Feuerwehr Hechingen
: Was wird gebraucht? Vor allem mehr Personal

Im Hechinger Gemeinderat wurde der Feuerwehrbedarfsplan vorgestellt. Der zeigte: Wenn es irgendwo klemmt, dann tagsüber in den Stadtteilen.
Von
Hardy Kromer
Hechingen
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Auch wenn es tagsüber brennt, wie hier vor ein paar Monaten in der Steinäckersiedlung, ist die Hechinger Feuerwehr leistungsfähig. In den Stadtteilen braucht’s dafür aber unbedingt die Bündelung der Kräfte, weil nicht genügend Leute vor Ort sind.⇥

Hardy Kromer

Zehn Minuten ab Alarmierung darf eine Feuerwehr brauchen, bis sie mit einer ersten neunköpfigen Gruppe am Einsatzort ist. Eine zweite Gruppe sollte spätestens 15 Minuten nach dem Alarm da sein. Sonderfahrzeuge, wie etwa Rüst- oder Gerätewagen, dürfen 25 bis 30 Minuten benötigen. So wollen es die Standards, die der Landesfeuerwehrverband und das Innenministerium festgelegt haben. Und daran werden auch die örtlichen Wehren gemessen – zum Beispiel in der Feuerwehrbedarfsplanung.

Die Hechinger können ruhig schlafen

Wie es damit in Hechingen aussieht, darüber sprach am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates der Brandschutzingenieur Sebastian Adrion von der Balinger Firma Sinfiro, die im Auftrag der Stadt Hechingen die Feuerwehrbedarfsplanung fortschreibt. Deutlich wurde dabei: Die Bürgerinnen und Bürger der Gesamtstadt können ruhig schlafen. Denn nachts und auch an den Wochenenden sind in allen Stadtteilen ausreichend Feuerwehrleute vor Ort, um alle Fristen einzuhalten und rasch und schlagkräftig mit Menschenrettung und Brandbekämpfung zu beginnen. Und das ist schon mal das Wichtigste: Denn nachts, wenn die Menschen daheim sind und schlafen, droht schließlich die größte Gefahr, wenn unvermittelt ein Feuer ausbricht.

Tagsüber klemmt’s in den Stadtteilen

Tagsüber – an Werktagen, wenn die freiwilligen Feuerwehrleute ihren Berufen nachgehen – sieht’s dagegen nur in der Hechinger Kernstadt ähnlich gut aus. In sämtlichen Stadtteilen ist – wie Adrion darlegte – „der erste Abmarsch“ (der für eine Eintreffzeit innerhalb von zehn Minuten steht) nicht gewährleistet. In Beuren, Bechtoldsweiler und Boll trifft dies sogar auch auf den zweiten Abmarsch zu. Das erfordert laut Planer genau das, was in der Hechinger Gesamtwehr bereits vorbildlich praktiziert wird: verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen. In der Praxis bedeutet das: Im Einsatzgebiet Nord werden die Abteilungen Stein, Bechtoldsweiler und Sickingen zusammen mit der Abteilung Stadt tagsüber zwingend gemeinsam alarmiert; dasselbe gilt im Einsatzgebiet Süd für die Abteilungen Schlatt, Beuren, Weilheim und Boll, die ebenfalls schon frühzeitig die Unterstützung der Stadt-Abteilung benötigen.

Langfristig – auch das zeigte der Gutachter auf – helfe in sämtlichen Einsatzabteilungen nur Mitgliedergewinnung, um die Mannschaftsstärke zu festigen. Adrion empfahl, frühzeitig auf Kinder und Jugendliche zuzugehen. In der Diskussion ließ Freie-Wähler-Stadtrat Frank Balbach dazu mit einem innovativen Vorschlag aufhorchen: Am Beruflichen Schulzentrum in Balingen, an dem er unterrichtet, gebe es das sehr beliebte Wahlfach „Feuerwehr“. Er regte an, darüber auch in Hechingen nachzudenken, um die Nachwuchsgewinnung für die Wehr zu forcieren.

Handlungsbedarf in Weilheim

Weil eine leistungsfähige Truppe nicht nur Personal, sondern auch Fahrzeuge und Domizile braucht, beschäftigt sich die Feuerwehrbedarfsplanung auch damit. Was die Feuerwehrhäuser angeht, herrscht insbesondere in Weilheim Handlungsbedarf. Das dortige Heim der Löschkräfte ist sowohl zu klein als auch nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Dies bekräftige in der Debatte auch CDU-Stadtrat Bernd Zimmermann. Das Weilheimer Feuerwehrhaus sei „nicht akzeptabel“. Es gelte, dieses Thema zeitnah in Angriff zu nehmen. „Wir kommen da nicht umhin“, pflichtete auch Bürgermeister Philipp Hahn bei. Weilheims Ortsvorsteher Gerd Eberwein fügte hinzu, was aus Weilheimer Sicht wünschenswert wäre: „ein Feuerwehrhaus wie in Schlatt“. Auf längere Sicht zu klein werden könnte außerdem das Feuerwehrhaus in Sickingen, merkte der Planer an.

Was die Fahrzeuge angeht, so braucht es zuvorderst ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 20 als Ersatz für das 40 Jahre alte Tanklöschfahrzeug 16/24. Kostenpunkt: eine halbe Million Euro. Auf der mittelfristigen Anschaffungsliste stehen außerdem zwei je 50 000 Euro teure Mehrzweckfahrzeuge für den Mannschaftstransport, ein Einsatzleitwagen für 150 000 Euro, ein Gerätewagen Transport für 150 000 Euro und zwei Tragkraftspritzenfahrzeuge (Wasser) für Beuren und Weilheim zu je 200 000 Euro.

Einstimmig wurde die Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans vom Verwaltungsausschuss beschlossen.

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