Video zeigt Überflutung: Aufräumarbeiten dauern an — Bisingen nach dem verheerenden Unwetter
Der anhaltende Starkregen am Donnerstag, 2. Mai, hat die Gemeinde Bisingen im Zollernalbkreis voll erwischt. Sturzbäche ergossen sich durch das Dorf, der Marktplatz ist überflutet. Schlamm, Geröll und Äste liegen dort, wo sie nicht hingehören. Am Abend und in der Nacht sind mehrere hundert Mitglieder von Feuerwehr, DRK; THW, DLRG aus dem gesamten Zollernalbkreis sowie Überlandhilfe aus Reutlingen und Mengen im Einsatz.
„Zahlreiche Straßen sind aktuell nicht passierbar“, so Kreisbrandmeister Sven Röger in einer aktuellen Mitteilung am Abend. Der Einsatzschwerpunkt ist entlang des Klingenbachs von Thanheim über Bisingen bis nach Steinhofen. Die Feuerwehren wurden zu 91 Einsatzstellen vor Ort gerufen. Insgesamt gingen mehrere Hundert Notrufe bei der Integrierten Leitstelle ein.
Viele hatten Wasser im Keller
Auf der Landesstraße 360 zwischen Bisingen und Onstmettingen kam es durch den Starkregen zu einem kleineren Hangrutsch. Die Straßenmeisterei war zum Zeitpunkt der Mitteilung noch vor Ort, um die Straße zu räumen. Aufgrund der Überschwemmungen in Bisingen wurde die Straße in Richtung Bisingen vorsorglich gesperrt — ausgenommen Anlieger. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Raumschaft Albstadt. Dort zählte man bis 20 Uhr 25 Einsatzstellen — vor allem Wasser im Keller.
So schlimm war das Unwetter in Bisingen
Nach Lage der Dinge sind die Schäden immens. Etliche Autos erlitten Totalschaden. Zum Glück stellten sich anfängliche Vermisstenmeldungen als nicht zutreffend heraus. „Priorität Nummer eins war die Personensicherung und gegebenenfalls Rettung. Stand jetzt kam niemand ernsthaft zu Schaden. Soweit man die Lage überblicken kann, ist dies das verheerendste Hochwasser entlang des Klingenbachs, das den Kernort Bisingen mit Thanheim je getroffen hat“, sagte Bürgermeister Roman Waizenegger, der sich zusammen mit Landrat Günther–Martin Pauli und dem Kreisbrandmeister ein Bild vor Ort machte.
Diverse Einsatzstellen würden von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk noch abgearbeitet, es gebe aber keine Verletzten oder Vermissten, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagabend. Es regne nicht mehr. Geschäfte und Keller müssten nun ausgepumpt und überflutete Straßen freigemacht werden. Die Sachschäden ließen sich zunächst nicht abschätzen. „Alles Weitere müssen wir bei Tageslicht anschauen.“
Video zeigt rauschenden Strom statt Straße
Ein Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt, wie sich am Nachmittag der Klingenbach und Borrenbach in reißenden Fluten durchs Dorf wälzen.
In anderen Teilen des Zollernalbkreises, etwa in Hechingen und im Killertal, sind die Auswirkungen des Gewitters weniger schlimm. Allerdings kam und kommt es teils noch zu gravierenden Einschränkungen im Zugverkehr.
„Was ist hier los?“
SÜDWEST–PRESSE–Reporterin Karin Mitschang war zum Zeitpunkt des schweren Unwetters unterwegs. Auf den Straßen musste sie teilweise großen Wasseransammlungen ausweichen, immer wieder traf sie auf Rettungskräfte. In einem Video hat sie erste Eindrücke festgehalten:
Deutscher Wetterdienst warnte vor Sturzfluten
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte von Donnerstag bis in die frühen Morgenstunden des Freitags vor schweren Gewittern in weiten Teilen des Landes gewarnt. Örtlich bestehe demnach Gefahr von Starkregen mit Mengen zwischen 25 und 50 Liter pro Quadratmeter. Für die Regierungsbezirke Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen war zunächst eine Unwetter–Vorabinformation herausgegeben worden — dann folgte eine Unwetterwarnung der Stufe drei von vier. Lokal sei mit Sturzfluten, Erdrutschen oder Überschwemmungen zu rechnen. Auch für Ulm galt am Nachmittag eine Unwetterwarnung.
Hagel, umgestürzte Bäume, überflutete Straßen
Ein abendlicher Rundruf bei den Polizeipräsidien zeigte, dass Unwetter auch andernorts wüteten, doch nirgends war es so gravierend wie im Zollernalbkreis.
Das Polizeipräsidium Ulm meldete „zweimal Wasser auf der Straße“, unwetterbedingte Unfälle habe es nicht gegeben, so das Lagezentrum. Die Polizeipräsidien Kempten und Pforzheim meldeten keine unwetterbedingten Vorfälle. Das Präsidium in Ravensburg berichtete von Hagel im Bereich Sigmaringen. Im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Aalen gab es mehrere kleinere Einsätze, von „Baum über Fahrbahn“, „überfluteter Straße“ und „umgefallenes Baugerüst“ bis hin zu einem Trecker, der abzurutschen drohte und einem Maibaum, der gesichert werden musste, weil sein Gipfel drohte abzubrechen.
mit Material von dpa














