Heiligenverehrung Jungingen
: Ein über 100 Jahre alter Segensgruß

Bei der Renovierung eines Bildstocks trat eine Schachtel aus Zink zutage. Sie verheißt denen, die den Heiligen Josef anrufen, „eine glückselige Sterbestunde“
Von
Matthias Badura
Jungingen/Hohzenzollern.
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Oliver Simmendinger Jungingen Bildstock

Der Bildstock wie auch die Josefsfigur werden derzeit renoviert. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Mahnmal wieder an seinem angestammten Platz aufgestellt und neu geweiht. Den Termin wird Bürgermeister Oliver Simmendinger rechtzeitig bekannt geben.

Matthias Badura
  • Bildstock von Jungingen wird renoviert, Zinkschachtel mit historischem Inhalt gefunden.
  • Schriftstücke von 1911 und 1985 enthalten Segenswünsche und historische Ereignisse.
  • Einheimische Wilma Evers entziffert alte Texte, Freude über Verbindung zum Großvater.
  • Bürgermeister Oliver Simmendinger kündigt neue Weihe an.
  • Nach Sanierung wird neue Nachricht in Zinkschachtel hinzugefügt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Bildstock am Ortsausgang von Jungingen (Hohenzollern), gewidmet dem Heiligen Josef, befand sich zuletzt in keinem guten Zustand: verwittert und schief stand das Mahnmal des Glaubens da. Errichtet wurde es im Jahr 1911 und im Sommer 1985 wohl erst- und letztmalig saniert.

Von Kurt Kleinmann, ursprünglich Zimmerer, vormalig in Diensten der Gemeinde stehend, inzwischen Ruheständler, ging die Initiative aus den Bildstock zu renovieren. Rathausverwaltung und Angestellte des Bauhofes sagten ihm daraufhin Unterstützung zu.

Josef wird frisch bemalt

Der Bildstock aus Eiche lagert nun im Bauhof, hat einen ersten Anstrich hinter sich, wartet auf den zweiten. Offensichtlich musste er gekürzt werden. Der untere Teil, der im Boden steckte (kein Sockel!), war stark verwittert, während sich allerdings der Rest in einem erstaunlich guten Zustand befindet. Eiche eben! Auch die Josefsfigur wird momentan neu bemalt, damit sie in frischem Glanz auf ihren Platz zurückkehren kann.

Griff zur Metallsäge

Als man den Bildstock entfernte und untersuchte, fand sich in seinem Inneren eine Schatulle aus Zink, ihr Deckel verlötet, somit von Hand nicht zu öffnen. Natürlich siegte die Neugier und man griff zur Metallsäge. Zutage traten mehrere Brieflein und ein Amulett. Was da in altertümlicher Weise, in Sütterlin-Handschrift, geschrieben stand, vermochten die Entdecker jedoch nicht zu entziffern. Sie zogen Wilma Evers zu Rate, die Sütterlin lesen kann.

Zinkkassette Jungingen Hohenzollern Bildstock St. Josef

Der Inhalt der Kassette birgt keine Reichtümer oder Kleinodien, aber Zeugnisse der Vergangenheit, die von einstiger Volksfrömmigkeit künden.

Privatfoto

Die Aufgabe bereitete der Junginger Mitbürgerin auch deshalb Freude, weil es ihr Großvater, der „Mitschele-Frieder“ war, der den Bildstock einst schuf. Die Jungingerin selber kann sich noch daran erinnern, wie in ihrer Kinderzeit vor der Andachtsstätte eine Ruhebank stand. „Da saßen oft Männer mit Hut, Stock und Zigarren und besprachen vermutlich die Orts-Neuigkeiten oder ihre Kriegserlebnisse. Lang, lang ist's her.“

Wilma Evers machte außerdem darauf aufmerksam, dass der Bildstock jahrelang die erste Station der Christi-Himmelfahrts-Prozessionen bildete. Man möchte hinzufügen: Auch das ist lange her.

Wortlaut des Schriftstücks

Was stand auf dem Schriftstück, das sie übersetzte? Im Wortlaut: „ Zur Ehre unseren Herrn Jesus Christus und seines hl. Nährvaters wurde dieses Bildstöcklein mit dem Bilde des hl. Josef errichtet durch milde Gaben aus der Gemeinde Jungingen. Das Bild des hl. Josef stammt aus der Künsterwerkstätte des Josef Rifesser in St. Ulrich Tirol. Das Bildstöcklein selbst hat hergestellt Friedrich Wilhelm Riester, Schreiner in Jungingen. Am Himmelfahrtsfest, 25. Mai 1911, fand während der Flurprozession die feierliche Weihe statt. (...) Möge Gott uns allen, die in späterer Zeit dieses Weges ziehen und den hl. Josef andächtig anrufen, durch die Fürbitte dieses Heiligen seine Gnade und seinen Segen und eine glückselige Sterbestunde verheißen. 25. Mai 1911, gezeichnet Pfarrer Franz Pohl.“

Ein zweites Papier in der kleinen Kassette enthält einen Nachtrag aus dem Renovierungsjahr 1985; unterschrieben von Pfarrer Eugen Wessner und dem Gemeindepfleger i. R. Josef Schuler. Es handelt sich zunächst um eine Rückschau, was sich seit den Tagen als der Bildstock aufgestellt wurde, an prägenden und einprägsamen Dingen ereignet hat. So wird an das Erdbeben erinnert, das 1911, bald nach der Weihe des Bildstocks, die Region erschütterte; außerdem an jenes, erst sieben Jahre zurückliegende Beben von 1978.

Inzwischen, das ist in dem Papier ebenfalls erwähnt, wurden gegenüber dem Heiligenbild „statt Bauernland“ der Sportplatz und die Turnhalle angelegt. Weshalb es am Schluss heißt: „Möge Gott der Herr auf die Fürbitte des hl. Josefs die Jugend, die sich hier zusammenfindet, vor Gefahren des Leibes und der Seele beschützen und unser Land künftig vor Krieg und Erdbeben bewahren. St. Josef, alle Zeiten steh hilfreich uns zur Seiten.“

(Bei der Josefsstatue, das erfährt man ebenfalls, handelte es sich zu der Zeit nicht mehr um das Original aus der Tiroler Werkstatt. Sie sei „schon früher“ durch eine andere aus dem Kloster Beuron ersetzt worden.)

Nachricht an kommende Generationen

Wenn die Sanierung des Josef-Bildstocks abgeschlossen ist, werden die darin gefundenen Schriftstücke um eine aktuelle Nachricht an die Nachwelt ergänzt, gemeinsam in der Zinkkassette verschlossen und wieder in den Bildstock gegeben. Den Termin der neuerlich Weihe wird Bürgermeister Oliver Simmendinger rechtzeitig bekannt geben.