Aktionsbündnis unterstützt Zollernalbkreis: Rutscht der B 27-Ausbau zurück ins Planungs-Nirwana?

Eine vierspurige B 27 von Tübingen bis Balingen ohne die täglichen Staus bei Nehren, Mössingen, Bad Sebastiansweiler und Bodelshausen ist das Ziel des Aktionsbündnisses „Pro Ausbau B 27“.
Andrea SpatzalDie täglichen Staus bei Mössingen, Bad Sebastianweiler und Bodelshausen lassen sich weder ignorieren noch wegdiskutieren. Seit Jahrzehnten wartet die Region auf eine dem Verkehrsaufkommen angemessen ausgebaute B27. Jetzt endlich liegen die Pläne für eine Ortsumfahrung Nehren-Bodelshausen auf der sogenannten Endelbergtrasse fertig da. Die Planung ist genehmigt. Es könnte bald losgehen.
Aber im Steinlachtal macht seit Ostern eine Initiative gegen den B27-Ausbau auf der Endelbergtrasse mobil. Für sie kommt nur ein Tunnel in Frage. Ihre Meinung tut sie öffentlichkeitswirksam kund und findet entsprechendes Echo in der Presse.
Gegner wollen Planung neu aufrollen
Auf der anderen Seite stehen die Städte und Gemeinden, Firmen und Institutionen, Pendler und Staugeplagte, die dringend auf den durchgängig vierspurigen Ausbau der Bundesstraße warten. Sie können gar nicht fassen, dass jetzt, wo das Ziel doch schon zum Greifen nah ist, Proteste aus Richtung Ofterdingen und Nehren wieder Sand ins Getriebe streuen.
Die B27 droht wieder in die Warteschleife zu rutschen. Das wollen die Ausbau-Befürworter jedoch unbedingt verhindern. Denn geplant wurde ihrer Meinung nach in den vergangenen drei Jahrzehnten wahrlich genug. Die CDU Mössingen fasst es so zusammen: „Wer sich mit den Fakten beschäftigt, muss anerkennen, dass es eine realistische Ausbauvariante zur Endelbergtrasse nicht gibt.“
Einen Tunnel, wie von den Gegnern der Endelbergstrasse gefordert, wird es nämlich niemals geben. Viel zu teuer, sagt der Bundesrechnungshof. Das Bauwerk wäre doppelt so lang wie der Dußlinger Tunnel und noch dazu in unmittelbarer Nähe der Steinlach. Bodenuntersuchungen haben ergeben, dass die Quellschieferschichten regelmäßig für Überflutungen im Tunnel sorgen würden.
Seit Ostern sind die Trassengegner aktiv, rufen ihre Anhänger auf, Einspruch gegen die Endelbergtrasse einzulegen. Mensch und Tier, Kind und Kegel, Kabarett und Live-Musik, Nabu und BUND, Flatterbänder und Streuobstbäume führen die Aktivisten ins Feld, um die Ausbauplanung zu durchkreuzen. „Da wird mit Emotionen gearbeitet“, stellt Dr. Hans-Ernst Maute nüchtern fest.
Maute: „Der Zollernalbkreis gerät ins Hintertreffen“
Dr. Maute ist seit vielen Jahren als Vizepräsident der IHK zuständig für das Gremium Tübingen-Steinlachtal. Als Chef eines kunststoffverarbeitenden Unternehmens, der Joma-Polytec GmbH in Bodelshausen, weiß er genau, wie wichtig die Verkehrsinfrastruktur für die Entwicklung einer Wirtschaftsregion ist – und wie schnell man „abgehängt“ ist, wenn’s nicht passt. „Tübingen wächst und wächst und wir geraten immer weiter ins Hintertreffen“, sagt Maute. Ihn ärgern die Protestaktionen gegen eine gründlich durchgeplante, öffentlich diskutierte und vorgestellte Bauplanung zu einem Zeitpunkt, wenn die Bagger sozusagen schon in Sichtweite sind. „Das erinnert doch sehr an Stuttgart 21“, sagt er.
Bereits 2014 wurde auf Initiative der IHK Reutlingen/Tübingen/Zollernalb ein Aktionsbündnis zum zügigen Ausbau der B 27 gegründet, wobei die Vollversammlung der IHK nach einem entsprechenden Beschluss dem Regierungspräsidium Haushaltsmittel der Kammer zur personellen Verstärkung der Trassenplanungsabteilung gewährt hat, um diese zu beschleunigen.
„Denkfabrik Zollernalb“ ist bei „Pro Ausbau 27“ mit im Boot
Nach den jüngsten Pressepublikationen zu den anschwellenden Aktivitäten der Ausbaugegner im Steinlachtal trat die erst vor Wochen gegründete „Denkfabrik Zollernalb“ in Person von Albert Sauter an Dr. Maute mit dem Vorschlag heran, die fortdauernden Aktivitäten des IHK-Aktionsbündnisses Pro Ausbau B 27 zu beleben und etwa durch ein Pressegespräch an der Bundesstrasse auf die Argumente der Trassengegner zu reagieren und den Ausbauwunsch von Bevölkerung und Wirtschaft des Steinlachtals und des Zollernalbkreises zu artikulieren.
Dr. Maute nahm darauf mit seinem Kollegen im Kammerpräsidium Dr. Thomas Lindner, Vorsitzender des mitbetroffenen Gremiums Zollernalb, wie auch mit Dr. Wolfgang Epp, Hauptgeschäftsführer der IHK, sowie mit einigen Vertretern aus Politik und Verwaltung Kontakt auf und drängt nun auf eine zwischen den Landkreisen abgestimmte, sachlich fundierte Antwort und Reaktion auf die Argumente der Trassenführungs- und Ausbaugegner.
Die IHK ihrerseits hat als ersten Schritt mit einer Presseerklärung reagiert und wird in den nächsten Wochen weitere Aktivitäten des Bündnisses Pro Ausbau B27 lostreten. Die aktuellste Entwicklung ist der Beschluss des IHK-Gremiums Tübingen-Steinlachtal, das am Donnerstagabend auf Schoss Weitenburg tagte. Einstimmig wurde in der Sitzung die Forderung nach einem schnellstmöglichen Aubau der B27 bekräftigt.
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6,91 Kilometer lang ist die Ausbaustrecke Endelbergtrasse. Der Landschaftsverbrauch liegt je nach Lesart zwischen 21 und 27 Hektar.
110 Millionen Euro betragen die Baukosten.
25000 Unternehmen mit rund 125 000 Beschäftigten sind nach IHK-Berechnungen im Einzugsgebiet der B 27 zwischen Tübingen und dem Zollernalbkreis tätig.
180 000 Berufstätige in der Region pendeln zu ihrem Arbeitsplatz. Vor zehn Jahren waren es noch 37 Prozent weniger.⇥spa
