Hechinger Kultursommer
: Von Hohenzollern: Als Fürsten tatsächlich noch welche waren

Zuletzt ist der Streit um adelige Titel durch die Leonberger OB-Kandidatin Josefa von Hohenzollern-Emden wieder neu befeuert worden. Wie es den letzten Fürsten von Hohenzollern-Hechingen erging, wird bei einer neuen Stadtführung unterhaltsam erklärt.
Von
Klaus Stifel
Hechingen
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In der Stiftskirche St. Jakobus, einem der Wahrzeichen Hechingens, erläuterte Stadtführer Dr. Boris Kotchoubey die Entstehungs- und Baugeschichte des heutigen Kulturdenkmals in fürstlichen Zeiten, die eher arme Zeiten waren.

In der Stiftskirche St. Jakobus, einem der Wahrzeichen Hechingens, erläuterte Stadtführer Dr. Boris Kotchoubey die Entstehungs- und Baugeschichte des heutigen Kulturdenkmals in fürstlichen Zeiten, die eher arme Zeiten waren.

Klaus Stifel
  • Neue Stadtführung in Hechingen beleuchtet Geschichte der letzten vier Fürsten von Hohenzollern-Hechingen.
  • Bauprojekte wie Neues Schloss und Stiftskirche prägten die Fürstenzeit – Geldmangel oft ein Problem.
  • Villa Eugenia wurde 1789 errichtet und diente dem letzten Fürstenpaar als Residenz.
  • 1798 schaffte Fürst Friedrich Hermann Otto die Leibeigenschaft weitgehend ab.
  • Stiftskirche St. Jakobus gilt als bedeutendstes Werk von Fürst Josef Wilhelm, fertiggestellt 1783.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Blau“ ist das Motto des Hechinger Kultursommers 2025, und um „Blaues Blut“ geht es in der neuen Stadtführung über die letzten vier Fürsten der Zollernstadt. Mit Stadtführer Prof. Dr. Boris Kotchoubey tauchte man ein in die Vergangenheit der einstigen Residenzstadt und wandelte auf den Spuren von Joseph Wilhelm und seinen drei Nachfolgern Herrmann Friedrich Otto, Friedrich Herrmann Otto und Friedrich Wilhelm Konstantin. Das Quartett sorgt für beeindruckende Bauprojekte wie Neues Schloss und Stiftskirche.

Als vor 275 Jahren, am 4. Juli 1750, im Schloss Lindich Fürst Friedrich Ludwig von Hohenzollern-Hechingen kinderlos starb, endete die direkte Linie der Hechinger Fürsten. Man musste erweitern, und das nicht zum letzten Mal: Cousin Joseph Wilhelm trat die Nachfolge an. Vor Ort geht es bei der Stadtführung zum Marstall, dem einstigen fürstlichen Pferdestall am Schlossplatz, der zu einem Wohnhaus geworden und nicht mehr ganz frisch ist. Über dem Eingang prangt die Jahreszahl 1755. Zu dieser Zeit habe Fürst Josef Friedrich Wilhelm, der ab dem Jahr 1750 der sechste Fürst von Hohenzollern-Hechingen war, befohlen, das Gebäude zu renovieren und umzubauen, was auch für die vom Grafen Eitelfriedrich I. erbaute Friedrichsburg galt. „Alles war veraltet und vergammelt. Die Fürsten haben sich geschämt, dass sie in einem so alten Schloss wohnen müssen“, erzählte Boris Kotchoubey.

Auch mit blauem Blut kann Geld fehlen

Die Reparatur sei deutlich billiger als Abriss und Neubau gewesen. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts war das Gebäude so verfallen, dass Fürst Friedrich Hermann Otto (1776-1838) es 1814 für eine neue Residenz doch abreißen ließ. An gleicher Stelle entstand ein dreiflügeliges Renaissanceschloss, das von der fürstlichen Familie aber nie bewohnt wurde. Den damaligen Fürsten ging das Geld aus, sodass das Schloss nicht fertig erstellt werden konnte. Kotchoubey merkte an, dass das Fürstentum ab 1750 bis 1848, also fast 100 Jahre lang, kein Geld hatte. „Hechingen war zu der Zeit immer arm und in Schulden.“ In den 1870er-Jahren habe dann die Spar- und Leihkasse die Bauruine übernommen und brachte die noch nicht erledigten Bauarbeiten zum Abschluss. Heute befindet sich darin eine Geschäftsstelle der Sparkasse Zollernalb.

Unehelicher Sohn wird Pfarrer

Im 18. Jahrhundert entstand auch das ehemalige Kanzleigebäude, in dem im ersten Stock ein Pfarrer gelebt habe. Das Kuriose: Der Geistliche sei der „illegale“ Sohn von Fürst Joseph Wilhelm gewesen. Boris Kotchoubey: „Dieser katholische Priester hatte wegen seines falschen Verhaltens keinen guten Ruf, und man konnte gegen ihn nur begrenzt vorgehen.“ Letztendlich sei er dann doch noch in eine andere Gemeinde versetzt worden.

Immer diese Bauern!

Vor dem Hechinger Rathaus berichtete der Stadtführer über Friedrich Hermann Otto als vorletzten Fürst. Er habe eine Versöhnung mit den unzufriedenen Untertanen hergestellt und schaffte 1798 die Leibeigenschaft (mit Ausnahme der „Nichthuldiger“ in Bisingen) ab, um damit die Unabhängigkeit Hechingens in den schwierigen Zeiten der napoleonischen Kriege zu retten. „Die Bürger der Stadt Hechingen waren immer sehr artig und haben sich nie gegen die Obrigkeit aufgelehnt“, stellte Kotchoubey fest. Aber: „Die Bauern waren anders. Die Last auf ihnen war extrem hoch.“ Immer wieder habe der Kaiser aus Wien in diesen Konflikt eingreifen müssen. Außerdem fanden noch weitere Reformen statt, wie zum Beispiel die Regulierung von Frondiensten, mehr Bauernrechte zum Jagen und Sammeln in fürstlichen Wäldern bis hin zur Einsichtnahme in die Finanzbücher bestimmter Menschen aus den Gemeinden. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs galt Friedrich Herrmann Otto als erster souveräner Fürst von Hechingen-Hohenzollern.

Im 18. Jahrhundert entstand das ehemalige Kanzleigebäude hinterm heutigen Rathaus. Eine gut besuchte Gaststätte gleichen Nmaen sorgt dort für mehr Leben in der Hechinger Altstadt.

Im 18. Jahrhundert entstand das ehemalige Kanzleigebäude hinterm heutigen Rathaus. Eine gut besuchte Gaststätte gleichen Nmaen sorgt dort für mehr Leben in der Hechinger Altstadt.

Klaus Stifel

Nächste Station war die imposante Stiftskirche, die 1780 unter Fürst Josef Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen neu gebaut wurde und viel größer ausfiel als der Vorgängerbau, die Marienkirche, deren Abriss 1778 begann. Die Pläne für die Jakobus-Kirche hat der französischen Baumeister Pierre-Michel d'Ixnard entworfen. 1783 folgte die Einweihung. „Das war die größte Leistung, welche Fürst Josef Wilhelm erbracht hat“, lobte Boris Kotchoubey den Adeligen. Der Innenraum der Stiftskirche gleiche dem eines Schlosses: „Sie hat sehr viel Raum, Luft und Freiheit im Gegensatz zu anderen Kirchen mit langen Kirchenschiffen.“

Irgendwo mussten sie ja wohnen

Die 30er- und 40er-Jahre des 18. Jahrhunderts bedeuteten zugleich Höhepunkt und Ende des souveränen Fürstentums Hohenzollern-Hechingen. Eng mit dieser Zeit ist die Residenz des letzten regierenden Fürstenpaares verbunden: die im Jahr 1789 (der heutige Mittelbau) errichtete Villa Eugenia. Benannt ist das historische Gebäude nach Eugenie von Leuchtenberg. Die in Bayern aufgewachsene Stiefenkelin Napoleon Bonapartes hatte 1826 Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin, den neunten und letzten und dritten souveränen Fürst von Hohenzollern-Hechingen, geheiratet. „Die beiden hatten kein Schloss und mussten ja irgendwo wohnen“, schilderte Stadtführer Kotchoubey die damalige Situation.