Im März 1942 kündigte die Gestapo-Leitstelle in Stuttgart in einem Erlass an die Landräte und Polizeidirektionen den Beginn „der Endlösung der Judenfrage“ an. Die noch in Württemberg und Hohenzollern lebenden Jüdinnen und Juden sollten in Lager im besetzten Osten Europas verschleppt und ermordet werden.
Die sogenannte „Wannsee-Konferenz“ unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich, SS-Obergruppenführer und General der Polizei, Leiter des Reichssicherheitshauptamts, hatte am 20. Januar 1942 die systematische Ermordung der europäischen Juden und Jüdinnen beschlossen.

Auf den Killesberg

Die Stuttgarter Gestapo-Leitstelle wählte am 24. April 1942 insgesamt 273 Menschen aus, die in der „Ländlichen Gaststätte“ auf dem Stuttgarter Killesberg interniert wurden. Sie wurden gemeinsam mit 367 Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz, Trier und Luxemburg am 26. April nach Izbica deportiert. Weitere 49 Menschen kamen am 13. Juli 1942 nach Auschwitz. Nach dem Gestapo-Erlass vom 14. August 1942 sollten weitere 1000 Personen aus Württemberg und Hohenzollern deportiert werden.

In Züge gezwungen

Am 19. August 1942 werden 420 Jüdinnen und Juden aus Baisingen, Laupheim, Ulm, Dellmensingen, Oberstotzingen, Haigerloch, Hechingen, Tübingen, Tigerfeld, Rexingen, Eschenau, Heilbronn und Oberdorf in Züge gezwungen, die sie zum Sammellager auf den Killesberg in Stuttgart bringen. Sie werden zusammen mit etwa 500 Stuttgarter Jüdinnen und Juden interniert.
In den frühen Morgenstunden des 22. August – ein Sabbat – verlässt ein von bewaffneten Schutzpolizisten und zwei Gestapo-Beamten eskortierter Sonderzug den Stuttgarter Nordbahnhof Richtung Theresienstadt. Die Henkersknechte waren perfide und eiskalt: „Heimeinkaufsverträge“ hatten bei den Verschleppten die Erwartung geweckt, in einem Altenheim der tschechischen Stadt den Lebensabend verbringen zu dürfen.

Nur wenige überlebten

Die Menschen wurden belogen und verraten. Man stieß sie in eine schreckliche Welt. Baracken, nackter Fußboden, Nahrungsmangel, kaum Zugang zu Sanitäranlagen, katastrophale hygienische Zustände. Die meisten wurden innerhalb kürzester Zeit dahingerafft. Als das Lager am 9. Mai 1945 von den Alliierten befreit wird, lebten noch 48 Personen, als gedemütigtes und wehrloses medizinisches Hilfspersonal oder auch als Küchenhelfer waren sie mit knapper Not dem Tod entkommen.

Die Namen der Ermordeten

Aus ihrer Heimat Hechingen wurden vor 80 Jahren deportiert und verloren das Leben:
Isidor Bernheim
Liesel Bernheim
Marianne Bernheim
Clothilde Bernheimer
Rosa Bernheimer
Josef Einstein
Blondine Eppstein
Edmund Eppstein
Edith Hofheimer
Martha Hofheimer
Otto Hofheimer
Jettchen Krauß
Adolf Levi
Emma Levi
Hermine Levi
Rudolf Levi
Carl Levi
Alice Levy
Ilse Betty Levy
Alfred Löwenthal
Mina Löwenthal
Rudolf Löwenthal
Auguste Marx
Dr. Moritz Meyer
Leon Schmalzbach
Mina Schmalzbach
Luise Schnurmann
Heinrich Weil
Moal Weinberger
Helene Weinberger

In Kontakt mit den Überlebenden

Der Autor Dr. Adolf Vees ist ein profunder Kenner der Geschichte des jüdischen Hechingen, die im Jahr 1942 gänzlich und brutal endete. Der Hechinger, der aus Haigerloch stammt, hält das Gedenken an die ehemaligen Hechingerinnen und Hechinger seit Jahrzehnten aufrecht und hat auch den Kontakt zu ausgewanderten Jüdinnen und Juden hergestellt. Vees ist Autor mehrere Bücher zum Thema.