gili Schwarzman.
Julia Kaiser- Jugendliche berichten beim Musikfestival Hechingen.
- Das Festival verbindet Musik und Bildung.
- Thema: "Leben!" und Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs.
- Flötistin Gili Schwarzman komponierte "Hannah" basierend auf Erinnerungen ihrer Oma.
- Konzert in der Alten Synagoge, bewegende Aufführung.
- Artikel der Klanglabor-Reporter unter www.jungereporter.eu.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Klanglabor Hechingen kombinierte auch in seinem 12. Jahrgang auf einzigartige Weise ein Internationales Musikfestival mit einem langfristig angelegten Bildungsprogramm. Renommierte Profi-Musiker tauchten erneut mit Kindern und Jugendlichen in die Welt der Musik ein und erlebten gemeinsam das Potenzial ihrer universellen Kraft. Zum ersten Mal waren auch Klanglabor-Reporter dabei – Jugendliche ab 14 Jahre waren eingeladen, das Festival aus einer völlig neuen Perspektive zu berichten, und dies unter der Anleitung der Musikjournalistin Julia Kaiser. Im Mittelpunkt stand das Entdecken und Erforschen von Musik im Prozess ihres Entstehens.
Alle Artikel der Klanglabor-Reporter sind nachzulesen unter www.jungereporter.eu. Im Folgenden eine Auswahl.
Magie und Plan, von Anna Cipa (14). In diesem Jahr heißt das Festivalthema des Klanglabors „Leben!“ und Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Diesmal soll ein Bogen zwischen Erinnerung an die Vergangenheit und Leben im Jetzt geschaffen werden. Dies passiert durch das Spielen der Werke von Komponisten, die ihr Leben im Holocaust gelassen haben und von Komponistinnen einer neuen Generation. Menschen, die sich eingesetzt haben für eine bessere Welt mithilfe der Musik. Das Ziel des Klanglabors war von Anfang an, eine Ebene zu schaffen, auf der Künstlerinnen und Künstler in direktem Kontakt zu den Zuschauern und Mitwirkenden stehen, erzählt uns der Festivalleiter Raphaël Schenkel im Interview. Die verschiedenen Generationen zu verbinden und etwas Gemeinsames zu schaffen. Raphaël ist hierbei auch wichtig, dass nicht nur das klassische Konzertpublikum kommt, sondern auch neue Generationen, dass sie sich verständigen und dass das Schwarz-Weiß-Denken aufhört. Er sagt: „Musik kann Menschen verbinden.“ Um so ein facettenreiches Festival zu planen, braucht es viel Organisation. Jeder hat seine Aufgaben. Der Produktionsmanager Jan Dirk Stolle sagt im Interview, dass Raphaël die Magie bringt und die künstlerischen, inhaltlichen Ideen. Jan Dirk fügt seine Ideen in Pläne, und zusammen setzen sie alles um. Die beiden sind ein gutes Team.

Schön locker: Die Klanglabor-Reporter befragen Gili Schwarzmann am Eingang zur Alten Synagoge in Hechingen.
Julia KaiserMusik als Erbe, von Jil Summer Schiebel (18). Fokussiert, aufmerksam, aber auch mitgerissen – so lässt sich der Gesichtsausdruck der Flötistin und Komponistin Gili Schwarzman während der Proben zu ihrem Klarinettenquartett „Hannah“ beschreiben. Das Zusammenspiel von Guy Braunstein, Violine, Adrien La Marca, Viola, Zvi Plesser, Violoncello und Raphaël Schenkel, Klarinette klingt harmonisch, zugleich bewegend, emotional und intensiv, mit sehr hohen und eindringlichen Passagen. Dieses besondere musikalische Erlebnis findet in der Alten Synagoge in Hechingen statt, deren Umgebung dem Werk eine zusätzliche Tiefe verleiht. Schon zu Beginn ist spürbar, wie sehr die Komponistin in ihrer Musik aufgeht. Sie beobachtet nicht nur die Instrumentalisten, sondern auch die Wirkung ihrer Komposition auf das Ensemble. Während einer Pause gibt sie bereitwillig Einblick in ihre Gedankenwelt und ihren Werdegang. „Ich bin sehr gespannt, was ihr in den letzten 24 Stunden gehört habt“, sagt Gili Schwarzman und setzt sich gemeinsam mit den Klanglabor-Reporterinnen auf die Stufen vor einem Hauseingang. Besonders faszinierend findet die Komponistin, wie unterschiedlich ihre Musik von den Zuhörern wahrgenommen wird. Die Klanglabor-Reporter schildern ihre Assoziationen und Geschichten zu ihrer Musik. Einige sprechen von Dunkelheit und Bedrohung, andere von Hoffnung und Licht. Für Schwarzman liegt darin die Kraft der Musik: „Instrumentale Musik gibt jedem Zuhörer die Freiheit, eigene Bilder und Geschichten zu entwickeln. Ich erzähle keine festgelegte Geschichte, sondern öffne einen Raum für individuelle Erfahrungen.“
Gemeinsam nicht vergessen
Unter Sternen, von Sina Luigart (15). Am Abend strahlt die Alte Synagoge noch viel schöner als in den Tagen der Proben zum Klanglabor. Unter der einzigartigen, beleuchteten, himmelblauen Decke, die mit goldenen Sternen bemalt ist, findet das Konzert zum Thema „Erinnerung“ statt, welches sehr bewegend ist. „Celebrating Life!“, so lautet das diesjährige Thema des Klanglabors. In Folge des 80. Jahrestages zum Ende des Zweiten Weltkriegs und des damit endenden Leides vieler Menschen erklingen hier viele unterschiedliche Konzerte, die nicht nur die Lebensfreude unterstreichen, sondern auch eine Erinnerung sein sollen an die vielen Opfer, die dieser Krieg gefordert hat. Der gemalte Sternenhimmel lädt ein zum gemeinsamen Gedenken und Nichtvergessen. Unter der Kuppel des Gedenkorts fühlt es sich so an, als würde man sich in einer Blase befinden, die mit Musik gefüllt ist. Als Auftragskomposition erklingt „Hannah“, von der Flötistin Gili Schwarzman geschrieben. In dem Stück „Hannah“ geht es um die Geschichten, die ihre Großmutter ihr als Geheimnis anvertraut hatte und darum, die Schönheit des Lebens zu genießen. Das Werk nimmt sowohl die allgemein eher älteren Zuschauerinnen und Zuschauer, als auch 40 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Hechingen mit in die wertvollen Erinnerungen einer Zeitzeugin. Die Komponistin ist sichtlich bewegt von der Uraufführung und der Interpretation ihrer Musikerfreunde, zu denen auch ihr Lebensgefährte Guy Braunstein gehört.

Konzert des Musikfestivals in der Alten Synagoge: Großer Applaus für Guy Braunstein, Adrien La Marca, Zvi Plesser und Rahel Rilling
Julia KaiserErinnerung in Musik geschrieben, von Chloe Grauer (15 ). Gili Schwarzman war vier Jahre alt und ihre Oma holte sie jeden Tag vom Kindergarten ab, erzählt sie im Interview. „Wir hatten ein schönes Ritual. Gemeinsam hörten wir Musik; tanzten und vor dem Mittagsschlaf erzählte sie mir Geschichten, die sie niemand anderem erzählt hat.“ Es waren Erinnerungen, über die sie als Holocaustüberlebende viele Jahre geschwiegen hatte. Die kleine Gili wurde damit zu einer Geheimnishüterin. „Ich konnte damals noch nicht begreifen, was meine Oma mir erzählte, wusste aber, dass es wichtig war und wollte es mir gut merken.“ Als Gili älter wurde, merkte sie, dass die Erinnerungen sich in Musik verwandelt hatten. Immer besser verstand sie, was ihre Oma ihr damals erzählt hatte. Sie beschreibt, dass die schrecklichen Erinnerungen für sie nie etwas Greifbares waren, sondern immer eine Gefühlswelt. Diese Kopfgefühle fasste Gili in „Hannah“ zu einer Komposition zusammen. Überraschenderweise ist daran nichts Krachmachendes, sondern etwas Ruhiges und Harmonisches. Dieses Stück ist das erste, das Gili je komponiert hat. Dabei hatte sie das Gefühl, dass ihre Oma ihr beim Schreiben geholfen hat.
Wie die Melodie eine Geschichte erzählt
Zwischen den Tönen, von Lara-Sophie Ehinger (15). Der Saal der Alten Synagoge Hechingen ist ganz still. Zvi Plesser, der Cellist, schließt seine Augen und setzt den ersten Ton an. Kein hektischer Auftakt, kein großes Spektakel. Nur der erste Ton, der sich wie ein Flüstern durch den Raum tastet. Man sieht sofort: Er spielt nicht nur Töne, er lebt jede einzelne Note. Sein Gesicht zeigt Tiefe, die mehr als Musik erzählt – Erinnerungen scheinen mitzuschwingen, vielleicht Schmerz, vielleicht etwas sehr Persönliches. Und trotzdem ist da ganz viel Gefühl und eine leise Hoffnung, die durch seine Finger fließt. Während Zvi spielt, sitzen die anderen Musiker ruhig da. Besonders fällt Adrien La Marca auf. Er wirkt ganz versunken in der Musik. Auch seine Augen sind gesenkt und er wirkt nachdenklich – er nimmt die Schwere des Stückes in sich auf und lässt es auf sich wirken. „Louange à l’éternité de Jesus“ von Oliver Messiaen ist mehr als ein Werk. Es ist ein Moment, in dem alles, was bleibt, das Gefühl Hoffnung ist – auch wenn sie inmitten von Dunkelheit aufleuchtet. Es fühlt sich an, als würde die Musik genau diese Hoffnung aussprechen: Nicht laut, nicht übertrieben, sondern leise und unerschütterlich. Ich spüre, wie die Melodie eine Geschichte erzählt, die über Worte hinausgeht – von Schmerz und Trost, von Abschied und Neubeginn. Der Cellist lässt sein Instrument singen, traurig und schön zugleich. Er nimmt mich durch sein Spiel mit auf eine Reise, die ich nie vergessen werde.
