Bienenzucht: Panschern wird das Handwerk gelegt

Uli Pahl aus Hausen bei Burladingen hält auf seinem Anwesen drei Bienenvölker. Die jüngste Ernte war gut, über 70 Kilogramm Honig haben ihm seine Produzentinnen eingebracht. Hier hebt er den Deckel eines Kastens, in dem sie eifrig zugange sind.
Matthias Badura- EU verschärft ab 26. Juni die Kennzeichnung: Herkunftsländer im Honig müssen exakt draufstehen.
- Imkerverein Hohenzollern-Alb: rund 120 Imker, Durchschnittsalter 50 plus, etwa sieben Völker je Person.
- Regionale Imker unterliegen strengen Kontrollen, „Echter Deutscher Honig“ wird im Labor geprüft.
- Panscherei bleibt Problem – Zuckersirup im Welthandel, Hinweise auf China in TV-Recherche.
- Neue Bedrohung Asiatische Hornisse, erste Sichtungen bei Mössingen/Talheim, Meldung an LUBW empfohlen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Wir hatten kein Obst in unserem Garten, keinen Apfel, keine Birne, nix! Da habe ich gesagt, es müssen Bienen zum Bestäuben aufs Grundstück. An Honig habe ich damals überhaupt nicht gedacht.“ Das war vor 15 Jahren. Inzwischen gehört Uli Pahl aus Burladingen-Hausen (Zollernalbkeis) längst in die Reihen der 120 leidenschaftlichen Imker des Imkervereins Hohenzollern-Alb. „Bienenzucht ist eine Passion“, sagt der Vorsitzende Jürgen Veser. „Wer mal angefangen hat, kann nicht wieder damit aufhören.“ Kürzlich feierte der Jungnauer Karl Gröner, das ältere Mitglied der Gruppe, seinen 100. Geburtstag. Veser war dabei und berichtet: „Er hat in seiner Ansprache gesagt, er wäre bereit, alles aufzugeben – nur das Imkern niemals.“
Die Altersstruktur der anderen Vereinsangehörigen liegt bei 50 Jahren und älter, die Zahl der Völker, die sie betreuen, bei durchschnittlich sieben. „In jüngerer Zeit stoßen verstärkt junge Leute und Frauen zu uns“, erzählt Veser dazu. „Die Coronazeit hat da einen kräftigen Anstoß gegeben.“
Kostet Zeit, Aufwand und Geld
Interessenten sind immer willkommen. Sie können sich bei den erfahrenen Imkern informieren oder an einem der Stammtische teilnehmen, die monatlich an wechselnden Orten im Vereinsgebiet zwischen Jungnau, Bisingen, Burladingen, Benzingen und Kettenacker tagen. „Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass Bienenzucht viel Zeit und Aufwand erfordert“, mahnt Veser vorsorglich. Auch seien die Anschaffungen mit Kosten verbunden; dazu gehören Waben, Wachs, Kästen, Schutzkleidung, Smoker und nicht zuletzt die Bienen selbst. Unerlässlich sind Schulungen, die der Verein Einsteigern anbietet. Im westlichen Teil des Gebietes finden sie in Zusammenarbeit mit der VHS Burladingen und dem Imkerverein Hechingen in Schlatt statt, im östlichen unter eigener Regie in Veringenstadt.
Der mehrteilige Kurs bildet die Voraussetzung für die Aufnahme in den Verein. Desgleichen müssen solche Imker eine Schulung vorweisen können, die ihre Erzeugnisse später gewerblich unter dem Prädikat „Echter Deutscher Honig“ verkaufen möchten.
Das Gütesiegel unterliegt strengen Qualitätskontrollen des Deutschen Imkerbundes; es werden Proben genommen und im Labor auf Reinheit analysiert. Daneben haben sich aktuell Auflagen auf EU-Ebene verschärft: Ab 26. Juni muss im Verkauf und Handel exakt angegeben sein, aus welchen Ländern der Inhalt eines Honigglases stammt. Pauschale Hinweise wie „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ genügen nicht mehr. Das sei gut, „da wird bisher viel Schindluder getrieben“, weiß Veser.
Panscherei im großen Stil
Viel Schindluder? Wie eine Recherche des ZDF-Fernsehmagazins „frontal“ kürzlich unter anderem bestätigte, strecken weltweit Unternehmen ihren Honig mit Zuckersirup, um ihn zu verlockenden Preisen an die Kunden bringen zu können. Die ungeheure Menge dieses Sirups stammt aus China und ist so hergestellt, dass sie sich nach dem Panschen bei Qualitätskontrollen für „echten Honig“ schwer mmmnachweisen lässt. Doch das ist nur einer der Tricks, mit denen Betrüger innerhalb der Branche arbeiten.
Freilich, das berichten Imker, finden sich auch auf der Ebene unterhalb der industriellen Großproduktion schwarze Schafe. „Aber wenn zum Beispiel einer massenhaft angeblich regionalen Honig in einer Saison verkauft, in der kaum jemand was geerntet hat, dann fällt das auf. Dann wird dem das Handwerk gelegt“, so wiederum Uli Pahl. Die Empfehlung also? Vollwertigen, unverfälschten Honig kauft man am verlässlichsten beim örtlichen Erzeuger.
Das Angebot ist derzeit vorhanden. Im Gebiet Hohenzollern-Alb sind die Bienenstöcke gut über den Winter gekommen, der Eintrag aus der Frühjahrsblühte, vor allem Sonnenblumen und Raps, war reichlich. Aktuell wartet man ab, wie sich die Läusepopulation auf den Nadelbäumen entwickelt. Die bildet die Voraussetzung für die Gewinnung von sogenanntem Waldhonig.
„Das ist das Spannende an der Imkerei: wie sich alles jedes Jahr entwickelt, wie die Pflanzen blühen, was die Landwirte auf ihren Feldern großflächig anbauen und wie die Witterung verläuft. Man ist täglich am Beobachten und entwickelt ein ganz anderes Verhältnis zur Natur“, erklärt Veser die Faszination, die ihn und seine Leute antreibt.
Zu den Problemen, die einen Jahresertrag zunichte machen können, gehören von jeher Hagelschlag und schlechtes Wetter. Seit den 1970er-Jahren ringen die Insektenhalter zudem mit der aus Asien eingeschleppten Varroa-Milbe. Wenn man dem Parasitenbefall nicht mit den bestehenden Möglichkeiten vorbeugt oder ihn behandelt, führt er zum Zusammenbruch ganzer Bienenkolonien. Ein Patentmittel, um die Schädlinge nachhaltig zu bekämpfen, hat die Forschung bisher allerdings nicht gefunden.
Gefahr auf dem Vormarsch
Neue Gefahr droht von der Asiatischen Hornisse, die sich in Europa rasant verbreitet. Das räuberische Insekt ernährt sich und seine Brut von Honig- und Wildbienen und dezimiert in seiner Fresssucht deren Bestände radikal. „In Südfrankreich haben Imker aufgegeben, weil ihre gesamten Völker vernichtet wurden“, berichtet Veser. „Am Rhein treten die Schwarzen Hornissen vermehrt auf. Bei uns in der Region wurden die ersten im Raum Mössingen/Talheim im vergangenen Jahr gesichtet. Von der Alb gab es bisher noch keine Meldungen“, so der Vereinsvorsitzende. Die Verbreitung der Tiere dürfte mit auf die Klimaerwärmung zurückzuführen sein, weshalb ihnen das Dasein in den höheren, weiterhin kühlen Lagen nicht behagt. Vorerst!

Eine Asiatische Hornisse sitzt auf ihrem Nest. Sie gilt als invasive Art, ihre Stiche sind für den Menschen schmerzhafter als die heimischer Insekten. Eine tödliche Bedrohung stellen sie für hiesige Bienen- und Wildbienenvölker dar.
dpaWer ein Nest der Räuberinsekten entdeckt, sollte es (mit Foto) auf der Onlineplattform der Landesanstalt für Umwelt melden: www.lubw.baden-wuerttemberg.de. Auf gar keinen Fall sollte man es selbst zerstören wollen. Unter anderem deshalb, weil eine Verwechslung mit der geschützten Europäischen Hornisse vorliegen könnte.
Krankheitserreger im Glas
An Verbraucher haben Imker noch eine andere Bitte: Wer seinen Honig im Großhandel kauft, sollte bloß halbwegs geleerte Gläser ausspülen, sie auf keinen Fall hingegen als Insektennahrung ins Freie stellen oder ungeputzt in den Altglascontainer werfen – wo sich ebenfalls Bienen über sie hermachen. Ausländischer Honig, vor allem außereuropäischer, kann Erreger enthalten. Für den Menschen sind sie beim Verzehr völlig ungefährlich, doch auf einheimische Bienen können sie Krankheiten übertragen.

Mitglieder des Imkerverein Hohenzollern-Alb mit Partnerinnen und Partnern beim Gartenfest, das Uli Pahl auf seinem Anwesen ausrichtete. Die Feste finden einmal jährlich statt. Die Aktiven des Vereins treffen sich zudem einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch. Der Umstand, dass sich vor allem langjährigen Mitglieder zusammenfanden, darf nicht täuschen. In Vergangenheit erhält der Verein verstärkt Zulauf von jüngeren Einsteigern in die Bienenzucht.
PrivatUnd noch ein Tipp von Jürgen Veser: Wer mit der Imkerei beginnt, sollte sich an einen älteren Kollegen wenden oder mit seinen Fragen und Problemen zum Imker-Stammtisch gesellen. Dort sitzen Jahrzehnte an Erfahrung beisammen. „Im Internet findet man etliche Tipps und Filmclips zur Bienenhaltung. Aber die widersprechen sich teilweise und verwirren. Am Ende weiß man nicht, was man tun soll.“ Das komme daher, erklärt der Vorsitzende, weil sich die Tippgeber auf ihr regionales Wissen beziehen. „Die Verhältnisse können aber woanders ganz andere sein.“
Weitere Informationen zum Verein und Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme findet man im Internet unter: imker-hohenzollern-alb.de
Eines der haltbarsten Nahrungsmittel
Kristallisiert Wenn der Honig selbst nach längerer Aufbewahrung noch goldgelb und flüssig im Glas schwappt, kann man davon ausgehen: Er ist mit Zuckersirup gestreckt oder wurde chemisch behandelt. Naturhonig kristallisiert mit der Zeit und wird fest. Er verliert dabei weder an Geschmack noch an Qualität, leicht erwärmt verflüssigt sich die Masse wieder. Trocken und dunkel gelagert, handelt es sich um eines der haltbarsten Nahrungsmittel überhaupt. Mehr als 1500 Jahre alter Honig, der aus Amphoren versunkener Schiffe geboren wurde, soll noch essbar gewesen sein.
Gerührt Manche Imker rühren ihren Honig, dann erhält er eine cremige Farbe und Konsistenz. Gut streichfähig bleibt diese Konsistenz erhalten. Der Verdacht der Panscherei oder industrieller Zusätze ist in dem Fall unbegründet. Am besten, man informiert sich bei einem Produzenten vor Ort. Die meisten Imker lassen sich gerne über die Schulter schauen. Bei einem Besuch an den Bienenstöcken gelten die bekannten Regeln: Nicht nach neugierigen Summsummtierchen schlagen, sonst werden sie böse. Und möglichst kein Parfüm, Rasierwasser oder Haarspray auflegen, der Duft macht sie zudringlich.
