Wo sehen Sie die dringlichsten Aktionsfelder für den Natur- und Umweltschutz in Haigerloch?

Manuel Schmoll: Mit dem Ausbau des Radwegenetzes sowie der Wiederinbetriebnahme der Eyachtalbahn kann verstärkt umweltfreundliche Mobilität in Haigerloch vorangebracht werden.
Bürgermeisterwahl Haigerloch Enorme Resonanz auf Kandidatenkür

Haigerloch

Heiko Lebherz: Das Thema Natur- und Umweltschutz ist kein Thema, welches isoliert auf eine Stadt gesehen werden darf. Vielmehr muss es gesamtgesellschaftlich gesehen werden. Für mich spielt der Erhalt der zahlreich im Stadtgebiet Haigerloch ausgewiesenen Naturschutzflächen eine wichtige Rolle. Angefangen vom ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet im Eyachtal über die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete in Stetten und Owingen bis hin zu den Offenland- und Waldbiotopflächen im Stadtgebiet. Hierbei ist vor allem die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Baustein.
Erich Löffler: Streuobstwiesen, alte Obstbestände besser schützen, mehr Blühwiesen.
Anne Judersleben: Verringerung des Flächenfraßes durch Bebauung und Versiegelung. Aufrüsten der Möglichkeiten zur Herstellung von regenerativer Energie (Photovoltaikanlagen, Wasserkraft, Biomasse gepaart mit Nahwärmeversorgung). Erhalt der Habitate (z.B. das Moor im Harter Eichwald). Beginnen mit Planungen bezüglich der gesetzlichen Auflagen zum Biotopverbund (Schutzgebiete verbinden, um Artenwanderung zu erhalten) und bei jeglichen Bauvorhaben stets diese Gesichtspunkte mit einbeziehen.
Peter Knöll: Der Erhalt von Natur- und Artenvielfalt ist sehr wichtig für mich. Um hier eine belastbare Antwort zu formulieren, würde ich zunächst mit einer Bestandsaufnahme beginnen, die aufzeigt, in welchem Rahmen Naturschutzmaßnahmen in Haigerloch am meisten Sinn machen.
Ronny Biesinger: Aus meiner Sicht haben Sie die dringlichsten Handlungsfelder in den folgenden Fragen beschrieben. Wir müssen hier mit Weitblick agieren und Ziele gemeinsam diskutieren und festlegen. Meilensteine definieren und hartnäckig in Richtung „Ziellinie“ marschieren. Wir dürfen hier keine Zeit verlieren.

Im Zuge der Energiekrise wurden zum Teil wenig populäre Maßnahmen zum Energiesparen eingeführt. Welche Sparmaßnahmen würden Sie auch künftig beibehalten?

Manuel Schmoll: Kurzfristige Energiesparmaßnahmen gehen am eigentlichen Problem vorbei: Zu viel fossile Energieerzeugung und alte ungedämmte Gebäude. Hier sollten wir in Haigerloch gezielt anfangen, Maßnahmen zu ergreifen, um städtische Gebäude energieeffizienter zu machen und mit erneuerbarer Energie zu versorgen.
Heiko Lebherz: Maßnahmen, welche die Sicherheit und Ordnung nicht beeinträchtigen, können gerne geprüft werden. Es müssen aus meiner Sicht Maßnahmen sein, die Sinn machen. Blinder Aktionismus, wie ihn manche Städte und Gemeinden aktuell an den Tag legen, ist ungut. Wenn, dann muss nachhaltig agiert werden. Hierbei gilt es Maßnahmen zu entwickeln, die langfristig Wirkung zeigen. Die konsequente Umstellung auf energiesparende LEDs bei den städtischen Liegenschaften, aber auch das Abschalten von Außenbeleuchtungen, wenn dies die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht gefährdet, sehe ich als Maßnahmen die auch künftig weiter forciert werden sollten.
Erich Löffler: Wir brauchen nicht mehr Sparmaßnahmen, wir brauchen eine effiziente Energiepolitik.
Anne Judersleben: Zunächst bin ich für eine Anwendung des Paragraphen 11 der GemO. Dass wir nicht bereits beim Baugebiet Brunnenwiesen in Bittelbronn einen „Anschlusszwang“ an die Fernwärme (Bioenergie) verordnet haben, verstehe ich überhaupt nicht. Auch beim Neubauprojekt Kindergarten sowie der Sanierung des Hagastalls in Weildorf hätte dies mit bedacht werden müssen. Für das alljährliche Schmücken der Weihnachtsbäume schwebt mir vor, einen Standort für einen gepflanzten Baum in jeder Ortsmitte zu finden.
Denn das alljährliche Fällen von neun Bäumen in Anbetracht des Waldsterbens halte ich für unverantwortlich. Weiter sollten alte Glühlampen durch LED ausgetauscht werden. Straßenbeleuchtung könnte via Bewegungssensor geregelt werden und somit nach Bedarf angehen. Der anstehende Sanierungsstau zwingt uns zur Modernisierung städtischer Immobilien. Dabei sollte man direkt Photovoltaikanlagen installieren. Außerdem sollte man ernsthaft über Brauchwassernutzung sprechen – bei allen neu hinzukommenden Baugebieten oder neu anzuschließenden Wohngebieten.
Peter Knöll: Ich bin ein großer Freund von Energieeffizienz. Aus meiner Sicht geht es nicht lediglich darum, Sparmaßnahmen umzusetzen, sondern ganz grundsätzlich um ressourcenschonenden Umgang mit dem Thema Energie. Ich möchte mich auf keine bestimmte Sparmaßnahme festlegen, die beibehalten werden soll, da ich hier erst einen umfassenden und detaillierten Einblick in die Bedarfs-, Kosten und Preissituation benötige. Erst dann, ist es mir möglich zu definieren, ob es sinnvoll ist eine Maßnahme zur Ressourcenschonung beizubehalten oder nicht.
Ronny Biesinger: Jede Krise ist auch eine Chance. Ich sehe, dass wir durchaus bereit sein können, auf verschiedene Art und Weise gemeinsam etwas zu bewegen. Wir sollten es aber nicht unbedingt nur an den bisherigen Sparmaßnahmen festmachen. Grundsätzlich müssen wir daran arbeiten, unsere Abhängigkeiten zu verringern oder sogar komplett hinter uns zu lassen. Haigerloch hat die Möglichkeiten dazu. Unsere vielfältige Struktur hat Möglichkeiten wie z.B. Bioenergie, Wasserkraft, Energiegewinnung aus Abwasseranlagen und vieles mehr.

Wie würden Sie derzeit die Balance zwischen Natur- und Umweltschutz sowie wirtschaftlichen Interessen (Gewerbegebiete, Baugebiete, Landwirtschaft, Straßenbau) in Haigerloch einschätzen?

Manuel Schmoll: Hier sollten wir verstärkt innerstädtische und örtliche Baulücken und nicht genutzte alte Immobilien sanieren oder abreißen und neu bebauen, bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden.
Heiko Lebherz: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass mir hierfür noch der nötige Einblick in die Aktenlage im Rathaus fehlt. Die Abgabe einer validierten Einschätzung ohne beispielsweise Details über die zur Kompensation von Baumaßnahmen notwendigen Ausgleichsmaßnahmen zu kennen, wäre nicht belastbar. Im Falle meiner Wahl sichere ich Ihnen jedoch zu, dass wir uns hierzu gerne tiefer austauschen. Eine verträgliche Entwicklung von Gewerbe- und Baugebieten sowie der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Natur- und Umweltschutzes ist mir jedoch wichtig.
Erich Löffler: Zum Teil einigermaßen ausgewogen.
Anne Judersleben: Aus Sicht als Gemeinderätin bin ich zu der Einschätzung gekommen, dass sich vieles lediglich um die Erschließung neuer Baugebiete dreht. Wenn man ein Baugebiet erschlossen hat, ist man bereits auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten der Errichtung von Baugebieten je Teilort! Die daran anknüpfenden Aufgaben, die sich dadurch ergeben, dass Familien gegründet werden oder herziehen, werden jedoch nicht mit bedacht. Wohngebiete werden nicht nachhaltig konzipiert (Spielplätze, Grünflächen und ökologische Gebäude, Energiegewinnung etc.). Grundstücke des Gewerbegebietes liegen nicht nutzbar brach. Das ganzheitliche Denken fehlt mir an vielen Stellen. Wohnraum schaffen ja – jedoch nachfrageorientiert und nicht nur auf den Teilort bezogen denken. Genauso betrifft es die Ansiedlung von Gewerbe: Es muss vorher durchdacht sein, welche Art von Betrieben man ansiedeln möchte und Grundstücke dementsprechend herrichten und verkaufen.
Peter Knöll: Für einen Interessensausgleich zwischen Natur- und Umweltschutz und Wirtschaft sorgen das Bundes- und Landesnaturschutzgesetz. Weil wir uns in Haigerloch an diese Gesetze halten müssen, nehme ich schwer an, dass eine Balance gegeben ist. Siehe beispielsweise Steinbruch im Butzengraben, wo nicht nur die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden, sondern darüber hinaus ein natürlicher Lebensraum für Schwalben entstanden ist und gefördert wird. Manchmal habe ich das Gefühl, dass jeder einzelne von uns mehr negativen Einfluss auf unsere Umwelt hat als die Industrie, wenn ich sehe welche Abfallbeseitigungsaktion im Frühjahr dieses Jahres mit Hilfe von Mitbürgern und Mitbürgerinnen erforderlich war.
Ronny Biesinger: Es ist wichtig, dass wir möglichst alle Interessen berücksichtigen, auch wenn Sie manchmal different sein werden. In gemeinsamen Gesprächen mit den Betroffenen gilt es, eine gute Lösung herauszuarbeiten. Diese wird oft in Balance erarbeitet werden können, aber auch eventuell mit Kompromissen verbunden sein müssen. Ich setze mich grundsätzlich dafür ein, dass wir bestmöglich versuchen im Einklang mit unserer Natur zu arbeiten. So können zum Beispiel Konzepte entstehen, wie wir das Oberflächenwasser im Straßenbau direkt für die Bewässerung unserer Straßenbäume nutzen. Hier muss auf Grund der Klimaerwärmung auch mit Weitblick gearbeitet werden, zum Beispiel in Richtung Hitzeschutz/Hitzeschutzkonzept. Mehr Grün, zwingend mehr Entsiegelung von Flächen und Nutzung von Regenwasser.

Der Kandidatencheck in voller Länge

Sechs Fragen hat der Nabu Haigerloch den sieben Bürgermeisterkandidaten rund um das Thema Klima- und Umweltschutz gestellt. An dieser Stelle werden drei Frage-Antwort-Runden vorgestellt; die Antworten erscheinen in der Reihenfolge ihres Eingangs. In voller Länge ist der Nabu-Kandidatencheck im Internet unter www.nabu-zollernalb.de nachzulesen. Sechs Kandidaten haben sich am Nabu-Kandidatencheck beteiligt. Es fehlt (ebenso wie bei den HZ-Fragerunden): Samuel Speitelsbach, „Dauerkandidat“ aus Ravenstein. spa