Europawahl 2024: Norbert Lins (CDU) und Andreas Glück (FDP) ziemlich sicher wiedergewählt

Norbert Lins aus Pfullendorf rechnet nach den ersten Hochrechnungen „zu 99 Prozent“ damit, auch im neuen Europaparlament vertreten zu sein.
Jan-Philipp Strobel/dpaCDU und CSU liegen nach den ersten Hochrechnungen für die Europawahl bundesweit bei 29,6 Prozent, was einen Zuwachs von einem knappen Prozentpunkt bedeutet. Für den regionalen Europaabgeordneten Norbert Lins aus Pfullendorf bedeutet das: „Zu 99 Prozent bin ich wieder drin.“ Das sagte er am Wahlabend gegen 18.30 Uhr im Gespräch mit der Südwest Presse. Aktuell, so Lins, könne die Union damit rechnen, ihre bislang 29 Sitze im Europaparlament zu verteidigen. Da er wie 2019 auf Platz 4 der baden-württembergischen Landesliste liegt, stehen seine Chancen auf den Wiedereinzug sehr gut – zumal sich abzeichnet, dass diesmal mehr Christdemokraten aus dem Westen und weniger aus dem Osten ins EU-Parlament einziehen. Letztgültige Bestätigung erwartet er im Laufe der Nacht, aber er ist voller Zuversicht: „Nach den bisherigen Berechnungen ist die Sache klar.“
"Wichtig, dass die Region im Europaparlament vertreten bleibt"
Der 46-Jährige, der dem Europaparlament seit 2014 angehört, darf also auf eine dritte Amtszeit hoffen. "Das war mein persönliches Wahlziel. Und das scheint mir gelungen", sagte er erfreut. Das Wichtigste bleibe aber ohnehin, "dass die Region im Europaparlament vertreten bleibt".
Lins: "Für die Ampel ist es ein Desaster"
Weitgehend zufrieden zeigt sich Lins mit dem Ergebnis der Union: "Wir sind klar stärkste Kraft. Für die Ampel ist es ein Desaster." Die Berliner Regierungsparteien haben aus seiner Sicht einen Denkzettel für ihre Politik der vergangenen drei Jahre bekommen. Hätte die CDU da nicht noch mehr profitieren müssen? "Wir sind als CDU auf einem guten Weg. Nicht mehr und nicht weniger", sagt Lins mit Blick auf die Zugewinne der AfD. Für die Zuwächse am rechten Rand sein zwar die Ampelparteien "hauptverantwortlich", aber so mahnt Lins, "auch die CDU muss sich bemühen, bei bürgerlich-konservativen Wählern wieder Vertrauen zurückzugewinnen".
Und wie kommt von der Leyen zu einer Mehrheit?
Absehbar schwierig wird die Mehrheitsbildung in Brüssel. Was hielte Norbert Lins davon, wenn sich Ursula von der Leyen mit Stimmen von Rechtsaußen (Giorgia Meloni, Marine Le Pen) wieder zur Kommissionspräsidentin wählen lassen wollte? "Zunächst", so meint der Pfullendorfer, seien die Sozialdemokraten und die Liberalen aus Deutschland gefordert: "Wenn die Frau von der Leyen wählen, sind gar keine weiteren Stimmen nötig." SPD und FDP würden sich jedoch als "Verantwortungsverweigerer" gerieren. Wenn es dabei bleibe, müsse man sehen, "wie man zu einer Mehrheit kommt". Die entscheidenden Kriterien seien dann: "pro Europa, pro Rechtsstaat, pro Ukraine". Damit seien der Ungar Viktor Orbán und die polnische PIS auf jeden Fall raus.

Andreas Glück (FDP, Münsingen) kann eine zweite Amtszeit im Europaparlament antreten.
Bernd Weißbrod/dpaAndreas Glück nimmt Glückwünsche entgegen
Der zweite Abgeordnete aus der Region, der im neuen Europaparlament wieder vertreten sein wird, ist der Münsinger Liberale Andreas Glück. Der 49-Jährige, der auf Platz 3 der FDP-Bundesliste ins Rennen gegangen ist, nahm kurz nach 18 Uhr schon Glückwünsche entgegen: "Nach der Hochrechnung hat es geklappt", freute er sich im Gespräch mit der Südwest Presse. "Es sieht aktuell sogar so aus, als ob wir alle FDP-Sitze im Europaparlament verteidigt hätten", obwohl die FDP auf Bundesebene leichte Verluste von 5,4 auf 5,0 Prozent hinnehmen musste. Sollte sich das bestätigen, so Glück, "dann wäre das echt ein voller Erfolg trotz schwieriger Umstände". Jedenfalls müssten sich die Liberalen "nicht ins Boot der Abgestraften setzen". Das Ergebnis zeige, dass es sich gelohnt habe, in den vergangenen fünf Jahren auf europäischer Ebene für liberale Werte einzutreten.
Und die künftige Mehrheitsbildung? Den Schuh der "Verantwortungsverweigerung" will sich Andreas Glück jedenfalls nicht anziehen. Der Münsinger hält es für nicht ausgeschlossen, dass die FDP Ursula von der Leyen am Ende wähle. "Dazu brauchen wir aber inhaltliche Zugeständnisse. Sonst machen wir das nicht." Von der Leyen sei in den vergangenen fünf Jahren "eine einzige Enttäuschung" gewesen. "So viel Bürokratie, so viele Verbote, und eine Politik gegen die Landwirtschaft. Das ist mit uns nicht zu machen."

