Drohende Abschiebung von Hussain Salan: Was keiner versteht


Hussain Salan (rechts) lebt seit zwei Jahren in Hechingen, arbeitete als Koch im Refugio am Obertorplatz und hat im September eine Ausbildung beim Logistikunternehmen barth begonnen. Nun soll er abgeschoben werden. (Archivbild)
Benjamin RothIn einem mag die Bundesregierung ja recht haben: Eine Mehrheit der Deutschen erwartet eine restriktivere Asylpolitik – zur Entlastung der Sozialsysteme und um vielen sich überfordert fühlenden Kommunen Luft zum Atmen zurückzugeben. Und ja: Auch wenn man Merzsche Stadtbild-Debatten für komplett daneben hält, muss man zugeben: Es ist im Interesse des Sicherheitsgefühls der Bürgerinnen und Bürger, wenn Zuwanderung kontrollierter erfolgt.
Was die Deutschen aber nicht erwarten und nicht verstehen, ist, dass ausgerechnet die Integrationswilligsten unter den Geflüchteten, die schon in unserem Land sind, rücksichtslos abgeschoben werden, nur weil das Dublin-Verfahren den Behörden die Möglichkeit dazu gibt: Menschen wie der Syrer Hussain Salan, der vor einem Schreckensregime nach Europa geflohen ist, der rasch Arbeit aufnahm, als er 2022 nach Deutschland kam, der mehrere Deutschkurse fleißig und erfolgreich absolviert hat, der eine tragende Säule beim Betrieb des Vorzeigeprojektes Refugio war, der inzwischen bei einer international angesehenen Spedition eine Ausbildung macht, der eine eigene Wohnung hat, dem Staat in keiner Weise auf der Tasche liegt, sondern sogar ehrenamtliche Arbeit leistet, der auf dem besten Weg ist, zu einem Leistungsträger in unserer von Fachkräftemangel und Überalterung gebeutelten Gesellschaft zu werden.
Einen solchen jungen Mann abzuschieben, ist nicht christlich, ist nicht menschlich, ist nicht leistungsgerecht und auch nicht wirtschaftsfreundlich. Es ist der stumpfe Versuch, AfD-Politik rechts zu überholen.
Hoffnung macht, dass es in und um Hechingen viele Menschen gibt, die dagegen aufbegehren – vornedraus der AK Asyl, die Spedition Barth und Landrat Günther-Martin Pauli. Sollten ihre Interventionen in Berlin Gehör finden, könnte man den Glauben an die Gerechtigkeit zurückgewinnen.
