Alles spart Energie? Nun ja. viele wollen es tun, viele machen es tatsächlich. Aber andere? Die Burg Hohenzollern leuchtet, wenn nicht grade Novembernebel ist, weit ins Land. Die Beteiligten, das sind der Landkreis, die Gemeinde Bisingen und die Stadt Hechingen und auch noch die Burgverwaltung selbst, setzen auf die Karte, dass es sich um ein privates Anwesen handelt – und das Licht bleibt angeknipst.
Neuerdings allerdings reduziert. Das hat den Hechinger Nabu aktuell wieder von den Barrikaden heruntergeholt.
Als „fatale Zeichensetzung“ kritisiert wurde beim jüngsten Hechinger Nabu-Monatstreff, dass seit Mitte November die Zollerburg bis nach Mitternacht beleuchtet werde, weit länger als bislang praktiziert und vom Landratsamt genehmigt. „Auch wenn LED-Technik den Stromverbrauch stark reduziert, werden deutschlandweit tausende Weihnachtsmärkte und ,Winterzauber‘-Veranstaltungen sowie Milliarden funkelnder Lämpchen in Lichterketten in der Summe einen erheblichen Strommehrverbrauch bewirken“, zeigte sich die Runde besorgt.

Vernunft walten lassen

Zusammen mit vielen anderen Organisationen rufen auch die Hechinger Naturschützer dazu auf, bei der Weihnachtsbeleuchtung auf ein vernünftiges Maß zurückzukehren. Bei der Burg allerdings wurde aus aktuellem Anlass zurückgerudert: Der Nabu hat am Dienstag erklärt, dass die kritisierte Burgbeleuchtung jetzt wesentlich früher als in den vergangenen Wochen ausgeschaltet worden ist. Kommentar: „Die hierauf bezogene Kritik hat sich damit – zumindest vorläufig – erledigt.“
Das brisante Thema Klimawandel und Energieeinsparung war ein Schwerpunkt auf der Tagesordnung. Erfreut wurde registriert, dass die nächtliche Beleuchtung von Kirchen und städtischen Gebäuden in Hechingen beendet wurde, bedauert wurde hingegen, dass – wie Stadtrat Winfried Rullof berichtete - im Gemeinderat eine Initiative der Bunten Liste abgelehnt worden sei, bei der Straßenbeleuchtung nach dem Vorbild von Tübingen, Rottenburg und weiteren Städten Abstriche vorzunehmen.

Noch mehr LED-Leuchten!

Auch da übt der Nabu Kritik: Erst die Hälfte der Straßenbeleuchtung in Hechingen sei bislang auf LED umgestellt. Die vor wenigen Wochen noch allseits postulierte Prämisse „Jede Kilowattstunde zählt“ spiele für viele keine Rolle mehr, bedauerten die Teilnehmer.
Nachdem es schon zuvor Kontakte zum neuen städtischen Klimamanager Jürgen Baumer gegeben hatte, war beim Nabu-Monatstreff ausgiebig Gelegenheit fürs gegenseitige Kennenlernen. Zwei Stunden nahm sich der gelernte Forstmann, der 20 Jahre lang im Herrenberger Umweltamt tätig war und dieses aufgebaut hatte, Zeit, um seinen Werdegang, seine Funktionen in der Stadtverwaltung sowie seine persönlichen Zielsetzungen vorzustellen.

Gegenseitiges Schulterklopfen

Zuständig ist Baumer neben Klimaschutz auch für die Biotopverbundplanung, so berichtete er, dass die Vorarbeiten mittlerweile ausgeschrieben worden sind. Jürgen Detel begrüßte es für den Nabu-Vorstand, dass mit Jürgen Baumer ein in der kommunalen Umsetzung von Umweltmaßnahmen erfahrener und sehr engagierter Mitarbeiter zusätzliche fachliche Expertise in die städtischen Ämter einbringe. Besonders gelobt wurde die Einbeziehung der Bürgerschaft in die Erarbeitung des städtischen Klimakonzepts. Jürgen Baumer seinerseits versicherte den Nabu-Aktiven seine Bereitschaft zum Dialog und zur Einbeziehung der beim Nabu vorhandenen Fachkenntnisse.
Zum Verlauf und den Ergebnissen der Nabu-Landesdelegierten­konferenz erläuterte Gert Rominger die an die baden-württembergische Landesregierung gerichtete Resolution, die im Biodiversitätsstärkungsgesetz 2020 festgelegten Ziele und Gebote zum Schutz der Artenvielfalt endlich umzusetzen. So würden ungeachtet ihrer Unterschutzstellung weiterhin wertvolle Streuobstflächen für neue Baugebiete geopfert, die Ausnahme sei zur Regel geworden. Auch die „Weigerung mancher Baurechtsbehörden, gegen die ungeachtet des gesetzlichen Verbots weiter spießenden Schottergärten vorzugehen“, wird in der Resolution angeprangert.
Den restlichen Abend des Monatstreffs nahmen die Vorbereitungen fürs neue Jahresprogramm ein, welches das Thema „Klimawandel und Artenvielfalt“ in den Mittelpunkt stellt.