Gourmetabend im Hechinger Open-Air-Kino
: Coq au Vin, Leberkäswecken und Bier vom Preußen-Prinzen

Ein Sommerabend, überall plaudernde und schmausende Besucher. Über 1000 Gäste ließen sich beim Gourmetabend des Open-Air-Kinos Leckereien schmecken.
Von
Klaus Stopper
Hechingen
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Gerd Merkel

Im Pavillon der Kupferpfanne servierten Gerd Merkel und sein Team passend zum französischen Film Ratatouille und Coq au Vin.

Klaus Stopper
  • Gourmetabend im Hechinger Open-Air-Kino: über 1000 Gäste spenden für Kira-von-Preußen-Stiftung.
  • Lokale Gastronomie bietet Gratis-Häppchen, Spenden fließen reichlich – „Dankeschööööön“-Rufe inklusive.
  • Kupferpfanne serviert Ratatouille und Coq au Vin, Metzgerei Steinhart liefert Leberkäswecken.
  • Sophie von Preußen verkauft Kuchen am Kiosk, Georg Friedrich schenkt Preußens-Pils aus.
  • Publikum lacht bei „Chéri, ich komme“, einige gehen nach der Pause – Popcorn-Schlangen vor Filmstart.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dieser Abend zählt traditionell zu den Höhepunkten des Film-Festivals auf dem Hechinger Freibadgelände. „Irgendwann vor Jahren“ habe Kupferpfannen-Wirt Gerd Merkel die Idee gehabt, andere Gastronomen davon zu überzeugen, kostenlos kleine Leckereien anzubieten und im Gegenzug Spenden für die Kira-von-Preußen-Stiftung einzwerben, erzählte Kinochef Ralf Merkel, als er die Leckereien-Aktivisten vor der Leinwand noch kurz vorstellte. Tolles Essen, Filmabend, guter Zweck – dieser von Gerd Merkel ins Leben gerufene Dreiklang leuchtet seither vielen ein, wie die über 1000 Besucher und die gut gefüllten Spendenkässlein zeigten.

Ein „Dankeschööööön“ für jede Spende

Dass das Spendengeld so üppig floss, ist unter anderem Leuten wie Pe Gantenbein-Mayer und Sandra Hirrlinger zu verdanken. Als Fecker-Wirtinnen sind sie zwar nicht mehr aktiv, aber ihren berühmten Wurstsalat kredenzen sie trotzdem weiterhin beim Gourmetabend. Und wenn jemand ins Kässle spendete, was eigentlich ständig passierte, schrie Sandra Hirrlinger aus voller Kehle „Dankeschööööön“ über den Platz und haute auf die Klingel.

Besucher

So lässt sich der Sommerabend genießen: Gut gelaunte Gäste beim Gourmetabend im Hechinger Open-Air-Kino.

Klaus Stopper

„Ich hab ganz feuchte Augen vor Rührung“, meinte ein früherer Fecker-Stammgast, als er nach dem Schlangestehen endlich seinen Wurstsalat-Becher in der Hand hielt und von Erinnerungen übermannt wurde. Er war nicht das einzige Tränenopfer des Abends. „Die Manu hat ganze zwei Stunden geheult“, meinte Pe Gantenbein-Mayer. Allerdings nicht vor Rührung. Das frühere Fecker-Küchen-Team-Mitglied hatte sämtliche Zwiebel für den Wurstsalat kleingeschnippelt. Die Gäste wussten ihre Bemühungen aber wirklich zu schätzen.

Leberkäswecken und Coq au Vin

Überhaupt die Gäste. Da gab es Stammbesucherinnen, die aus Albstadt und Rottweil herangefahren kamen. So etwa Sylvia, Silke und Beatrice. Drei Freundinnen unterwegs, gutes Essen, warmer Sommerabend, Aperol in ausreichenden Mengen verfügbar. Was kann da schiefgehen? Werner aus Rangendingen, ebenfalls eher Stammgast bei Gourmetabenden, zeigte sich dagegen genügsam. Zwei Leberkäswecken vom Stand der Metzgerei Steinhart mit Wecken der Bäckerei Padeffke waren für ihn ausreichend. „Mehr brauche ich nicht, dass es mir gut geht“, meinte er zufrieden.

Georg Friedrich, Prinz von Preußen

Georg Friedrich Prinz von Preußen kredenzte kühles Preußens-Pils.

Klaus Stopper

Anspruchsvoller ging es am Kupferpfanne-Pavillon zu, wo Ratatouille und Coq au Vin serviert wurde. Schmeckte grandios. Seht im Restaurant aber derzeit nicht auf der Speisekarte, was schade ist, angesichts des tollen Geschmacks. Gerd Merkel schwärmte, als er vom Rezept berichtete und versicherte: „Wenn sich ein paar Leute dafür anmelden, kann ich das gern auch mal außerhalb der Reihe kochen“.

Zum erstem Mal als Besucher dabei war Joachim aus Hechingen. Er profitierte von der Erfahrung seines Freunds Wolfgang. Während er in der Schlange vom Landgasthof den Platz freihielt, holte Wolfgang schon mal Fecker-Wurstsalat für die schon etwas ausgedehntere Wartezeit. Plaudernd und schmausend in der Schlange stehen, so geht Gourmet-Abend für Profis.

Prinzessin serviert Kuchen

Das große Interesse an den Speisen und die dadurch geweckte Spenden-Bereitschaft freute natürlich all die emsigen Aktivisten hinter den Pavillon-Tresen. Als buchstäblicher „Aufschneider“ versah hier beispielsweise Frank vom Küchenteam des Landgasthaus Stiegel seine Arbeit. Mehrere hundert Wecken musste er mit scharfem Messer zerteilen, damit sie mit Flammkuchen- oder Zucchinicreme bestrichen werden konnten. Er ist eigentlich nur regelmäßiger Gast der Tailfinger Gaststätte, „aber das hier ist für einen guten Zweck, da mache ich gern mit“, erklärte er. Seine Arbeit versah er etwas im Schatten der Gastronominnen, die im feschen Dirndl vorne am Tresen den Landgasthaus-Stil verkörperten. Auch hier warteten die Gäste geduldig in langer Schlange und wirkten anschließend beglückt über den hier gebotenen Hochgenuss.

Popcorn

Trotz vielerlei anderer kulinarischer Verlockungen bildete sich auch am Popcorn-Stand eine lange Schlange.

Klaus Stopper

Und der Nachtisch? Dass einem eine Prinzessin Kuchen serviert, klingt zwar eher nach Märchen, aber an diesem Abend wurde es wahr. Sophie Johanna Marie von Preußen betreute den Kuchen-Kiosk der Kira-Stiftung. Dass sie die Burg-Prinzessin und Gattin des Burgherrn vom Zoller ist, das hätten wohl eher wenige erkannt, räumte sie lachend ein. Das sei ja auch kein Wunder, denn die Familie lebt in Potsdam, „und wenn ich mal hier bin, bin ich eher auf der Burg“. Aber es gab auch einige Fans, die sie erkannten und sich über ein kurzes Gespräch freuten. Dabei war dann durchaus auch die Stiftung ein Thema, die sozial benachteiligten Kindern Ferienaufenthalte auf der Burg ermöglicht. „Das ist was wirklich Tolles“, versichert Marion, die als Ratzgiwatz-Teamerin mal eine Nacht mit einer Ratzgiwatz-Gruppe auf der Burg verbringen durfte. Vom Gespräch mit der Prinzessin war sie sehr angetan. „Die ist wirklich nett“, versicherte sie.

Preußen und Bier, das passt!

Das nett sein kann natürlich auch ihr Ehegatte Georg Friedrich von Preußen für sich verbuchen. Er ist als Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers praktisch einer der deutschen Ober-Hochadligen und war sich dennoch wieder einmal nicht zu schade, an einem Stand Preußens-Pils anzubieten. Bier und Preußen, das passe schon gut zusammen, versicherte er. Immerhin hatte Friedrich der Große auf Anweisung seines Vaters eine Ausbildung zum Brauer absolviert, bevor er dann König werden durfte, erzählte er. Und das Bier dient zudem auch dazu, mit friedlichem Gerstensaft alte Geschichten fortzuführen. So sei Preußens-Bier in den alten preußischen Gefilden am Rhein und bei Berlin sehr erfolgreich, in Bayern dagegen leider nicht. „Noch“, so der Preußen-Spross entschlossen. Mit Bayer haben die Preußen halt bis heute weiterhin ein besonderes Verhältnis.

Sophie, Prinzessin von Preußen

Sophie Prinzessin von Preußen betreute den Kuchen-Kiosk der Kira-Stiftung und kam gerne mit den Gästen ins Gespräch.

Klaus Stopper

Was wäre sonst noch bemerkenswert? Ach ja. Obwohl üppig gespeist worden war, hatten viele dann doch noch Platz im Magen. So bildete sich vor dem Popcorn-Stand kurz vor Filmbeginn trotzdem noch eine lange Schlange. Und der Film selbst? „Chéri, ich komme“ ließ ja schon vom Titel her was Französisches erwarten. Erotik und Frankreich sind ja bekanntlich zwei Seiten der gleichen Medaille, glaubt man zu wissen.

Der Film folgte dieser Spur. Einerseits war es eine schöne Liebesgeschichte eines sympathischen Ehepaars in mittleren Jahren in idyllischem Landhaus-Südfrankreich-Stil. Aber dann ging es eben doch auch recht ausführlich um den weiblichen Höhepunkt und die Bemühungen des Paars, gemeinsam einen Super-Dildo zu entwickeln. Eine wahre Geschichte soll das sein. Es wurde viel gelacht im Publikum, vielleicht lernten auch manche was dazu. Aber manche hatten nach der Pause dann auch schon genug gesehen und pilgerten in Richtung Parkplatz. Einen schönen Abend hatten sie auch da schon auf jeden Fall erlebt.

Sandy Hirlinger

Sandy Hirlinger freute sich über jeden Gast, der etwas ins Spendenkässle warf.

Klaus Stopper