Aller guten Dinge sind drei“, meinte Galerist Hermann Joseph Speier vor zahlreichen Kunstfreunden vor der Galerie „Die schwarze Treppe“ und im extra dafür aufgestellten, wärmenden Zelt.
Er meinte damit die Gedenk-Ausstellung zum 90. Geburtstag des verstorbenen Weildorfer Künstlers und Haigerlocher Ehrenbürgers Karl Hurm, die bereits vergangenen Herbst und in diesem Sommer wegen der Corona-Pandemie zwei Mal verschoben wurde. Sicher wären es bei der Vernissage am frühen Samstagnachmittag noch mehr Kunstfreunde gewesen, wenn nicht die derzeit ansteigenden Inzidenzen so manchen vom Besuch abgehalten hätten.

Familienvertreter extra angereist

Für die musikalische Umrahmung in den schnuckeligen Galerieräumen sorgte Margarete Schon (mit der Flöte) und ihr Sohn Matthias (am E-Piano) aus Fischingen. Leider konnten wegen Krankheit nicht alle Kinder des verstorbenen Künstlerehepaares Anni und Karl Hurm anwesend sein. Vertreten war die Familie durch Magdalene Kessler zusammen mit ihrem Eheman Wilfried Kessler aus München sowie Schwiegersohn Rudi Wiest aus Rangendingen.
Gäste in der Galerie waren (von links): Rudi Wiest, Elisabeth Rebmann-Speier, Klaus Hellstern, Hermann Joseph Speier, Margarete Schon, Matthias Schon, Bettina Zundel, Magdalene Kessler und Wilfried Kessler.
Gäste in der Galerie waren (von links): Rudi Wiest, Elisabeth Rebmann-Speier, Klaus Hellstern, Hermann Joseph Speier, Margarete Schon, Matthias Schon, Bettina Zundel, Magdalene Kessler und Wilfried Kessler.
© Foto: Wilfried Selinka
Ihnen galt ein besonderer Gruß des Galeristen, verbunden mit einem herzlichen Dank für das Zustandekommen der Gedenk-Ausstellung. Galerist Speier freute sich, dass die freundschaftlichen Bande zu den Kindern nach dem Tod der Eltern nie abgerissen sind. Der beste Beweis dafür sei die jetzige Ausstellung.

Sehr erfolgreich in der Szene

Hermann Joseph Speier erinnerte daran, dass genau vor 49 Jahren die erste Ausstellung mit Bildern von Karl Hurm in der Haigerlocher Galerie stattgefunden hatte und charakterisierte Anni und Karl Hurm als ein unzertrennliches Paar, das vieles, vor allem auch in der später sehr erfolgreichen Kunstszene gemeinsam unternommen hätten.
Neben dem stellvertretenden Bürgermeister Klaus Hellstern, der den erkrankten Haigerlocher Bürgermeister Heinrich Götz vertrat, waren auch die Ortsvorsteher Michael A.C. Ashcroft (Haigerloch), Reiner Schullian (Gruol) und Armin Hipp (Weildorf), samt dessen Vorgänger Markus Gauss, und zahlreiche Weildorfer Bürgerinnen und Bürger anwesend.

Stadt ist stolz auf ihren Künstler

Klaus Hellstern überbrachte die Grüße des Bürgermeisters und freute sich als früherer Weildorfer Bürger – im Namen der Stadt – begrüßen zu dürfen. Ein besonderer Dank galt der Familie Hurm für die erst kürzlich erfolgte Zustiftung von weiteren 121 Bildern für das Kunstmuseum Hurm in der Ölmühle und für das Altenpflegeheim St. Josef.
Dadurch werde der Name von Karl Hurm in der Stadt gewürdigt und unvergessen bleiben. Die Stadt sei stolz auf den Künstler als Mensch in seiner ruhigen, besonnen und einfühlsamen Art. Ein besonderes es Dankeschön ging auch an Galerist Speier für die Organisation der Gedenk-Ausstellung.
Anni und Karl Hurm sind auch mit Fotos und einem Gemälde auf der Treppe präsent, auf der der Künstler früher immer während seiner Ausstellungen Platz genommen hatte.
Anni und Karl Hurm sind auch mit Fotos und einem Gemälde auf der Treppe präsent, auf der der Künstler früher immer während seiner Ausstellungen Platz genommen hatte.
© Foto: Wilfried Selinka
Kunsthistorikerin Bettina Zundel aus Albstadt bekannte in ihrer Einführung in das Schaffen von Karl Hurm, dass sie den Künstler erst anlässlich dessen 85. Geburtstages kennengelernt habe. Damals habe er den Wunsch geäußert, nachdem er mit seinen Bildern in zahlreichen Museen und Kunstammlungen in der Welt zu Hause ist, auch in der engeren Heimat, im Kunstmuseum Albstadt, vertreten zu sein, was wenig später realisiert wurde.

An großen Meistern orientiert

Sie selbst, so die Kunsthistorikerin, habe Karl Hurm als „agilen, freundlichen, offenen, umtriebigen und interessierten Menschen voller Elan und Esprit kennengelernt“. Bereits als Jugendlicher habe er gemalt und sich für Kunst interessiert, die Staatsgalerie in Stuttgart besucht und sich Anregungen geholt.
Der Besuch einer Kunsthochschule sei ihm verwehrt geblieben, und so habe er sich „autodaktisch“ weiter gebildet und sich an großen Meistern wie Pablo Picasso, Henri Rousseua oder auch Paul Klee orientiert, was durch seinen Surrealismuss, Expressionismus und Kubismus in seinen Werken erkennbar mache.

Immer wieder die „rote Dame“

„So sind Landschaftsbilder in schöner Vielfalt entstanden, in der immer wieder seine ‚rote Dame’ auftaucht. Hurms Bilder erzählen so Geschichten, denn auf ihnen ist viel zu entdecken. Oft sind sie nicht nur zweidimensonal, sondern auch dreidimensional. Seine Fantasie kennt keine Grenzen“, unterstrich die Kunsthistorikerin. Deshalb sei es auch nicht verwunderlich, dass seine Werke in vielen Kunstsammlungen vertreten sind, unter anderem in der berühmten Kunstsammlung Würth.
Galerist Speier überreichte den Mitorgansitaroren schließlich kleine Geschenke und lud zum Besuche der Gedenk-Ausstellung ein.

Wann man die Werke bewundern kann

Öffnungszeiten Die Gedenk-Ausstellung Karl Hurm ist bis zum 4. Adventssonntag täglich von 14 bis 17 Uhr in der Galerie „Die Schwarze Treppe“ in Haigerloch, Hohenbergstraße 8, bei freiem Eintritt mit Mundschutz und Abstand geöffnet.