Inklusionsprojekt in Hechingen-Stetten
: Vielfalt auf dem Fußballplatz

Das Projekt „Fußballfreunde“, bei dem der TSV Stetten/Hechingen und die Stiftung Lebenshilfe Zollernalb kooperieren, feiert zehnjähriges Jubiläum.
Von
Hannes Reis
Hechingen-Stetten
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Eine lebendige „Jubiläums-Zehn“ für ein lebendiges Projekt auf dem Sportplatz des TSV Stetten.

Eine lebendige „Jubiläums-Zehn“ für ein lebendiges Projekt auf dem Sportplatz des TSV Stetten.

Katharina König
  • Das Inklusionsprojekt „Fußballfreunde“ des TSV Stetten/Hechingen feiert sein 10-jähriges Jubiläum.
  • Menschen mit und ohne Behinderung spielen gemeinsam Fußball und stärken die Dorfgemeinschaft.
  • Redner betonten, dass Inklusion eine gesellschaftliche Aufgabe ist und Vielfalt bereichert.
  • Höhepunkte waren Ehrungen, Highland Games und Unterstützung von Sponsoren wie Vantive.
  • Ziel ist, Inklusion als Normalität zu etablieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass Inklusion in unserer Gesellschaft immer noch nicht selbstverständlich ist, kam bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum des Projekts im Sportheim auf dem Lindenwasen deutlich zum Ausdruck. Marcel Perreau, Chef des TSV Stetten, war hocherfreut über die Zahl der Ehrengäste und die große Schar der Mitfeiernden. Die stellvertretende Leiterin der Stiftung Lebenshilfe, Dr. Monika Betz, stellte mit zwei Dutzend Menschen mit Behinderung nebst Betreuerinnen die stärkste Feiergruppe, gefolgt von den TSV-Fußballfreunden.

Anderssein bereichert Zusammenleben

Jürgen Fischer eröffnete als Stellvertreter des Bürgermeisters Philipp Hahn und für den Gemeinderat den Rednerreigen mit herzlichen Grüßen und Glückwünschen. Er betonte, dass Inklusion und Integration zwei wichtige Stützpfeiler einer freiheitlichen und humanen Gesellschaft seien. „Wer in solchen Projekten arbeitet, spielt und lebt, der braucht keine Hetze im Netz zu verbreiten“. Denn diese Menschen erleben, „dass Anderssein das Zusammenleben bereichert, schöner und auch lustiger macht“. Mehr solcher Vereine wünschte sich Jürgen Fischer für die Stadtgesellschaft.

Dr. Rolf Frankenberger, stellvertretender Ortsvorsteher von Stetten, konnte den Worten seines Vorredners nur beipflichten und stellte die herausragende Leistung der TSV Fußballfreunde bei dem spielerischen Miteinander in den Vordergrund. Das Spiel verwische Grenzen, mache den Umgang einfacher. Dies sei vorbildlich in der Dorfgemeinschaft und nachahmenswert.

Für die Stiftung Lebenshilfe Zollernalb stellte Dr. Monika Betz klar, dass Inklusion zuallererst eine gesellschaftliche Aufgabe sei und dann erfüllt ist, wenn man nicht mehr darüber redet. Aus ihrer Alltagserfahrung ist es außergewöhnlich, dass ein Verein wie der TSV Stetten auf die Lebenshilfe zukommt und Kooperation anbietet. Das verdiene Respekt und großen Dank.

Ein Leuchtturmprojekt

Der Projektstart 2015 fiel in die Amtszeit des damaligen Ortsvorstehers Hannes Reis, der das Leuchtturmprojekt tatkräftig unterstützte und noch heute von der Idee begeistert ist. Er führte aus, dass Stetten bei dem Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2018 einen Sonderpreis für „ein herausragendes Engagement der Kommune für Integration, Inklusion, Jugendförderung und Geschichts- und Brauchtumspflege“ erhalten hat. Dafür stehen die TSV-Fußballfreunde. Sie leben Inklusion, erleben Verschiedenheit als Bereicherung. Dies ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Bei den Highland Games waren Spaß und Action angesagt, unter anderem beim Schubkarrenrennen.

Bei den Highland Games waren Spaß und Action angesagt, unter anderem beim Schubkarrenrennen.

Katharina König

Thomas Sigg, der Spiritus Rektor, Ideengeber und Hauptsponsor des Inklusionsprojekts, sprach von einer leuchtenden, inzwischen etablierten Institution in unserer Stadtgesellschaft. Er erinnerte an den verheißungsvollen Anfang, an die begeisterten Mitstreiter der ersten Stunde wie Andreas Behrend, Katrin Strobel, Stefanie Lorenz, Conny Henzler und das offene, erstaunte Ohr von Dr. Monika Betz von der Stiftung Lebenshilfe. Erstaunt deshalb, weil normalerweise der Impuls für ein Miteinander eher von der Lebenshilfe kommt.

Für Thomas Sigg ist der Inklusionserfolg der Summe der Faktoren Nachhaltigkeit, Zuverlässigkeit, Freude am Tun und dem Brennen für eine Sache geschuldet. Er schloss mit dem Zitat von Katrin Strobel vor zehn Jahren „Mit Sport können Grenzen überwunden werden und ich fände es toll, wenn in 20 Jahren Inklusion kein Thema zum Diskutieren ist, sondern ein ganz normaler Bestandteil der Gesellschaft“. Der Halbmarathon sei geschafft, für den TSV Stetten sei das kein Thema mehr.

Ehrung für zwei Männer der ersten Stunde: Oliver Gligorjevic (l.) und Raphael Randow kicken seit zehn Jahren mit.

Ehrung für zwei Männer der ersten Stunde: Oliver Gligorjevic (l.) und Raphael Randow kicken seit zehn Jahren mit.

Hannes Reis

Zum Abschluss drückte Florian Schachtschneider als Bereichsleiter der Firma Vantive, ehemals Gambro, seine Anerkennung und Begeisterung für das erfolgreiche Miteinander der TSV-Fußballfreunde und den Menschen mit Behinderung aus. Als früherer Fußballspieler und jetziger Schiedsrichter weiß er dieses herausragende Engagement sehr zu schätzen. Vantive unterstützt das Projekt aktiv mit Trikots und Turnbeuteln, die verteilt wurden.

„Es macht so viel Spaß“

Katharina König, die Koordinatorin des Projekts, ehrte abschließend Oliver Gligorjevic und Raphael Randow für ihr zehnjähriges begeistertes Mitspielen. Oliver meinte, er überlege sich nun in den Ruhestand zu gehen, aber vielleicht auch nicht, weil es ihm so viel Spaß mache und er so tolle Fußballfreunde beim TSV kennengelernt habe. Mit einem leckeren, feinen Kuchenbuffet wurden die Gäste verwöhnt, bevor es zu den Highland Games ging. Mit gemischten Teams starteten die Lebenshilfe und die TSV-Fußballfreunde. So schnell es ging, wurde ein Fass gerollt, Sack gehüpft und ein Huckepack-Parcours bestritten. Mit letzter Kraft wurden noch Gummistiefel geworfen und Schubkarren gefahren. Zur Abkühlung gab es bei der Siegerehrung für alle Eis. Schön, dass die Hagaverschrecker mit einem Team dabei waren. Den Jubiläumstag ließ man gemeinsam bis zum Sonnenuntergang ausklingen. Man ist sich wieder ein Stück nähergekommen.