Hallenbad Mössingen bleibt geschlossen
: Falsche Fliesen sorgen für Rutschgefahr

Das mit großem Aufwand sanierte Mössinger Hallenbad kann nach der Sommerpause nicht öffnen. Die Sicherheit der Badegäste ist nicht gewährleistet, weil auf der Beckenumrandung die falschen Fliesen verbaut wurden.
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Von Jürgen Meyer
Mössingen
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Das Schwimmbecken ist leer: Offenbar wegen eines Rechtsstreits aufgrund möglicherweiser fehlerhafter Bauausführung kann das Mössinger Hallenbad vorerst nicht in Betrieb gehen.⇥

Jürgen Meyer

Neidvoll blicken Bade- und Schwimmfreunde aus dem Steinlachtal hinüber nach Hechingen. Während es der Zollernstadt im fliegenden Wechsel gelungen ist, die Freibadsaison übergangslos unters Hallendach zu verlegen, bekommen es die Mössinger Stadtwerke nicht auf die Reihe, ihr aufwendig saniertes Bad zu Beginn des Winterbetriebs zu öffnen.

Altbekannte Baumängel nicht behoben

Seit Monaten bekannte Baumängel sind noch nicht behoben, und ein Hygienekonzept, so die Stadt, sei noch nicht entwickelt.

„Wir freuen uns auf Ihren Besuch im sanierten Hallenbad“, postete die Stadtwerke Mössingen vor einem Jahr auf ihrer Webseite. Am 15. September 2019 war das Bad nach 16-monatiger Großsanierung und rund sieben Millionen Euro Baukosten wiedereröffnet worden.

Die hallenbadelose Zeit hielt, mit Unterbrechungen, gerade mal ein halbes Jahr, als „aus Sorge um die allgemeine Gesundheitslage der Bevölkerung“ am 16. März 2020 das Corona-Aus kam. Eigentlich hätte es jetzt am 27. September, nach Ende der Freibad-Saison, übergangslos und unter Einschränkungen weiter gehen sollen. „Leider können wird das Hallenbad nicht zeitnah öffnen“, teilten die Stadtwerke mit. „Bei der Kontrolle der Fliesen in der Beckenumrandung wurde festgestellt, dass nicht alle Fliesen die erforderliche rutschhemmende Eigenschaft aufweisen“, so Betriebsleiter Justus Hoffmann. „Bis zur abschließenden Prüfung bleibt das Hallenbad bis auf weiteres geschlossen“.

OB Bulander: Ein Prüfverfahren läuft

Diese schlechte Nachricht schlug bei Badebesuchern, zu denen auch viele aus den benachbarten Gemeinden stammen, wie eine Wasserbombe ein. Laut Stadtwerke Mössingen war das Fehlen der rutschhemmenden Eigenschaft schon bald bemerkt worden. Unbeantwortet bleibt die Frage, warum dann ein Jahr lang keine Abhilfe geschaffen werden konnte. „Wir müssen noch aufarbeiten, warum da falsche Fliesen verbaut wurden“, erklärte Oberbürgermeister Michael Bulander. Es laufe ein Prüfverfahren.

Unklar bleibt, warum der Badebetrieb trotz angeblicher Gefahrenstelle ungehindert weiterlaufen konnte – nun aber nicht mehr. Überhaupt fragen sich die Badebesucher: Warum muss denn gleich das ganze Bad stillgelegt werden? Würde eine begrenzte Absperrung mit Pylonen oder Bändern nicht ausreichen – oder könnte man das Problem mit dem Auslegen von Gummimatten nicht umgehen?

Nicht die erste Panne

Das Hallenbad ist ein Problemkind der Stadt im Steinlachtal. Bereits die Großsanierung hatte ein Jahr länger als geplant gedauert – und war viel teurer als berechnet geworden. Satte sieben Millionen Euro statt der veranschlagten 5,3 Millionen musste die Stadt in das Bad investieren. Die Alternative – ein Kombibau mit dem Freibad wie in Hechingen – wäre auf neun Millionen Euro gekommen; ein modernes Freizeitbad gar auf 20 Millionen.

Zuletzt hatte man 1999/2000 viel Geld in Sanierung und Wellness gesteckt. Der Wärmeschutz von Dach und Fassade war mangelhaft, die Gaststätte musste einer Dampfgrotte nebst Solarien weichen. Die 1,3 Millionen Euro Renovierungskosten betrafen auch die Badebecken. Der Hubboden wurde entfernt. Das neu entstandene Kombibecken erhielt eine Folienbeschichtung, die nach gerade mal sieben Jahre zugunsten einer Edelstahlwanne obsolet wurde.

Normalerweise 75.000 Besucher pro Jahr

Bei der Feierstunde vor einem Jahr reichten die Schuhüberzieher nicht, um die vielen Besucher für den Rundgang am Wiedereröffnungstag zu versorgen. Das Bad ist beliebt. Rund 75 000 Badegäste besuchen jährlich die 1974 zur Stadterhebung gebaute Freizeit-, Schulschwimm- und Sportstätte.

Die lange hallenbadelose Zeit war gerade mal vier Wochen unterbrochen, da musste die Einrichtung im Oktober „aufgrund einer nicht behebbaren technischen Störung“ vorübergehend wieder schließen – die Wärmebank war kalt geworden, der Beckenumgang frostig, im Kinderbereich trat Zugluft auf. Anlaufschwierigkeiten eben. Zehn Tage später wurde das Bad erneut geschlossen. „Das Bäderpersonal hat die Sanierungsphase mit viel Engagement und Arbeitseinsatz begleitet. Nur dadurch war es möglich, das Hallenbad in den jetzigen Zustand zu setzen“, ließen die Stadtwerke die achttägige Herbstpause begründen. Das Bäderteam habe während der zweijährigen Umbauzeit nicht die verdiente Auszeit nehmen können.

Fünf Monate später dann eine Auszeit, die keiner haben wollte. Zunächst sollte sie bis 19. April dauern. Pandemiebedingt war auch kein nahtloser Übergang in die Freibadsaison Anfang Mai möglich, da dies die Lockerungen erst ab 29. Juni ermöglichten.

Und jetzt sitzen die Mössinger schon wieder auf dem Trockenen.

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Millionen Euro hat die Sanierung des Bades gekostet, 1,7 Millionen mehr als geplant. Und auch die Bauzeit war ein Jahr länger als ursprünglich angenommen.