75 Jahre Heimatverein Bisingen
: „Heimat ist kein starres Gut“

Mit einem Festakt, ergänzt um eine Ausstellung, blickte der Heimatverein Bisingen zurück auf seine 75-jährige Geschichte. Eingebettet waren hohe Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft.
Von
Jörg Wahl
Bisingen
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Die Geehrten für zehn- und 40-jährige Mitgliedschaft zusammen mit Vorsitzenden Michael Mayer (Dritter von links) und dessen Stellvertreter Dietmar Keilig (rechts).

Die Geehrten für zehn- und 40-jährige Mitgliedschaft zusammen mit dem Vorsitzenden Michael Mayer (Dritter von links) und dessen Stellvertreter Dietmar Keilig (rechts).

Jörg Wahl
  • Heimatverein Bisingen feierte 75 Jahre in der Hohenzollernhalle mit Ausstellung und Musik.
  • Vorsitzender Michael Mayer betonte: Heimat lebt durch Menschen und verändert sich mit der Jugend.
  • Langjährige Mitglieder geehrt – 40 Jahre und zehn Jahre, zahlreiche Namen wurden genannt.
  • Rückblick auf Meilensteine seit 1986, etwa Heimatbuch, Ausgrabungen am „Schlössle“ und Kalender.
  • Vortrag zur 1876 datierten Flaschenpost im Friedhofskreuz – Kontext Kulturkampf in Hohenzollern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit einem interessanten und unterhaltsamen Programm feierte der Heimatverein Bisingen sein 75-jähriges Bestehen in der Hohenzollernhalle. Am Anfang stand ein Sektempfang. Große Aufmerksamkeit genoss schon da die Fotoausstellung, die einen Blick in die Vergangenheit des Vereins gewährte.

So lebendig wie am ersten Tag

„Als unser Verein 1951 wiedergegründet wurde, sah die Welt noch anders aus.“ Diese Feststellung stellte der Vorsitzende Michael Mayer an den Beginn seiner Rede. Und weiter: „Doch die Idee, die unsere Gründer damals zusammenbrachte, ist heute noch genauso lebendig wie am ersten Tag. Die Liebe zur Heimat, das Bewahren unserer Geschichte und die Pflege der Gemeinschaft. Ein Verein lebt nicht von Jahreszahlen, sondern von den Menschen, die ihn prägen.“

Seine Dankesworte richtete Mayer vorrangig an die Gemeinde Bisingen sowie an alle Spender. Außerdem übermittelte er Grüße und Glückwünsche von Ehrenbürger Heinrich Haasis, der stets seine Verbundenheit zum Heimatverein gezeigt habe und diesen auch jetzt wieder mit einer großzügigen Spende aus der gemeinnützigen Stiftung Zollernalb unterstützt habe.

Meilensteine seit 1986

Sodann erinnerte der Vereinschef an unvergessliche Meilensteine seit 1986: 1200-Jahr-Feier, Neuauflage des Heimatbuchs, erneute Ausgrabungen und Erkenntnisse ums „Schlössle“ mit Herausgabe eines Buches, Vorträge und Ausstellungen zu den Themen Forschungsstelle D, Heimatvertriebene, 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, Bisinger Flugplatz, Vereinsumzüge in die Räumlichkeiten von Gossard, Maute und Schaudt.

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Ehrungen beim Heimatverein

Für 40 Jahre ausgezeichnet wurden: Harald Binder, Willi Birkle, Claus Payean, Dieter Payean, Oliver Buchstor, Rolf Stauss, Bernd Pfeffer, Karl-Heinz Buckenmaier, Wolfgang Koch, Blanda Schell, Ewald Heiss, Herta Ertelt, Kurt Mayer, Albert Zimmermann, Doris Bames, Roman Woitelliet, Hubert Schoy, Werner Klink, Herbert Schell und Martin Mayer.

Für zehn Jahre: Rainer Lacher, Josef Lacher, Edgar Rimmele, Monika Rimmele, Dennis Gfrörer, Gabriele Arntzen, Walter Lamparth, Irmgard Mayer, Peter Rager, Dietmar Keilig, Markus Fecker, Sebastian Binder und Christian Krautwald.

Ebenso erwähnenswert:  das „Gombafescht“ im Gewann „Hölzle“, der jährlich erscheinende historische Kalender, die vielen Stammtischrunden und Ausflüge. „Wir blicken heute stolz zurück auf das, was wir geschaffen haben – aber wir schauen auch voller Zuversicht nach vorne. Heimat ist kein starres Gut, es wächst und verändert sich mit uns und unserer Jugend“.

Für die nächsten Generationen

In seinem Grußwort ging der stellvertretende Bürgermeister Johannes Ertelt der Frage nach:  „Was ist eigentlich Heimat“ – und wusste diese auch zu beantworten. Eine gewichtige Rolle spielten der Ort, das Gefühl, die Erinnerung und natürlich die Menschen. Seit 75 Jahren leiste der Heimatverein wertvolle Arbeit, womit auch nachkommende Generationen den Ort lieben und die Zukunft der „Nichthuldiger“ mitbestimmen. Wie wichtig die Geschichte sei, zeige sich am Sammelsurium des Vereins, ebenso an den unzähligen Ausstellungen und Publikationen.

Viel Freizeit, Wissen und vor allem Herzblut stecke in der Arbeit der Aktiven, weshalb ihnen großer Dank gebühre. Stellvertretend für alle nannte Ertelt Persönlichkeiten wie Lukas Haug, Hauptlehrer Knaus, Rektor Zimmermann, Otto Bogenschütz, Armin Haspel und den amtierenden Vereinschef Michael Mayer. Ertelt:  „Die Arbeit des Heimatvereins ist keine Vergangenheits- sondern Zukunftsarbeit“. Er appellierte an alle, Geschichten, Fotos, Erinnerungen und Wissen für Archivzwecke zu überlassen.

Flaschenpost und Kulturkampf

Kreisarchivar Dr. Uwe Folwarczny referierte im Anschluss über die erst vor einem Jahr im Sandsteinkreuz auf dem Friedhof gefundene Bisinger Flaschenpost aus dem Jahr 1876. Auf dem Fund ist vom Kulturkampf in den Hohenzollerischen Landen zu lesen. Dieser Kulturkampf war Teil des größten Konflikts zwischen Staat und Kirche im Deutschen Reich, der tiefgreifende Auswirkungen auf die Region hatte und die religiöse und politische Landschaft nachhaltig prägte.

Für die musikalische Umrahmung sorgte an diesem Festabend Joachim Weyrauch auf dem Akkordeon.