Benefiztheater im Hechinger „Fecker“
: Der alte Zauber funktioniert – aber klappt das auf Dauer?

Im stillgelegten Hechinger „Fecker“ kehrte am Donnerstagabend bei einem Benefizauftritt des Lindenhofs wieder Leben ein. Ob das weitergeht, zeigt in den nächsten Tagen der Erfolg der Spendensammlung des AK Asyl.
Von
Klaus Stopper
Hechingen
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Die alte "Fecker"-Atmosphäre kehrte für einen Abend zurück, als das Theater Lindenhof sein Stück "Chaim und Adolf" in der gut gefüllten Kneipe spielte.

Die alte "Fecker"-Atmosphäre kehrte für einen Abend zurück, als das Theater Lindenhof sein Stück "Chaim und Adolf" in der gut gefüllten Kneipe spielte.

Klaus Stopper
  • Benefizabend im stillgelegten Hechinger „Fecker“ belebt das Lokal kurzfristig.
  • Der AK Asyl sammelt 200.000 Euro, 180.000 sind erreicht, 20.000 Euro fehlen noch.
  • Ziel: Umbau des „Fecker“ für barrierefreie Gastronomie und Nutzung für Sprachkurse.
  • Geflüchtete sollen dort betreut arbeiten können – wichtig für Integration.
  • Zweite Benefizvorstellung des Lindenhofs am Dienstag: „Einwandfrei Manfred“ im „Refugio“.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Das „Fecker“. Zwischen der dunklen Holzvertäfelung und hinter den Butzenscheiben seines Gastraums pochte wieder einmal das Leben, wenn auch nur für einen Abend. Ob der Gastraum wieder regelmäßig gastliche Heimat wird, hängt vom Spendengeld ab. Es fehlen noch 20.000 Euro für dieses Ziel. Einen Funken zu zünden, damit sich die Geldbeutel noch einmal öffnen, bot das Theater Lindenhof am Donnerstagabend mit einer Benefizaufführung. Es war ein Abend fürs Gemüt, der wohl bei jedem, der das „Fecker“ mochte, die alte Liebe wieder aufflammen ließ.

Die Zeit steht still

Die Zeit steht still in diesem Gastraum. Nicht nur auf der vom Rauch der Zeit dunkel gebeizten Pendeluhr, in der schon lange nichts mehr pendelt. Die alte Asbach-Uralt-Leuchte strahlt an diesem Abend gemeinsam mit den Uralt-Lampen wieder ihr gelbes Licht ab, das friedlich gleich wieder in der dunklen Holzvertäfelung versickert. Der Kachelofen ist angeheizt. An der Theke gibt es eine kleine Getränkeauswahl. Alles kostet vier Euro.

Inbegriff für Gemütlichkeit

Wurstsalat gibt es nicht. Schade. Aber alle Plätze im Lokal sind voll, Gemurmel ist zu hören. Es klirrt leise, wenn die Flaschen zum Prost zusammenklacken. Der alte Zauber dieses Raums funktioniert wieder. Wer hier sitzt, ist „Fecker“-Gast, ein unverwechselbares Gefühl. Wenn es einen Inbegriff für gemütlich gibt, hier ist er zu finden. Alle Gäste spüren an diesem Abend: Von den Räumen her könnte es jedenfalls funktionieren mit einer Neubelebung des Lokals.

20.000 Euro fehlen noch

Ob das klappt? Aktuell hängt alles am Geld. 200.000 Euro sind notwendig, 180.000 Euro schon gesammelt. Nun fehlen noch 20.000 Euro, damit das Refugio-Projekt eine Chance hat. Die Zeit drängt, denn zum Jahresende muss der Arbeitskreis Asyl das Refugio im ehemaligen Hotel Klaiber verlassen. Der Pachtvertrag endet. Als neue Bleibe soll das „Fecker“ gemeinsam mit den Eigentümern so umgebaut werden, dass die Wirtschaft wieder gastronomisch sinnvoll und barrierefrei genutzt werden kann. Professionell betreut sollen hier Geflüchtete eine einfache Beschäftigungsmöglichkeit finden. Sehr wichtig für die Integration. Zudem sollen alle Räume des Gebäudes für die Sprachkurse genutzt werden. Und das „Fecker“ soll wieder regelmäßig geöffnet sein.

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Wer die Benefizvorstellung erlebt hat, kann nicht anders, als sich aus vollem Herzen zu wünschen, dass das klappt. Gespielt wurde auf der kleinen Minibühne, auf der vor vielen Jahren noch Christof Stählin auf der Laute klimperte, wo schon viele Lesungen und Konzerte stattfanden.

Die Chance auf Neuanfang

Berührend an diesem Abend: Das Stück „Chaim und Adolf“ spielt in einem Gasthaus, Geräusche einer Binokel-Runde im Hintergrund werden eingeblendet, der Schauspieler Peter Höfermayer bedient von der Theke aus die beiden Schauspieler Franz Xaver Ott und Martin Olbertz auf der Bühne, die einen Juden und einen Bauern lange nach dem Zweiten Weltkrieg spielen. Erst spielen sie scheinbar zufällig zusammen Schach, aber bald wird klar, dass sie selbst Figuren der deutschen Geschichte sind, die bei ihrem Zusammentreffen verschiedene Facetten möglicher Schuld, Moral, Menschlichkeit, Neugier und Zusammengehörigkeit durchspielen. Und das Stück erzählt auch etwas über die Möglichkeit eines Neuanfangs auf der Grundlage bestehender Geschichte.

Passt also genau zu dem, was auch im „Fecker“ aktuell als Frage im Raum steht. Würde die alte „Fecker“-Stimmung nach der Neueröffnung wieder aufleben? Das Publikum an diesem Rahmen kam zu einem großen Teil aus jener Schicht, die dem Refugio grundsätzlich positiv gegenübersteht und die viele Erinnerungen auch mit den „Fecker“-Räumen verbindet.

Kommen auch die Ur-Hechinger?

Was an diesem Abend weniger stark vertreten war, waren die Handwerker, die Ur-Hechinger, vereinsgebunden, traditionsbezogen, grundbürgerlich, auch ein wichtiger Motor für das Gemeinschaftsleben der Stadt und eben auch des früheren „Fecker“. Werden sie dem Neuen hier eine Chance geben? Vielleicht sogar spenden?

Spendenaktion läuft noch

Der Lindenhof-Abend zeigte: Die Gasträume schaffen es weiterhin spielend, jeden Gast in diese unvergleichliche „Fecker“-Stimmung zu bringen. Wer diesem Vorhaben tatkräftig eine Chance geben will, kann per Internet leicht die Kontonummer der Crowd-Funding-Aktion des Arbeitskreises Asyl für dieses Vorhaben finden. Wer spenden möchte, sollte sich beeilen. Denn die Entscheidung steht dringend an, ob genügend Geld für dieses Projekt zusammengekommen ist.

Zweite Benefizveranstaltung am Dienstag

Eine zweite Benefizveranstaltung des Lindenhof-Theaters findet am Dienstag, 27. Oktober, statt. „Einwandfrei Manfred“ heißt das Stück, das um 19.30 Uhr aufgeführt wird, diesmal allerdings nicht im „Fecker“, sondern im „Refugio“.