Gedenkstättenverein KZ Bisingen: Zu den Spuren des Nationalsozialismus in der Region

Die Vorstandsmitglieder des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen trafen sich im vergangenen Mai mit dem Leiter der Gedenkstätte KZ Buchenwald Jens-Christian Wagner (Mitte).
Privat- Der Gedenkstättenverein KZ Bisingen präsentierte einen neuen Wegweiser zur NS-Geschichte.
- Rückblick: gut besuchte Vorträge zu Gefährdungen für Gedenkstätten und zwei Filmabende.
- Nach Austausch in Buchenwald entstand eine Besuchsordnung, die bald online abrufbar ist.
- Besucherzahlen stiegen deutlich, ebenso die Mitgliederzahl auf 151.
- Der Sammelband „Verbrechen. Volksgemeinschaft. Widerstand.“ bietet 50 Beiträge zu Orten der Region.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Zahlreiche Mitglieder waren der Einladung des Gedenkstättenvereins KZ Bisingen zur Hauptversammlung im Museum KZ Bisingen gefolgt und fanden auf ihren Plätzen jeweils ein Exemplar des neuen Wegweisers „zu Spuren des Nationalsozialismus in der Region“ als Präsent vor. Das reichlich und ansprechend illustrierte Buch wurde vom Vorsitzenden des Vereins, Dieter Grupp, vorgestellt.
Zunächst stand der Rückblick auf die Veranstaltungen und Aktivitäten im vergangenen Vereinsjahr an. Hervorgehoben seien hier die Vorträge von Rolf Peter Frankenberger und Tim Fröhlich vom Tübinger Institut für Rechtsextremismusforschung über aktuelle Gefährdungen, vor allem auch für die Gedenkstätten, sowie das Podiumsgespräch mit den „Omas gegen rechts“. Sehr gut besucht waren ferner die beiden Film-Abende: einmal über „Die Deutsche Wochenschau als Propagandainstrument“, zusammengestellt und kommentiert von Vereinsmitglied Karl Kleinbach, zum anderen der Film über Silvia Hess-Pauli, die Enkelin des ehemaligen Lagerführers des KZ Bisingen, unter dem Titel „Die dritte und vierte Generation“.
Jetzt mit Besuchsordnung
Eine wichtige interne Aktivität im letzten Jahr stellte der Vorstandsausflug an die Gedenkstätten KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora dar. Dort wurden die Vorstandsmitglieder persönlich vom bundesweit bekannten Leiter Jens-Christian Wagner empfangen. Das äußerst interessante und anregende Gespräch mündete konkret in einen Workshop in Bisingen im Februar 2026 mit der Buchenwald-Mitarbeiterin Julia Treumann. Sie leitet dort den Bildungsbereich und regte an, eine Besuchsordnung zu erarbeiten wie die großen Gedenkstätten, die sich dazu aufgrund zunehmender Übergriffe, vorrangig aus dem rechtsextremen Spektrum, veranlasst sahen.
Eine Besuchsordnung für die Gedenkstätte Bisingen liegt inzwischen vor und konnte ebenfalls bei der Jahreshauptversammlung vorgestellt und diskutiert werden. Sie wird zeitnah auf der Homepage des Vereins in der Spalte „Besuch“ abrufbar sein.
Gestiegene Mitgliederzahl
Zum Jahresrückblick gehörten natürlich auch die Berichte der Kassiererin und der Kassenprüfer, die eine solide Kassenführung bescheinigten. Zu betonen ist hier auch, dass sich die Zahlen der Besuchergruppen, vor allem Schulklassen, und der Einzelbesucher gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht haben, nämlich um 30 beziehungsweise um 50 Prozent. Auch die Mitgliederzahl ist gestiegen auf 150 beziehungsweise mit einem Neueintritt in der Versammlung auf 151.
Der Höhepunkt des Abends war die Vorstellung des Wegweisers „Verbrechen. Volksgemeinschaft. Widerstand.“ durch den Vereinsvorsitzenden Dieter Grupp, der zusammen mit der zweiten Vorsitzenden Ines Mayer auch einer der vier Herausgeber des Sammelbands ist. Dieser umfasst 50 Einzelbeiträge „zu Spuren des Nationalsozialismus in der Region Gäu-Neckar-Alb“, wie der Untertitel lautet. Am Anfang, so Grupp, stand die Idee: „Was macht jemand, der sich für die NS-Zeit interessiert und sich in der Region einen Überblick über Besuchsangebote verschaffen will?“ Worauf man zurückgreifen konnte: Der Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb (GNA) vernetzt die wichtigsten Orte und Akteure in der bezeichneten Region und stellt damit einen großen Fundus an erforschtem historischem Wissen dar. Und: Über den GNA konnten die meisten Beiträger für das Wegweiser-Projekt gewonnen werden, die allermeisten davon erarbeiteten ihr Kapitel ehrenamtlich.
Im Buchhandel zu haben
Gemeinsam mit den Besuchern blätterte Dieter Grupp im Wegweiser, erklärte die Struktur und den einheitlichen Aufbau, mit Kartenmaterial und Hinweisen zur Anreise, und machte anhand einzelner Beiträge und illustrierter Seiten Lust auf die Lektüre. Zu Bisingen gibt es zwei Kapitel: zum KZ-Außenlager und „Wüste“-Werk 2 sowie zum Sonnenwirt Julius Klink und der „Vertreibung deutscher Landfahrer“. Hechingen ist viermal vertreten: „Jüdisches Leben“, „Waldbad Zollern“, „Jüdische Textilunternehmen“ und „Stauffenberg Gedenkstätte“. Den Wegweiser an dieser Stelle umfänglich vorzustellen, würde den Rahmen sprengen. Am besten, man macht sich selbst ein Bild. Erhältlich ist der im Gmeiner-Verlag erschienene, 264 Seiten umfassende Sammelband für 16 Euro im Buchhandel.
Mit einem Ausblick auf die nächsten Veranstaltungen – zu finden sind diese auf der Homepage des Vereins unter museum-bisingen.de – schloss Dieter Grupp den dichten und abwechslungsreichen Abend.
