Hochwasserhilfe Bisingen: Leserinnen und Leser spenden 75.000 Euro

75.500 Euro für die Bisinger Hochwasseropfer gespendet haben Leserinnen und Leser aus dem ganzen Südwest-Presse-Land. Den symbolischen Scheck hat Bürgermeister Roman Waizenegger (Zweiter von links) erhalten von Tim Hager, dem Geschäftsführer des Neckar-Alb-Verbunds der Südwest Presse (rechts), der langjährigen Verlegerin des Tübinger Tagblatts und jetzigen Schirmherrin für die sozialen Aktionen des Verbunds, Elisabeth Frate, sowie Zollernalb-Redaktionsleiter Ernst Klett.
Thomas KiehlRoman Waizenegger lässt Kaffee servieren. Gleichzeitig klappt das Bisinger Gemeindeoberhaupt seinen Laptop auf und klickt auf eine stattliche Reihe von Videos. Zu sehen sind für die Besucherin und die Besucher von der Südwest Presse noch einmal beziehungsweise zum ersten Mal bewegte und extrem bewegende Bilder vom 2. Mai. Das ist der Donnerstag, der die heile Bisinger Welt innerhalb von gerade einmal 15 Minuten zu beträchtlichen Teilen ins Chaos gestürzt hat.
Der Kaffee des Bürgermeisters ist bei allen am Tisch kalt geworden. Zu erschütternd sind die Videos der Wasser- und Schlammfluten, die sich über große Bereiche von Thanheim, Bisingen und auch Zimmern und Wessingen ausgebreitet haben. Die Folgen: Schäden in Millionenhöhe, gut ein Dutzend Gebäude vorerst nicht bewohnbar, verzweifelte Menschen, die auf Hilfe hoffen.
In der Gemeinde und ihren Ortsteilen ist mit vereinten Kräften aufgeräumt, repariert und entsorgt worden. Aber die Spuren der fürchterlich wütenden Naturgewalt sind noch lange nicht beseitigt. Was es jetzt unbedingt braucht, ist Geld, um rasch zu helfen und für Zuversicht zu sorgen. Neben der Gemeinde, die ein Spendenkonto eingerichtet hat, ist es der Zeitungsverbund der Südwest Presse, der sich mithilfe seiner Leserinnen und Leser für die Hochwasseropfer engagiert hat: Gut 75.500 Euro sind dabei zusammengekommen. Das ist ohne Übertreibung sensationell. Diese Aktion der Zeitung in der Region für die Region zeigt, dass es sehr wohl und weiterhin große Solidarität in der Gesellschaft gibt.
Tim Hager, Geschäftsführer des Südwest-Presse-Verbunds Neckar-Alb, zu dem die Hohenzollerische Zeitung und die Südwest Presse Zollernalbkreis gehören, ist ebenso wie Elisabeth Frate, die langjährige Tübinger Tagblatt-Verlegerin und jetzige Schirmherrin für die sozialen Aktionen des Zeitungsverbunds, so glücklich wie stolz angesichts des enormen Spendenbetrags. Hager erinnerte beim Bisinger Bürgermeisterbesuch daran, dass er unmittelbar nach den ersten Bildern der Katastrophe diese Hilfsaktion starten wollte.
Wer Hilfe braucht, muss sich auch melden
Wer am 2. Mai zum Hochwasseropfer geworden ist, kann sich bei der Gemeindeverwaltung melden und mithilfe eines Antrags um Unterstützung aus dem Spendentopf von Gemeinde und Südwest Presse bitten. Roman Waizenegger ist selbst Schwabe und kennt sich aus mit der Mentalität. Deshalb fordert er unbedingt dazu auf, sich per Antrag ans Rathaus zu wenden. Nur dann kann man auch auf Spendengelder hoffen. Der extra gegründete Beirat bekommt ausschließlich Einblick in die Schadensfälle. Von wem die Anträge sind, erfahren weder das Gremium noch die Öffentlichkeit. Und, ebenfalls wichtig: Die Spenderinnen und Spender haben für ausnahmslos alle Flutopfer gespendet, egal, ob versichert oder nicht versichert. Die ersten Spenden sollen bis zum 14. Juni ausgezahlt werden.
Was für eine gute Idee! Sofort nach den ersten Aufrufen online und dann in Print gingen Spenden ein – aus Bisingen und der Nachbarschaft, aber ebenso aus der weiten Region. Der Neckar-Alb-Verbund der Südwest Presse hat dafür gesorgt, dass die komplette Region mit ihren drei Landkreisen Bisingen helfen konnte. Einen weiteren Schub hat die Berichterstattung im ganzen Südwest-Presse-Land gegeben: Es gingen Spenden ein aus Ulm, aus Crailsheim, aus Schwäbisch Hall und den vielen weiteren Städten und Gemeinden des großen Verbreitungsgebiets. „Wir sind als Südwest Presse an allen Standorten mit den Menschen der Region ganz tief verwurzelt“, erklärt Tim Hager.
So gut und so schön – und jetzt? Jetzt geht es konsequent weiter und das Geld aus der Zeitungsaktion und dem Gemeindekonto ganz schnell an die ersten Empfänger. Denn Versicherungen mögen zahlen, aber niemals alles, oder wenn, nur den gefürchteten Zeitwert. Da sind sowieso die vielen Menschen, denen es nicht zur Elementarversicherung gereicht hat, oder die so knapp kalkulieren müssen, dass sie überhaupt nicht versichert sind. Deshalb weiß Roman Waizenegger: „Die Spenden sind ungeheuer wichtig!“
Von wenigen bis zu ganz vielen Euros
Am Tag nach der Hochwasserkatastrophe hat die HZ online zum Spenden aufgefordert, am zweiten Tag danach ging der Aufruf auf Papier gedruckt durch die ganze Region Neckar-Alb. Die Spenden, die wochenlang auf dem Sonderkonto eingegangen sind, kommen aus Bisingen selbst und dem Rest des Altkreises Hechingen, aber genauso aus dem württembergischen Teil des Landkreises und ebenfalls aus Tübingen, Reutlingen, Horb und, und, und. Nach dem Bericht im überregionalen Teil der Südwest Presse reihten sich Ulm ein, Hohenlohe, Göppingen und Geislingen. Gespendet wurden mal 20 Euro, mal 100 und 200, aber oft auch viel mehr. Große Einzelspenden kamen zum Beispiel von der Firma Baxter in Hechingen und einer älteren Bisingerin, die nicht genannt werden will.
Mithilfe des Beirats, den die Gemeinde Bisingen in dieser Woche zusammengestellt hat, kommt das Geld rasch und unbürokratisch zu den Menschen. Das geschieht absolut anonym: Entschieden wird allein nach den Schäden und den Schicksalen. Aber, ganz wichtig, man muss sich auch wirklich melden bei der Gemeinde. Das kann man mit dem Antragsformular ohne großen Aufwand erledigen. Auskunft gibt es im Rathaus.
Roman Waizenegger und sein Beirat setzen auf Schnelligkeit: Eine erste Tranche der Spendengelder soll schon bis zum 14. Juni verteilt werden. Danach geht es weiter, bis alle Spenden verteilt sind. „Jeder Euro, der gespendet worden ist, kommt an“, garantiert der Bisinger Bürgermeister.
