50 Jahre Haigerloch-Noyal
: Noch ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft

Der Förderverein Städtepartnerschaft Noyal-Haigerloch zieht am 23. Oktober Bilanz einer „Goldhochzeit“ voller Höhepunkte. Zwei Jahre wurde das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Hier geht’s zu den Bildergalerien.
Von
Andrea Spatzal
Haigerloch
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  • Ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft: Bürgermeister Heiko Lebherz mit seiner Noyaler Amtskollegin  Marielle Muret-Baudoin (Mitte) und Angelika Pieper, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Haigerloch, beim Empfang in Haigerloch im Mai dieses Jahres.

    Ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft: Bürgermeister Heiko Lebherz mit seiner Noyaler Amtskollegin  Marielle Muret-Baudoin (Mitte) und Angelika Pieper, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Haigerloch, beim Empfang in Haigerloch im Mai dieses Jahres.

    Edelhard Becker
  • Die Geschichte der „Stadt Ys“ wurde von Sidsel Jörgensen aus  Haigerloch fantasievoll illustriert.

    Die Geschichte der „Stadt Ys“ wurde von Sidsel Jörgensen aus Haigerloch fantasievoll illustriert.

    Sidsel Jörgensen
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Kaum ist das 50-jährige Partnerschaftsjubiläum am Ausklingen, schmiedet der Förderverein Städtepartnerschaft Haigerloch-Noyal schon neue Pläne. Im nächsten Jahr ist nämlich geplant, eine Gruppe Jugendlicher aus Noyal in Haigerloch zu einem sportlichen Wochenende zu empfangen. Der Arbeitstitel lautet zwar „Jugendolympiade“, „aber alles easy, kein Leistungssport“, gibt Vorstandsmitglied Edelhard Becker Entwarnung. Derzeit sammelt der Verein Ideen und Mitstreiter für das Projekt. In der Jahreshauptversammlung am 23. Oktober sollen die ersten Konzepte erarbeitet werden. Wer Ideen hat oder etwas beitragen kann, sollte also unbedingt an der Versammlung teilnehmen.

Doch zurück zum Jubiläumsjahr, „Jubiläumsjahre“ muss man sagen, denn die seit 50 Jahren bestehende Partnerschaft wurde in zwei Teilen gefeiert – 2022 in Noyal und 2023 in Haigerloch parallel zu den Tagen der Kunst und Kultur. Es waren jeweils herrliche Tage voller deutsch-französischer Begegnungen, es wurden neue Bande geknüpft, Freundschaftsbäume gepflanzt und viele bleibende Erinnerungen geschaffen. Kurzum: Die „Goldhochzeit“ hatte alles, was es für eine gelungene Feier braucht.

Edelhard Becker zog bereits im Gemeinderat ein sehr positives Resümee der Jubiläumsfeierlichkeiten, dankte allen Gastfamilien und Akteuren und lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem neuen Bürgermeister Heiko Lebherz. Denn auch ein Bürgermeisterwechsel gehörte zum Partnerschaftsjubiläum: War es 2022 noch Heinrich Götz, der die Haigerlocher Delegation zu den Feierlichkeiten nach Noyal begleitete, empfing 2023 Heiko Lebherz als Stadtoberhaupt die Gäste aus Noyal.

Zum 50-Jährigen ist auch ein Jubiläumsbuch entstanden; wieder muss man sagen „Jubiläumsbücher“, denn es sind zwei, eines auf schwäbischer, eines auf bretonischer Seite bestückt und editiert, mit vielen ortstypischen Geschichten und Bildern und alles natürlich zweisprachig.

Eine Bonusgeschichte, die nicht in den Jubiläumsbüchern steht, ist die fantastische Geschichte von der französischen „Stadt Ys“ in der Bucht von Douarnenez. Einst sei Ys (heute Is geschrieben), so heißt es in der Geschichte, „die schönste Stadt gewesen, die es auf Erden gab, so schön, dass die Franzosen beim Bau ihrer Hauptstadt diese ,Paris‘ nannten, was soviel bedeutet wie ,ähnlich wie Is‘“. Einzig der gute und großzügige König habe die Schlüssel zu den Toren der Stadt besessen und sie Tag und Nacht um seinen Hals getragen. Aber der König war in Sorge um seine schöne Tochter Dahut.

Die Königstochter wies all ihre Verehrer ab, ja ließ ihnen sogar das Leben nehmen, bis eines Tages ein Prinz aus einem entfernten Landstrich in die Stadt kam, der Dahut mit seiner Anmut sofort verzauberte. Eines Abends fragte der Prinz die Königstochter nach dem Schlüssel zur den Toren dieser schönen Stadt. „Mein Vater ist im Besitz dieser Schüssel“, antwortete Dahut. Aber der Prinz hatte nichts Gutes im Sinn und überzeugte die junge Frau, dass doch sie „die Anmut, die Schönheit, die Klugheit und die Leidenschaft, das Herz dieser Stadt“ sei und im Besitz der Schlüssel sein müsste. So wachte der König am nächsten Morgen auf – und die Schlüssel um seinen Hals fehlten. Dann war ein großes Getöse zu hören, die Tore hatten sich geöffnet, das Meer ergoss sich in die Stadt. Der junge Prinz hatte die Königstochter getäuscht, die Tore geöffnet und war verschwunden. Der König rettete seine Tochter von den Festungsmauern auf sein Pferd und galoppierte davon. Doch das Meer kam immer näher. Da rief des Königs Freund Guénolé im zu: „Der Teufel ist‘s, den Sie auf Ihrer Kruppe tragen! Sie müssen sich seiner entledigen!“ Nein, seine Tochter in die Fluten werfen, das würde er nie tun! Da beschloss Guénolé, Dahut mit seinem Finger zu berühren und diesem Moment versank sie in den Wellen - und nichts als weißer Schaum blieb von ihr zurück.

Als der König auf seine Stadt zurückblicken wollte, war sie verschwunden. „Seit dieser Zeit sind immer wieder äußerst merkwürdige Dinge in dieser Gegend geschehen“, heißt es in der Geschichte. Und man erzählt sich, dass Dahut nicht ertrunken ist, denn in einer anderen Legende, „Die Ohren des König March“, tritt sie wieder in Erscheinung.

Förderverein hat Hauptversammlung

Der Förderverein Städtepartnerschaft Noyal-Haigerloch e.V. hat seine Jahreshauptversammlung am  Montag, 23. Oktober,   um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Bittelbronn. Auf der Tagesordnung stehen die Begrüßung, die Berichte der Vorsitzenden und der Kassiererin, Wahlen, eine Vorschau auf 2024/2025, Ehrungen und Verabschiedungen sowie Sonstiges. Anträge an die Tagesordnung nimmt Schriftführer Edelhard Becker per E-Mail entgegen.

Der Vorstand wird nach der Sitzung „thematisch passendes“ Fingerfood, Snacks und Häppchen bereitstellen, um den Abend bei netten Gesprächen ausklingen zu lassen.

Die Geschichte der „Stadt Ys“

Die Stadt Ys

Wenn der Mond sich an der Meeresoberfläche spiegelt, hört man in der Bucht von Douarnenez von weit her ein Glockenspiel – es sind die Glocken der Stadt Ys …

Einst war Ys (heute Is geschrieben) die schönste Stadt, die es auf Erden gab, so schön, dass die Franzosen beim Bau ihrer Hauptstadt diese „Par-is“ nannten, was soviel bedeutet wie „ähnlich wie Is“.
Riesige Mauern umgaben Ys zum Schutz, denn die Meereswogen schlugen dagegen und bei Flut bedrängte das Meer die Stadt von allen Seiten. Doch sie hielt allem stand, was auch den massiven Eingangstoren zu verdanken war, und so galt es, sie zum rechten Zeitpunkt verschlossen zu halten. Einzig der König besaß die Schlüssel zu diesen Toren und trug sie Tag und Nacht um seinen Hals.
Dieser König, er war ein guter und großzügiger Mensch, hieß Gradlon. In jungen Jahren war er ein Abenteurer gewesen, aber nun war er alt und auch ein wenig trübselig geworden. So sah man ihn oft auf den Festungsmauern herumirren, aufs Meer hinausblickend, als erhoffe er sich Trost davon.
„Ach“, seufzte er eines Tages seinem Freund Guénolé zu, „ob meine Tochter wohl irgendwann vernünftig wird?“
Der heilige Guénolé gab keine Antwort, hielt er doch Dahut, die Tochter Gradlons und einer skandinavischen Fee nicht nur für unvernünftig, sondern gar für böswillig. Um aber den König nicht noch mehr zu betrüben, fragte er nur: „Warum kehrt Ihr nicht nach Quimper zurück? Dort wärt Ihr weit genug von eurer Tochter entfernt und ihr Verhalten würde Euch weniger quälen.“
Doch da eröffnete der König dem heiligen Guénolé, dass Quimper ihm nicht mehr gehöre: Er hatte es einst einem Eremiten, dem heiligen Corentin, vermacht. Nichts weniger als ein Wunder war es gewesen, was die Männer von diesem erlebt hatten! Denn der Eremit war Gradlon und seinen Männern im Wald von Ménez Hom zu Hilfe gekommen, als diese sich verirrt hatten, und hatte ihnen zu essen gegeben, indem er Wasser zu Wein verwandelte und Fische vermehrte, so dass alle satt werden konnten. Für den König stand in diesem Moment fest, dass der heilige Corentin sein Licht zu den Menschen bringen musste, und so verzichtete er auf Quimper mit seinem Palast und seinen Kirchen und versprach ein Kloster für Corentin in Landévennec errichten zu lassen.
Deshalb blieb es dabei, dass Gradlon in Ys bleiben würde, auch weil er für seine Tochter da sein wollte, die sich womöglich nicht so entwickelt hätte, wenn sie nicht bereits in jungen Jahren den Verlust der Mutter hätte verkraften müssen.

Währenddessen gab Dahut wie jeden Abend im hell erleuchteten Schloss ein rauschendes Fest, zu dem aus der ganzen Gegend edle Herren kamen. Denn es hatte sich herumgesprochen, dass in dieser herrlichen Stadt große Feste gefeiert wurden, auf denen man sich mehr als irgendwo sonst vergnügen konnte. Und dies, obwohl man zu wissen glaubte, dass es nicht ganz ungefährlich war, daran teilzunehmen. Man munkelte nämlich, dass gewisse junge Herren verschwunden waren, wenngleich man sich nicht erklären konnte wie.
Und doch geschah es immer wieder: Die schöne Dahut ließ einen Auserwählten maskiert und unauffällig durch einen Diener auf ihr Zimmer bringen, am nächsten Morgen mit der übergezogenen Maske fast ersticken, jedenfalls bis der junge Liebhaber ohnmächtig wurde ... und dann brachte jener Diener ihn auf dem Rücken seines galoppierenden Pferdes zu einem Abgrund, wohin auch schon all die anderen jungen Männer verschleppt worden waren.
Dennoch scherte sich niemand wirklich um deren Verschwinden. Stattdessen genoss man lieber das Leben in der prächtigen Stadt. Die Straßen waren sauber und herausgeputzt – und niemals sah man dort auch nur einen armen Bettler, denn diese wurden bereits vor den Toren der Stadt abgewiesen. Die Stadt hatte, da es ihr vor allem darum ging, den eigenen Wohlstand und Reichtum zu erhalten, ein steinernes Herz bekommen und ihre Seele verloren.

Nun aber betrat eines Tages ein Prinz aus einem entfernten Landstrich die Stadt, ein junger Mann von eigentümlicher Schönheit. Seine Kleidung war so prächtig, dass man das sogar in Ys bemerkte.
Und Dahut? Die wollte ihn unbedingt an ihrer Tafel haben, kaum hatte sie ihn zu Gesicht bekommen. Abends, als der Tanzball begann, vergaß sie sogar zu tanzen, so sehr war sie von ihm verzaubert.
Schließlich, als sich der Abend seinem Ende zuneigte, erhob sich der junge Prinz, klatschte in seine Hände und sprach: „ Ich schlage nun vor einen Reigen zu tanzen, den meine Musiker anstimmen werden.“
Da trat ein kleiner Zwerg, in ein Gewand aus Ziegenleder gekleidet, herein und begann schwungvoll in seinen Dudelsack zu blasen.
Sogleich begannen alle Gäste sich im Rhythmus des Reigens zu bewegen. Je länger sie tanzten und je schneller die Musik spielte, desto weniger waren sie in der Lage aufzuhören.
Nun flüsterte der Prinz der schönen Dahut etwas ins Ohr und, kaum einen Atemzug später, verließen die beiden den Ball, ohne dass es jemand bemerkte. Sie gingen die Festungsmauern entlang und bestiegen den höchsten Turm der Stadt, damit der junge Mann das Meer bewundern könne.
Als sie dort oben im Mondenschein standen, den Blick über die Stadt und die See schweifen ließen, begann er zu flüstern: „Da haben Sie wirklich eine wundervolle Stadt. Derjenige, der die Schlüssel zu diesen Stadttoren hat, ist ein mächtiger Mann.“
„Mein Vater ist im Besitz dieser Schüssel.“
„Er allein?“
„Er allein.“
„Also weigert er sich, seine Macht zu teilen?“
„So ist es wohl“, antwortete Dahut und spürte bereits, wie sie begann, dies ihrem Vater übel zu nehmen.
„Wäre es nicht an der Person, die das Herz dieser Stadt repräsentiert, die Schlüssel davon bei sich zu tragen?“
„Was wollen Sie damit sagen? Wer sollte auf sie aufpassen?“
„Sie, schöne Dame, die Sie die Anmut, die Schönheit, die Klugheit und die Leidenschaft, das Herz dieser Stadt sind.“
„Mein Vater scheint nicht so zu denken. Von ihm werde ich nie etwas bekommen.“
„Ihr Vater ist ziemlich alt. Warum sollten Sie eine solche Macht seinen zittrigen Händen überlassen? Wenn Sie mich lieben würden, wüssten Sie, dass ich Recht habe. Wer hindert Sie denn daran, ihrem Vater diese Schlüssel zu entwenden, während er schläft? Sie würden die Herrin der Stadt und täten, was Sie für richtig hielten.“

Am nächsten Morgen, die Sonne ging gerade auf, schreckte der König Gradlon aus seinem Schlaf auf: Die Schlüssel um seinen Hals fehlten!
Sogleich ließ er Guénolé rufen, und als dieser die beunruhigende Neuigkeit erfuhr, rief er: „Das Unglück wird uns treffen! Packen Sie das Wertvollste, was Sie haben und fliehen Sie so schnell wie möglich aus dieser Stadt!“
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, war ein Getöse zu hören. Die Tore hatten sich geöffnet, das Meer ergoss sich in die Stadt!
König Gradlon sprang auf sein Pferd, das im Galopp davon eilte. Doch da schien ihm, als höre er eine Stimme.
„Mein Vater, kommt mir zu Hilfe!“, schrie Dahut von den Festungsmauern.
Dieser junge Prinz hatte sie getäuscht, er hatte es geschafft, dass sie ihm die Schlüssel anvertraut - und dann war er verschwunden. Und nun standen die Tore der Stadt weit offen!
„Mein Vater, lassen Sie mich nicht hier zurück!“
Gradlon hielt sein Pferd an und machte kehrt, um seine Tochter auf dem Rücken des Pferdes mitzunehmen. Dann wollte er endlich diesen Ort verlassen, um dem tosenden Meer zu entkommen. Die Flut verfolgte ihn, sie fegte alles hinweg, was ihr im Weg stand.
Doch das Pferd kam nicht mehr weiter, seine Beine knickten ein, es wieherte verzweifelt, als müsste es eine bleierne Last ertragen. Das Meer kam immer näher. Das Meer holte ihn ein!
„König Gradlon!“, rief Guénolé, „Der Teufel ist‘s, den Sie auf Ihrer Kruppe tragen! Sie müssen sich seiner entledigen!“
Verdutzt und panisch konnte sich der König nicht dazu durchringen. Nein, seine Tochter in die Fluten werfen, das würde er nie tun!
Da beschloss Guénolé, Dahut mit seinem Finger zu berühren und diesem Moment versank sie in den Wellen - und nichts als weißer Schaum blieb von ihr zurück.

Als Gradlon schließlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und sein Pferd auf den größten Felsen emporgeklettert war, fiel sein Blick zurück. Seine Stadt war verschwunden. Nichts davon war geblieben. Das Meer glitzerte sanft in der aufgehenden Sonne. Ys gab es nicht mehr.

Seit dieser Zeit sind immer wieder äußerst merkwürdige Dinge in dieser Gegend geschehen.
Ein Fischer, der eines Tages getaucht war, um seinen eingeklemmten Anker zu lösen, musste feststellen, dass sich dieser in den Sprossen eines Fensters verhakt hatte. Er schaute durch das Fenster und erblickte eine Kirche, eine herrliche Kirche, voller gläubiger Menschen und mit einem Priester am Altar, der die Messe las.
Der Fischer, dem es den Atem verschlug, tauchte wieder nach oben und erzählte allen, auf die er traf, seine Geschichte.
„Welch Unglück“, sagte man ihm, „denn du hast die Stadt Ys gesehen. Hättest du die Messe mit gebetet, so hättest du all die verlorenen Seelen retten können!“

Man erzählt sich ferner, dass Dahut nicht ertrunken ist, denn in einer anderen Legende, Die Ohren des König Marc’h, tritt sie wieder in Erscheinung …