Karfreitag in Hechingen-Boll: Ministranten lassen die Rätschen laut erklingen

In Boll haben das Rätschen am Karfreitag die Ministranten übernommen.
Christian Steinhilber- In Boll ersetzen Ministranten an Karfreitag und -samstag das Geläut im Turm von St. Nikolaus.
- Um 6, 12 und 18 Uhr erklingen große Rätschen – sie zeigen die Gebetszeiten an.
- Dieses Jahr gab es eine öffentliche Einladung, damit viele kurbelnde Hände mitmachen.
- Die Glocken schweigen von Gründonnerstag nach dem Gloria bis zum Gloria in der Osternacht.
- Auch Liturgie und Kreuzweg werden durch Ratschen angezeigt, teils statt Altarglocken.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Da sie über die Kartage ausgeschaltet sind, geht's in Boll dorthin, wo sonst die Kirchenglocken schlagen: in den Turm der St. Nikolauskirche. Denn dann heißt es, von Hand auf die Gebetszeiten aufmerksam zu machen.
Ein besonderes Erlebnis
Seit Jahr und Tag treffen sich die Ministranten von Boll am Karfreitag und -samstag, um mit großen Rätschen jeweils um 6, um 12 und um 18 Uhr das Glockengeläut zu ersetzen. Dieses Jahr wurde dazu öffentlich eingeladen, damit viele kurbelnde Hände dabei unterstützen.
Wie soll man es beschreiben? Ist es sowieso schon ein Erlebnis, auf den Glockenturm zu dürfen, herrschte am Karfreitag frühmorgens eine ganz besondere Stimmung. Dafür nehmen die Rätscherinnen und Rätscher das frühe Aufstehen und das Erklimmen des Kirchturms doch gerne auf sich.
Was ist überliefert?
Der Überlieferung zufolge schweigen von Gründonnerstag nach dem Gloria der Messe vom letzten Abendmahl den gesamten Karfreitag und Karsamstag über bis zum Gloria in der Osternacht die Glocken beziehungsweise deren Zungen, die Klöppel, da sie alle zur Beichte oder zum Reisbreiessen „nach Rom geflogen“ sind.
Da die Kirchenglocken zumeist eine festliche Stimmung ausdrücken, ist deren Geläut in der Zeit der Grabesruhe Jesu nicht angebracht. Um dennoch das Angelusläuten fortzusetzen, wird es um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr lautstark durch das Ratschen oder Klappern ersetzt. Auch die meist um 15 Uhr stattfindende Karfreitagsliturgie und der häufig am Vormittag begangene Kreuzweg werden rechtzeitig vorher angezeigt und ausgerufen.
Auch innerhalb der Liturgie werden die Ratschen beziehungsweise Klappern anstelle der Altarglocken (-schellen) verwendet, zum Beispiel bei den Prozessionen mit dem Allerheiligsten am Gründonnerstag und Karfreitag.
