Amalia, zweieinhalb Jahre alt, leidet an Knochenkrebs
: Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr wie es war

Die Eltern Jasmin und Felix Weiß aus Bisingen kämpfen für ihr krankes Töchterchen und tun zugleich alles dafür, auch dem Zwillingsbruder der kleinen Amalia gerecht zu werden. Eine große Herausforderung: emotional und auch finanziell.
Von
Sabine Hegele
Bisingen
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Amalia

Amalia im elterlichen Garten. Sie ist aufgeweckt und fröhlich. Die Seifenblasenmaschine hat es der Kleinen besonders angetan.

Sabine Hegele
  • Zweieinhalbjährige Amalia aus Bisingen hat ein Ewing-Sarkom im rechten Oberschenkel.
  • Seit dem 29. April erhält sie Chemotherapie, aktuell läuft der vierte Block.
  • Nach massiven Nebenwirkungen war sie erneut stationär – Fieber, Nervenschmerzen, Mukositis.
  • Kurze Phasen zuhause stärken sie: Nähe zum Zwillingsbruder Joshua tut ihr gut.
  • Am 27. Juli klärt ein MRT den Tumorverlauf – lange Behandlung mit OP und Strahlentherapie geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Familie ist… (im besten Fall) ein Kokon aus Liebe. Im Zuhause der Familie Weiß fängt den Gast diese Liebe beim ersten Schritt durch die Haustür ein. Der Empfang der jungen Eltern: offen, sympathisch, empathisch – ohne Vorbehalte. Ihre beiden Kinder Amalia und Joshua: neugierig, aufgeweckt, quirlig – wobei sich der Junge zunächst noch ein bisschen in Zurückhaltung übt. Ganz anders seine Zwillingsschwester: So fremd ihr der Gast auch ist, sucht sie den direkten Kontakt – und entdeckt dessen pinkfarbene Sonnenbrille. Die findet flugs einen Platz auf ihrem kleinen Näschen. Berührungsängste? Fehlanzeige. Und mittendrin: der Vierbeiner Nero, eine Seele von einem Hund.

Niederschmetternde Diagnose

So herzlich aufgenommen von dieser Familie, käme man nicht darauf, welches Schicksal sie zu meistern hat: Töchterchen Amalia, gerade mal zweieinhalb Jahre alt, ist an Knochenkrebs erkrankt. Sie leidet an einem Ewing-Sarkom, einem hochgradig aggressiven Tumor im rechten Oberschenkel.

Seit dem Tag der Diagnose, dem 29. April dieses Jahres, ist das traurige Gewissheit. Ihr vorausgegangen war der Weg ins Balinger Krankenhaus, nachdem das kleine Mädchen, von Schmerzen gepeinigt, nicht mehr aufhören wollte (beziehungsweise konnte) zu weinen. Ein diensttuender Oberarzt hatte schnell den richtigen Verdacht und stellte umgehend den Kontakt zur Uniklinik Tübingen her.

Fam ilie Weiß

Die kleine Amalia mit ihrem Papa Felix, der Mama Jasmin (links daneben) sowie Patentante Jessica Stetza und deren Tochter Mia. Einzig das Zwillingsbrüderchen Joshua wollte nicht mit aufs Bild – dann muss er auch nicht!

Sabine Hegele

Seither verbringt Amalia mehr Zeit im Krankenhaus als zuhause. Leider. Ganz aktuell bekommt die Kleine den vierten Chemoblock, nachdem erst vor wenigen Tagen massive Nebenwirkungen der Chemotherapie einen stationären Aufenthalt notwendig gemacht hatten. Amalia hatte fast 40 Grad Fieber, dazu Nervenschmerzen und extrem entzündete Schleimhäute. In der Fachsprache nennt man das Mukositis.

Ein kleines Stück Normalität

Dazwischen lagen ein paar wenige Tage zuhause, in der Amalia vertrauten Umgebung in Bisingen. Und tatsächlich blühte das Töchterchen von Jasmin (34) und Felix (36) Weiß sofort auf. Vor allem auch die Nähe zu ihrem Zwillingsbruder Joshua tat dem Mädchen gut. Sehr gut.

In solchen Momenten, die so wertvoll für die ganze Familie sind, schöpft die kleine Patientin Kraft. Sie tobt fröhlich durchs Haus, lacht, spielt mit ihrem Brüderchen – wenn man's nicht besser wüsste: wie eine gesunde Zweieinhalbjährige. Immer in ihrer Nähe: die Mama oder der Papa – ohne die Kleine zu sehr einzubremsen. Beim Zwillingsbruder geschieht das ganz intuitiv – er geht behutsam mit seiner Schwester um. Die Eltern sagen: „Amalia und Joshua sind ganz lieb miteinander.“ Die Kinder spüren, dass nicht alles ist, wie es sein sollte – das ganze Ausmaß der Erkrankung aber ist keinem der beiden bewusst.

Klarheit nach dem 27. Juli

Dankbar sind die jungen Eltern, dass Amalias Tumorschmerz schon nach der ersten Chemobehandlung „weg“ war (die Nebenwirkungen leider nicht). Positiv und hoffnungsvoll stimmt sie, dass sich der Tumor im Oberschenkel ihrer Tochter nicht mehr ertasten lässt. Und dass er nicht gestreut hat. Inwieweit er tatsächlich geschrumpft ist und wie massiv er den Knochen angegriffen hat, das erfahren Jasmin und Felix Weiß nach dem nächsten MRT  (Magnetresonanztomographie) am 27. Juli.

Bei alledem bleibt das junge Paar realistisch. Es weiß, dass Amalia noch einen sehr, sehr langen Weg vor sich hat. Denn selbst wenn das Mädchen nach den angesetzten, insgesamt 14 Chemoblöcken (plus Strahlentherapie und Operation) krebsfrei sein sollte, muss der zerstörte Oberschenkelknochen wieder aufgebaut werden. Die Nachsorge dauert lange. Gar nicht daran denken möchten Jasmin und Felix Weiß, dass ihre Tochter ihr Bein verlieren könnte.

Gegenseitige Unterstützung

So viele Sorgen und Ängste – wie schafft man es da, einander nicht zu verlieren? „Wir kommunizieren viel; wir unterstützen uns“, sagt Jasmin Weiß. „Wir geben uns gegenseitig Kraft“, ergänzt Felix Weiß.  An erster Stelle aber ist es die Liebe zueinander und zu ihren Kindern, die sie in dieser so schweren Zeit nicht verzweifeln lässt.

Dankbar sind die beiden für die Unterstützung, die sie erfahren – durch die Mutter von Felix Weiß und den Vater von Jasmin Weiß. Denn die Fürsorge um Amalia ist ein Fulltimejob. Die 34-Jährige begleitet ihre Tochter während der Chemotherapie – rund um die Uhr, vor Ort, in der Klinik. Ein im Raum stehender beruflicher Wechsel musste gecancelt werden. Um Söhnchen Joshua und dessen Bedürfnissen ebenfalls gerecht werden zu können, hat der Werkzeugmacher seine Arbeit in die Nachtschicht verlegt.

Spendenaufruf initiiert

Das alles ist sehr herausfordernd. Auch aus finanzieller Sicht. Ein Einkommen weniger, dazu hohe Ausgaben für die Begleitung der Tochter bei zusätzlichen Behandlungen in weiter entfernten Fachkliniken. Hier kommt das Engagement von Jessica Stetza, Amalias Patentante und beste Freundin von Jasmin Weiß, ins Spiel. Sie hat für die Kleine einen Spendenaufruf auf der Plattform GoFundMe (https://www.gofundme.com/f/wo-kindertraume-sein-sollten-kampft-amalia-gegen-krebs) gestartet.

Die Spendenbereitschaft nennen die jungen Eltern überwältigend. „Wir danken von ganzem Herzen.“ Was sie sich wünschen? Nur eines:  „Ein ganz normales Familienleben mit zwei gesunden Kindern.“