Ben ist 17 Jahre alt. Er ist selbstbewusst und weiß, was er will. Er ist fit, lustig und hilfsbereit. Ben kann schwimmen, skifahren, klettern, schlittschuhlaufen. Er mag wie alle anderen Jugendlichen am liebsten Pommes, Spaghetti, Radler – und Playstation spielen. Ben ist allerdings nicht ganz so durchschnittlich. Er hat das Downsyndrom.
Man merkt allerdings an der Aufzählung schnell, dass diese Beeinträchtigung den jungen Bisinger nicht unbedingt aus der Bahn wirft. Manchmal schon, aber er und seine Familie und seine Freunde unterstützen ihn wunderbar.
Seine Mutter ist glücklich darüber, was Ben schon alles erreicht hat. Sie unterstreicht: „Er ist sehr selbstständig, fährt mit der Bahn und bewegt sich sicher in Bisingen.“ Aber sie muss auch einräumen: „Es gibt viele hilfreiche Menschen.“ Das ist zwar prima, beweist aber auch: Ben ist bei manchen Dingen eben doch auf andere angewiesen.

In Vereinen aktiv

Trotzdem macht er das Beste aus allem – oder hört nicht auf, eben dies zu versuchen. Der 17-Jährige geht seit vielen Jahren zur DLRG Bisingen/Engstlatt. Beim TSV Stetten bei Hechingen spielt er schon länger Fußball in Kooperation mit der Lebenshilfe. Sehr viel Engagement, so erzählt seine Mutter weiter, zeigt auch das Katholische Jugendreferat Balingen: Ben war als Teammitglied bei der Kinderfreizeit mit dabei. Wohlgemerkt mit allem, was dazugehört! Viele Jahre ist der Bisinger schon bei den Hechinger Ferienspielen zugange. Die Mutter betont ausdrücklich: „Es gibt Vereine, die, ohne es Inklusion zu nennen, das tatsächlich auch im Alltag umsetzen!“ Bei der DLRG zum Beispiel wurde nie eine Assistenz für ihn gefordert. Die Stettener Fußballer „sind total motiviert und organisieren einfach von sich aus eine gemeinsame Weihnachtsfeier“, schwärmt Bens Mutter.

Manchmal klappt es

Doch es gibt diese Einschränkungen: Bei Vereinen, in denen die Familie Mitglied ist, klappt es „auch manchmal“. Und überhaupt: „Das Meiste läuft aber über die Unterstützung durch Familie und Freunde.“ So viel also zum aktuellen Zwischenstand der niemals endenden Inklusionsdiskussion in deutschen Landen!
Diese unbedingt und merkbar voranbringen, das will der Verein „Downtown Hechingen“. Der ist frisch gegründet, besteht aus Familien mit behinderten Angehörigen, aus Menschen, die sich von ihrem Beruf her einbringen wollen, aber auch aus Leuten, die ohne direkt betroffen zu sein der Integration von Menschen mit Beeinträchtigung einen Schub geben wollen. „Downtown Hechingen“ hat zwar den Namen der Zollernstadt eingebaut, richtet sich aber an den gesamten Zollernalbkreis und die Region. Damit ist der Verein wie gemacht als Adressat für die HZ-Weihnachtsaktion „Gute Taten“: Je mehr Geld auf dem Vereinskonto ist, desto leichter tun sich die engagierten Mitglieder mit der Umsetzung ihrer mutigen Ziele.

Es gibt noch viel zu tun

Die dürfen trotz aller aktuellen Krisen nicht aus dem Blick geraten. Denn Ben ist zwar ein richtiger Wonneproppen und kommt mit Unterstützung gut zurecht, aber insbesondere bei seinen näheren Perspektiven zeigt sich doch, wie hinterdrein die Gesellschaft noch ist, wenn es darum geht, nicht durchschnittliche Menschen teilhaben zu lassen.
Ben zum Beispiel sieht seine Zukunft ganz gewiss nicht in der Werkstatt der Lebenshilfe. Er will Bauer werden! Kein Problem, sollte man meinen. Von denen gibt es eh zu wenig. Aber wer das lernen will und mit dem Downsyndrom ausgestattet ist, für den ist es eben so einfach nicht. Die Familie gibt sich optimistisch: „Seinen Berufswunsch können wir sicher verwirklichen.“ Aber da ist wieder diese Einschränkung: „Wenn auch wahrscheinlich in einer inklusiven Gemeinschaft.“ Ben weiß, um was es als Bauer geht: Zum Üben und Mithelfen darf er derzeit auf den Hospachhof zwischen Stetten bei Haigerloch und Gruol. Ein Dreifachhoch auf Betriebe, die dies möglich machen!

Nicht in die Werkstatt!

Landwirt, das könnte etwas werden, hofft die Familie denn auch. Ansonsten winkt der Weg in die Werkstätten als so ziemlich der einzig mögliche. Bens Angehörige haben gelernt: „Auch ein Integrationsfachdienst fühlt sich für junge Erwachsene mit geistiger Einschränkung nicht zuständig, da seine Aussichten, auf dem ersten Arbeitsmarkt Beschäftigung zu finden, äußerst gering sind.“ Und das ist wieder so eine Sache, die man in der Gesellschaft des Jahres 2022 so einfach nicht hinnehmen darf: „Downtown Hechingen“, bitte übernehmen!

Wie ist das mit dem FSJ?

Schwierigkeiten tun sich für Menschen wie Ben aber nicht allein beim Beruf auf. Der 17-Jährige will zunächst ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) machen. Auch da denkt der unbedarfte Laie: Juhu, nach solchen Leuten wird händeringend gesucht! Aber nicht, wenn sie nicht so komplett wie der Durchschnitt sind! Die Erfahrung der Familie betrübt: „Im Zollernalbkreis fühlt sich niemand zuständig.“ Aber es geht auch anders: Bei den FSJ-Trägern hat es bisher eine sehr positive Resonanz gegeben, und da ist auch noch ein Bundesförderprogramm.
Die 17 Jahre mit Ben sind also schon ein stetes Wechselbad der Gefühle, wenn man die Schilderungen der Familie weiter hört. Ben war in einer Außenklasse der Weiherschule „mit toller Integration durch die Rangendinger Eltern und Lehrer“. Dagegen war in den Bisinger Kindergärten Inklusion nicht möglich gewesen. Und in den Schulen vor Ort war sie ebenfalls nicht erwünscht. Aber da ist wiederum die große Unterstützung durch die Lebenshilfe.

Was der Verein will

„Downtown Hechingen“ will sich einbringen, dass diese Wechselbäder Stück um Stück weniger werden.

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Die ersten Spenden sind schon eingegangen!

Vielen Dank Die Belange des neuen Inklusionsvereins „Downtown Hechingen“ sprechen viele Menschen an, und die wollen den Verein im Rahmen der HZ-Weihnachtsaktion auch finanziell unterstützen. Nur weiter so, die Aktion dauert noch an!
Das Konto Die IBAN des Spendenkontos für die HZ-Weihnachtsaktion ist DE 20 6535 1260 0077 0400 00. Der BIC-Code der Sparkasse Zollernalb: SOLADES1BAL. Bei Spenden bis zu 300 Euro braucht es keine Spendenquittung. Der Überweisungsbeleg reicht dem Finanzamt.