Duckomenta in Hechingen: Entenhausen und die Kunst: Eine Ausstellung für die Familie

Bis in die vergangene Woche wurde noch kräftig aufgebaut für die Duckomenta im Hohenzollerischen Landesmuseum Hechingen. Dort hängt auch das Bild “Die Freiheit führt das Volk” von Eugène Delacroix: Die personifizierte Freiheit als Ente.
Thomas Jauch- Die Duckomenta in Hechingen zeigt Comic-Enten in klassischen Kunstwerken.
- Ausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum bis November.
- Öffnungszeiten: Do 14-18 Uhr, Fr 14-17 Uhr, Sa, So und Feiertage 13-17 Uhr.
- Eintritt: Kinder bis 8 Jahre frei, bis 17 Jahre 5 Euro, Erwachsene 8 Euro.
- Künstlerkollektiv "InterDuck" hinter der Ausstellung, seit 1986 aktiv.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dass Comics Kunst sind, teilweise sogar hohe Kunst, bis zu dieser Einsicht hat es viele, viele Jahre gebraucht. Und noch immer wird von ignoranten Mitmenschen an der Tatsache gerüttelt, dass es kaum etwas Besseres zur persönlichen Erbauung geben kann als die bunten Bildchen von Hergé (Tim und Struppi), Franquin (Spirou und Fantasio, Gaston), Morris (Lucky Luke)– und Carl Barks, dem genialsten aller Zeichner der Entenhausen-Welt von Donald, Dagobert und Tick, Trick und Track Duck. Wer Zweifel hegt, beschaue die Comics von einer ganz anderen Seite: bekannte Kunstwerke aus vielen Jahrhunderten, nur leicht entfremdet durch – Enten! Das ist die Duckomenta, und die macht bis November Station in Hechingen, und zwar im Hohenzollerischen Landesmuseum, das im Alten Schloß untergebracht ist.
Nanu? Wieso schaut der Wanderer über dem Nebelmeer, erschaffen von Caspar David Friedrich, plötzlich so anders aus? Der hat doch sonst einen Gehrock an und volles Haar. Auf diesem Gemälde aber trägt der Mann eher wenig, hat O-Beine, einen Bürzel, einen auffallend runden Kopf mit wenigen Haaren, aber fetten Koteletten. Und wieso um alles in der Welt erinnert diese Version des weltberühmten, über 200 Jahre alten Gemäldes so ungemein an die reichste Ente der Welt, also Uncle Scrooge, in Deutschland besser bekannt als Onkel Dagobert? Ganz einfach: Weil das Künstlerkollektiv "InterDuck", das seit 1986 hinter dem Projekt "Duckomenta" steckt, seine Finger auch bei Caspar David Friedrich und dem Nebelmeer im Spiel hat!
Entenkunstmacher kommen im Dreierpack
Zur Eröffnung der Hechinger Duckomenta hat sich ein Trio der Macher angekündigt: "InterDuck"-Geschäftsführerin Anke Doepner spricht genauso wie Prof. Volker Schönwart und Rüdiger Stankow, beides Gesellschafter. Begrüßen wird Museumsleier David Hendel, und Bürgermeister Philipp Hahn spricht ebenfalls ein Grußwort. Eigentlich war die Eröffnung nur für geladene Gäste gedacht, aber mittlerweile hat sich der Termin flächendeckend herumgesprochen: Er ist an diesem Donnerstag, 8. Mai, um 19 Uhr.
Das einst an der Kunsthochschule Braunschweig gegründete Projekt will die Welt der Kunst auch für solche Menschen attraktiv machen will, die sonst keine zehn Pferde in eine Ausstellung bringen würden. Die Kunstschauen mit Entenschnabel gelten völlig zu Recht als Veranstaltungen für alle Generationen und damit besonders für Familien. Wobei sich nebenbei die Frage stellt, wie viele der Nachwachsenden beim Stichwort "Entenhausen" heute noch begeistert reagieren – oder null Ahnung haben. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Nach bald 40 Jahren kann man längst sagen: Das Vorhaben ist gelungen und gelingt weiterhin: Bislang zählen die Duckomentas annähernd zwei Millionen Besucherinnen und Besucher.
Zeit für Besuche bis Ende November
Die Öffnungszeiten der Hechinger Duckomenta orientieren sich an denen des Landesmuseums. Das heißt donnerstags 14 bis 18 Uhr, freitags 14 bis17 Uhr, samstags und sonntags (und feiertags und am Pfingstmontag) 13 bis 17 Uhr. Kinder bis acht Jahren kommen gratis rein, bis 17 Jahre und der Ermäßigtenbereich zahlen fünf Euro, Erwachsene acht Euro. Die Familienkarte gibt es für 22 Euro. Gruppen ab zehn Personen sind mit sieben Euro pro Person dabei. Alles im Detail unter www. hzl-museum.de.
Station gemacht wird in den Metropolen wie auch in der Provinz. Die Kunst-Enten waren selbstverständlich schon in Tübingen zu Gast. Das war 2005, und es konnte nur das Schloss gewesen sein, wo die Volkskundler logieren. Deren Gründervater Hermann Bausinger hatte schon immer eine Schwäche für Comics gehabt. In Deutschland war die Duckomenta in annähernd 70 Städten präsent. Aber die Ducks sind längst auch in Europa etabliert. Sie waren allein sechsmal in Frankreich und viermal in Österreich. Vor Hechingen war bis zum 13. April Bremen eine Station. Parallel zu Hechingen gastieren die amüsant bearbeiteten Gemälde und Zeichnungen ab Juni in Trier.
Mit einer Führung zu den Enten
Öffentliche Führungen durch die Duckomenta im Alten Schloß gibt es jeweils um 14 Uhr an diesen Sonntagen: 18. Mai; 1. und 15. Juni; 6. und 20. Juli; 3. und 17. August; 7. und 21. September; 5. und 19. Oktober; 2. und 16. November. Es kostet drei Euro Aufpreis zum Eintritt. An den meisten Führungssonntagen wird es ein Angebot mit Kaffee und Kuchen von Vereinen, Schulen und Kindergärten geben.
Es ist keine Frage, dass die Zollernstadt bei den Besucherzahlen auf die weite Region schaut. Es wird spannend werden, ob Hechingen mit dieser Sommerausstellung endlich mal ständig Leben ins "Hohenzollern Museum" bringt. So wird der Veranstaltungsort auf der "Duckomenta"-Seite annonciert. Wissen die Leute von "InterDuck" in Berlin, dass es nur ein Württembergisches und ein Badisches Landesmuseum gibt? Und dass das Hohenzollerische mehr geduldet ist. Alle Achtung!

Nanu? Irgendwie nicht ganz das Original von 1818: Dagobert Duck als Wanderer über dem Nebelmeer, frei nach Caspar David Friedrich (Ausschnitt).
InterDuckAnsonsten ist der Duckomenta-Künstlergruppe nichts heilig. Die Mona Lisa lächelt als Ente von der Wand. Leonardo da Vincis vitruvianischer Mensch (das Quadrat im Kreis) ist ebenso fraglos mit Watschelbeinen, Schnabel und den üblichen vier Comicfingern an den Händen ausgestattet. Immerhin: Diese Ente hat wie das Original lange Haare! Sehr ungewöhnlich für den Duck-Kosmos. Auch vor den originalen Bildertiteln macht das Projekt nicht halt. Da gibt es das Selbstportrait von "Vincent van Dough", Thutmosis' Büste der Nofrete wird zu "Königin Duckfretete", und Ötzi liegt mit Entenschnabel im Eis. Er ist, man ahnt es, der "Dötzi". Das alles macht nicht allein den eingefleischten Fans der Entencomics Spaß. Ganz im Gegenteil macht die Duckomenta jedem und jeder Freude, die halbwegs eine Ahnung von den Originalen haben.

Die Ente ist das Maß aller Dinge, frei nach dem Vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci (Ausschnitt).
InterDuckAnders als sonst, werden im Hohenzollerischen Landesmuseum nicht allein die Räumlichkeiten für Sonderausstellung im hinteren, oberen Eck für die Duckomenta gebraucht. Auch in Teilen der Dauerausstellung werden Duck-Werke zu sehen sein. Ganz erstaunlich: Die Stadt meldet, dass Museumsleiter David Hendel unter den zahlreichen Enten-Exponaten schon mehr als ein Dutzend mit Bezug zu Hechingen ausgemacht habe. Die bitte extra kennzeichnen!

