Geldautomatensprengung: Vier Tatverdächtige festgenommen – Sprengung in Sulz auf der Liste – Stetten auch?

Der ganze Vorraum der Sulzer Volksbank-Filiale war bei der Sprengung am 17. Mai sehr stark beschädigt worden.
privatDie Täter, die am 17. Mai zwei Geldautomaten der Volksbank-Hauptgeschäftsstelle in Sulz gesprengt hatten, wurden offenbar gefasst. Geht auch die Automatensprengung am 19. September an der B 463 am Ortsrand von Haigerloch-Stetten auf ihr Konto?
Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg berichtet, dass mit der Staatsanwaltschaft Bamberg und dem Bayerischen LKA nach monatelangen Ermittlungen bundesweit mindestens sechs Sprengungen von Geldausgabeautomaten auf das Konto der Gruppierung aus den Niederlanden gehen, darunter auch der Vorfall in Sulz.
Art des Sprengstoffs liefert heiße Spur
Aufgrund der Vorgehensweise und des eingesetzten Sprengstoffs sowie weiterer akribischer Ermittlungen konnten die Ermittler zu Beginn der Serie erkennen, dass es sich um eine weitere Tätergruppierung aus den Niederlanden handelte.
In einer Festnahme- und Durchsuchungsaktion in den Niederlanden am 27. September gelang es, vier Haftbefehle zu vollziehen und neun Objekte zu durchsuchen.
Die erste der Taten ereignete sich am 24. April um 4.24 Uhr in Wilsdruff (Sachsen). Erbeutet wurden dabei 185.000 Euro. Derselben Gruppierung werden Geldautomaten-Sprengungen am 25. April um 2.23 Uhr in Fürth (Beutesumme: 199.080 Euro), am 12. Mai um 3.27 Uh in Frankfurt am Main, am 17. Mai um 4.54 Uhr in Sulz, am 18. Mai um 3.08 Uhr in Leipheim (Beutesumme: 5235 Euro) und am 27. Juni um 3.06 Uhr in Scheßlitz zugeschrieben. In Sulz und Frankfurt steht die Höhe der Beute nicht fest.
Auf Anfrage beim Polizeipräsidium Reutlingen, ob möglicherweise auch der Vorfall in der Nacht zum Dienstag, 19. September, in Haigerloch-Stetten auf das Konto der Tatverdächtigen gehören könnte, teilt Polizeisprecher Martin Raff mit, dass „sich über mögliche Zusammenhänge der einzelnen Taten aktuell noch nichts sagen lässt“. Insbesondere bei Straftaten, die ein ähnliches Muster aufweisen, bestehe jedoch „immer ein sehr enger Austausch“ unter den ermittelnden Polizei- und Justizbehörden.
In Stetten wurde am 19. September nachts um zirka 2 Uhr ein in einer Außenfassade eines Gewerbegebäudes integrierter Bargeldautomat der Sparkasse Zollernalb gesprengt. Obwohl hoher Sachschaden entstanden ist, hat der gepanzerte Tresor dem Anschlag standgehalten. Die Täter machten keine Beute, das Geld war nach der Tat noch vollständig vorhanden. Allerdings löste eine als Sicherung installierte Farbpatrone aus und zerstörte die Geldscheine, die daraufhin bei der Bundeszentralbank umgetauscht wurden.
„Skrupellosigkeit und außerordentliche Gefährlichkeit“
Die Vorwürfe gegen die vier am Mittwoch in den Niederlanden festgenommenen Männer lauten insbesondere auf schweren Bandendiebstahl, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Zerstörung eines Bauwerkes in einem Fall und schwere Sachbeschädigung in mehreren Fällen. Die Tatausführungen zeichnen sich laut Staatsanwaltschaft Bamberg, welche die Ermittlungen führt, allesamt durch Skrupellosigkeit und außerordentliche Gefährlichkeit aus.
Die Mitglieder der Gruppe konnten in enger Zusammenarbeit mit den niederländischen Justiz- und Polizeibehörden identifiziert werden. Bei der Festnahme- und Durchsuchungsaktion am Mittwoch waren neben niederländischen Behörden auch Ermittler aus Bayern und Baden-Württemberg im Einsatz. Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte, mehrere Staatsanwälte und Richter beteiligt.
Tatverdächtige zwischen 25 und 30 Jahre alt
Bei den vier Festgenommenen handelt es sich um Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren mit Wohnsitz in den Niederlanden. Die Verdächtigen besitzen die niederländische und teils die marokkanische Staatsangehörigkeit.
Bei den Durchsuchungen wurde unter anderem Bargeld im fünfstelligen Bereich, Zünder, hochwertige Designerkleidung sowie Speichermedien und Mobiltelefone sichergestellt. Die Festgenommenen werden einem Haftrichter in den Niederlanden vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat die Auslieferung nach Deutschland beantragt.
