Ganz ungewöhnlicher Gottesdienst auf der Kreismülldeponie Hechingen
: Wo die Schöpfung bewahrt wird

Einen Wortgottesdienst an einem ganz und gar außergewöhnlichen Ort – im Hechinger Abfallwirtschaftszentrum – feierte die katholische Seelsorgeeinheit St. Luzius.
Von
Diana Maute
Hechingen
Jetzt in der App anhören
  • Viele Besucher fanden sich zum Wortgottesdienst ein, den Stadtpfarrer Michael Knaus und Pastoralreferentin Ulrike Stoll-Dyma auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums im Hechinger Stadtwald gestalteten.⇥

    Viele Besucher fanden sich zum Wortgottesdienst ein, den Stadtpfarrer Michael Knaus und Pastoralreferentin Ulrike Stoll-Dyma auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums im Hechinger Stadtwald gestalteten.⇥

    Diana Maute
  • Welcher Müll kommt wohin? Dorothea Gallinaro (rechts) von der Abfallberatung des Landratsamts führte die Besucher über das weitläufige Deponiegelände.

    Welcher Müll kommt wohin? Dorothea Gallinaro (rechts) von der Abfallberatung des Landratsamts führte die Besucher über das weitläufige Deponiegelände.

    Diana Maute
1 / 2

Restmüll und Biomüll, Altholzcontainer und Sperrmüllhaufen, Elektroschrott und Bauschuttberge – und mittendrin: eine große Gemeinschaft, die zusammengekommen ist, um Gottes Gaben zu preisen und für das zu danken, was er den Menschen anvertraut hat.

„Auch auf der Müllkippe ist Gott in unserer Mitte“

Im Abfallwirtschaftszentrum (Kreismülldeponie) des Landkreises bot sich am Sonntag anlässlich des Tags der Schöpfung dieses außergewöhnliche Bild. Der Hechinger Stadtpfarrer Michael Knaus und sein Team von der Seelsorgeeinheit St. Luzius setzten damit eine ganz besondere Idee in die Tat um: „Wir gehen auf die Müllkippe, denn auch hier ist Gott in unserer Mitte.“

Natürlich ist die Kreismülldeponie längst keine veraltete Müllhalde mehr, sondern ein modernes Abfallwirtschaftszentrum. Aber dennoch gilt: Wo ließe sich besser beobachten, wie der Mensch mit der ihm anvertrauten Schöpfung umgeht als dort, wo das Weggeworfene landet? Und wo ließe sich leichter erkennen, dass vermeintlicher Abfall nicht wertlos ist, sondern – richtig recycelt – noch viel dazu beitragen kann, Schöpfung zu bewahren?

Das Motto für alle: „Gib’s ab!“

Nicht von ungefähr stand der Wortgottesdienst, der von Peter Staib und Martin Michels mit schwungvollen Liedern musikalisch umrahmt wurde, unter dem Motto „Gib’s ab.“ Denn jeder kann mit richtiger Mülltrennung und -entsorgung dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, die Natur zu schützen und so „unsere Erde, unser gemeinsames Haus, das uns anvertraut ist, zu bewahren“, wie Michael Knaus hervorhob. Gemeinsam mit Pastoralreferentin Ulrike Stoll-Dyma gestaltete der Stadtpfarrer einen Gottesdienst, der im wahrsten Sinne als denkwürdig bezeichnet werden kann. Impulse, sich für die Schöpfung einzusetzen, gab es nämlich zuhauf. „Wir möchten hier, inmitten von vermeintlichem Müll, darauf aufmerksam machen, dass so vieles weggeworfen wird, das noch gebraucht werden könnte“, betonte Ulrike Stoll-Dyma und regte damit alle, die der Veranstaltung vor Ort oder per Livestream im Internet beiwohnten, an, ein Bewusstsein für das eigene Konsumverhalten zu entwickeln.

Mitmachaktion „Vier Wochen für die Schöpfung“

Passend dazu gibt es eine Mitmachaktion mit dem Titel „Vier Wochen für die Schöpfung.“ Hier kann jeder seinen individuellen Beitrag leisten. Wie wäre es denn, mal vier Wochen auf Plastik, Auto oder Fleisch zu verzichten? Oder in dieser Zeit nur regional einzukaufen? „Wir können so viel tun, fangen wir doch damit an“, lautet das Motto hinter der Aktion. In der Hechinger Stiftskirche wurde dazu eigens eine Stellwand installiert, in der jeder Beitrag angepinnt werden kann. „Wir freuen uns schon auf ganz viele Rückmeldungen“, betonte Ulrike Stoll-Dyma. Gemeindereferentin Christine Urban berichtete von einem Projekt an der St.-Luzen-Kirche, wo auf einem Rundgang an sechs Stationen Impulse zum Thema „Schöpfung bewahren“ gegeben werden.

Der Dank des Seelsorgeteams galt am Ende des Gottesdienstes all denen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben – allen voran natürlich den Mitarbeitern des Abfallwirtschaftsamtes und den Hechinger Pfadfindern, die die Organisatoren tatkräftig unterstützten. Die Lebenshilfe Zollernalb sorgte mit ihrem Kaffeewerk für die Bewirtung, ebenso wie die mobile Saftbar des Jugendamts.

Wie moderne Abfallwirtschaft funktioniert, davon konnten sich die zahlreichen Besucher, unter denen auch Landrat Günther-Martin Pauli weilte, bei Führungen über das Deponiegelände erklären lassen. Dorothea Gallinaro von der Abfallberatung des Landratsamts hatte dabei viel Wissenswertes zum Thema Mülltrennung, Ressourcennutzung und Recyclingkreislauf parat. „Wenn man mal nicht weiß, was mit bestimmten Abfällen zu tun ist, sind wir die richtigen Ansprechpartner“, ermunterte sie die Anwesenden, sich bei Fragen an das Abfallwirtschaftsamt zu wenden. Vor Ort helfen die Mitarbeiter der Deponie gerne weiter. Genügend Gründe also, der Aufforderung „Gib’s ab“ nachzukommen und so zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen.

Auch interessant: