Amnesty International Hechingen: Die syrischen Gefängnisse und die Zähmung der Bestie Mensch

Die Hechinger Gruppe von Amnesty International hat wie immer im Dezember ihre Jahresausstellung im Rathaus eröffnet. Für die Musik sorgte Lukas Holocher. Die Zahl der Besucher kann locker mithalten mit der Eröffnung des Kunstvereins vor einigen Wochen.
Ernst Klett- Amnesty International Hechingen zeigt Jahresausstellung im Rathaus, Briefmarathon im Fokus.
- Bürgermeister Hahn betont die Wichtigkeit der Menschenrechte und Unterstützung der Stadt.
- Reinhard Leinberger hebt die Bedeutung der Menschenrechte hervor, verweist auf das Projekt "Refugio".
- Aktion für Freilassung des vietnamesischen Umweltschützers Đăng Đình Bách.
- Ausstellung bis 14. Februar, mehr Infos unter www.amnesty.de/amnesty-briefmarathon.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Man sollte zwischendrin einmal nicht fragen, was Hechingen alles nicht hat, das andere haben. Andersrum wird es interessanter, zumindest teilweise. Die kleine Zollernstadt hat zum Beispiel eine örtliche Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI), und darüber verfügen weit größere Städte oftmals nicht. Die weltumspannende Organisation hat seit mittlerweile 48 (!) Jahren eine Zweigstelle unterm Zoller.
Die Stadt Hechingen weiß das zu würdigen: Die jährliche Ausstellung im Rathaus gehört fest zum Programm der Aktiven, die aus der Stadt und ebenso der weiteren Umgebung sind. Mindestens einmal im Monat trifft man sich, schaut auf die Welt und wo man helfen kann. Ein Schwerpunkt im Winter ist der Briefmarathon: Werden Entscheidungsträger regelrecht geflutet mit Schreiben, dann können diese nicht so leicht ignoriert werden. Aktuell setzt sich die Hechinger Gruppe ein für die Freilassung des vietnamesischen Umweltschützers, Menschenrechtlers und Anwalts Đăng Đình Bách. Bei der Ausstellungseröffnung zu den Menschenrechten stand denn auch der Briefmarathon für den Inhaftierten im Mittelpunkt des Freitagabends.
Hahn: Zuversichtlich bleiben
Aktuelle Bezüge zu den Bildern der geöffneten Gefängnisse und Folterkammern in Syrien stellte Bürgermeister Philipp Hahn in seinem Redebeitrag her. Aber auch im Sudan und in der Ukraine werde täglich gegen die Menschenrechte verstoßen. Die Frage sei, ob man angesichts dieser Nachrichten verzweifelt, oder ob man nicht zuversichtlich bleiben muss, dass es eines Tages doch besser wird.
Daran arbeite Amnesty International weltweit, und die Hechinger Gruppe der Organisation trage seit Jahrzehnten ihren Teil dazu bei. Stadt und Gemeinderat unterstützten die Aktiven dabei. Die Ortsgruppe bezeichnete Philipp Hahn als einen unverzichtbaren Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Die Ausstellung im Rathaus mit ihren Texttafeln und Fotografien sei gemacht für die Bildungsarbeit mit Jugendlichen, empfahl der Bürgermeister. Gleichzeitig solle sie daran erinnern, dass die gesamte Bevölkerung aufgefordert sei, sich am Schutz der Menschenrechte zu beteiligen.
Das "Refugio" macht Mut
Reinhard Leinberger, der Sprecher der Hechinger AI-Gruppe, nannte die einzelnen Artikel der Erklärung der Menschenrechte. Sie alle hätten einen gemeinsamen Hintergrund: Die Würde des Menschen und der Schutz des Lebens hätten immer Vorrang – und als Rückseite der Medaille die grausame Art des Menschen, andere beherrschen zu wollen. Reinhard Leinberger fragte: „Lässt sich die Bestie Mensch zähmen?“ Seine Antwort: „Die Menschenrechte sind ein Weg dazu.“ Wichtig sei, dass man diese Rechte hochhalte und für sie einstehe. Dass es Fortschritte geben kann, zeige das Hechinger Flüchtlingsprojekt „Refugio“. Leinbergers Schlussappell: „Jeder Mensch hat das Recht, anständig behandelt zu werden!“
Was es mit dem jährlichen und weltweiten Briefmarathon der Organisation auf sich hat, erläuterte Gert Rominger. Auch bei dieser Aktion gilt es, zuversichtlich zu bleiben: Die Liste der ehemaligen Gefangenen, die mithilfe von Briefen und E-Mails freigekommen sind, ist so kurz gewiss nicht.
Behörden in Vietnam mit Briefen fluten
Đăng Đình Bách ist Anwalt für Umweltschutz in Vietnam und befindet sich laut AI zu Unrecht in Haft. Er ist wegen angeblicher Steuerhinterziehung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden – eine laut AI politisch motivierte Taktik der vietnamesischen Behörden, um ihn und die wachsende Bewegung von Umwelt- und Klimaaktivisten im Land zum Schweigen zu bringen. Als Leiter des „Law and Policy of Sustainable Development Research Center“ (LPSD) prangerte er Umweltverstöße der Regierung und großer Unternehmen öffentlich an und brachte Themen wie krebserregende Umweltverschmutzung und illegale Pestizidentsorgung an die Öffentlichkeit.
Info Die Ausstellung ist bis 14. Februar im Rathaus zu besuchen. Mehr zum Briefmarathon unter www.amnesty.de/amnesty-briefmarathon.

