Ärger über Zollern-Alb-Bahn
: „Die Fahrt mit dem RE 6 ist täglich ein Lotteriespiel“

Bis die Zollern-Alb-Bahn elektrifiziert ist, kommen auf Bahnpendler aus Hechingen harte Zeiten zu. Dabei besteht derzeit schon Unmut über die Direktanbindung nach Stuttgart.
Von
Benjamin Roth
Hechingen
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Auch am Bahnhof Hechingen werden in den nächsten sechs Tagen spürbar weniger Züge abfahren.

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Der Bahnhof in Hechingen: In der Theorie dauert eine Zugfahrt mit dem RE 6 an den Stuttgarter Hauptbahnhof eine Stunde und 15 Minuten.

Hardy Kromer
  • Bahnpendler in Hechingen klagen über unzuverlässige Zollern-Alb-Bahn-Verbindungen nach Stuttgart.
  • Ab Dezember 2026 enden dieselbetriebene Züge des RE 6 in Tübingen – Umstieg nach Stuttgart nötig.
  • Elektrifizierung der Strecke soll Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit verbessern, Fertigstellung unklar.
  • Während der Elektrifizierungsarbeiten in den 2030er-Jahren wird die Strecke komplett gesperrt.
  • Forderung nach Ausbau der B 27, um Verkehrsprobleme während der Bauzeit zu entschärfen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Theorie klingt gut: Wer von Hechingen nach Stuttgart mit der Bahn fahren will, erreicht sein Ziel – angenommen den Stuttgarter Hauptbahnhof  – in etwas mehr als einer Stunde. Der zweistündlich verkehrende Regionalexpress (RE) 6 verspricht diese Fahrt sogar ohne Umstieg. Eine attraktive Alternative zum spätestens ab der Anschlussstelle Bodelshausen drohenden Stau auf der B 27.

Die Praxis sieht ganz anders aus

Dass die Theorie in der Regel aber nicht die Praxis ist, berichtete CDU-Stadtrat Ronny Stengel in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Zuvor hatte Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regionalstadtbahn, die Pläne für die Zollern-Alb-Bahn der Zukunft erläutert. Stengel, inzwischen bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart tätig, ist leidgeprüfter Bahnpendler. Sein Kommentar: „Täglich ist die Zugfahrt mit dem RE 6 ein Lotteriespiel.“ Kurzfristig angekündigte Verspätungen oder gar Zugausfälle seien keine Seltenheit.

Bernecker dazu: „Mit der derzeitigen Qualität der Zollern-Alb-Bahn kann man nicht zufrieden sein.“   Die Faktoren Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sollen sich im Zuge des Ausbaus der Regionalstadtbahn massiv verbessern. Das sei auch ein Hauptgrund, weshalb das Großprojekt überhaupt initiiert worden sei. Verspätungen vermeiden sollen künftig Kreuzungsbahnhöfe und zweigleisig ausgebaute Abschnitte, wie beispielsweise zwischen Tübingen und Mössingen. „Die Planungen sind darauf ausgerichtet, dass ein stabiler Betrieb der Zollern-Alb-Bahn gewährleistet ist“, so Bernecker weiter.

Harte Einschränkungen ab Dezember 2026

Bis die Regionalstadtbahn in Betrieb genommen wird, kommen auf Hechinger Bahnfahrer harte Einschränkungen zu. Denn: Ab voraussichtlich Dezember 2026 wird es nicht mehr möglich sein, ohne Umstieg in Tübingen nach Stuttgart zu fahren. Hintergrund ist, dass in den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof keine dieselbetriebenen Züge mehr einfahren dürfen. Das Land als zuständiger Aufgabenträger habe daher entschieden, ab Inbetriebnahme von Stuttgart 21 bis zum Abschluss der Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn die Regionalexpress-Züge in Tübingen enden lassen.

Anschlüsse in Tübingen sollen erreichbar sein

Doch: Wie es vom Regionalverband auf Nachfrage heißt, lege das Land bei seinen Planungen ein besonderes Augenmerk darauf, dass ab Tübingen gute Anschlüsse sowohl in Richtung Stuttgart als auch in die Gegenrichtung entstehen. Sobald die Zollern-Alb-Bahn elektrifiziert ist, werden die REs wieder durchgehend verkehren.

Totalsperrung in den 2030er-Jahren

Weit schlimmer kommt es während der Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn. Dann – vermutlich in den 2030er-Jahren – wird die Bahnstrecke komplett gesperrt.

„Umso wichtiger“: der B 27-Ausbau

Ronny Stengel forderte daher Alternativen: „Bis dahin brauchen wir unbedingt den Ausbau der B 27.“ Sonst sei der Zollernalbkreis in Richtung Tübingen und Stuttgart abgeschnitten. Er schlug vor, zu einer der nächsten Sitzungen einen Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen als zuständige Planungsbehörde einzuladen, um diesen auf die Dringlichkeit des Straßenbau-Projekts aus Hechinger Sicht aufmerksam zu machen.