Wirtschaft im Kreis Göppingen
: „Ein nachhaltiger Aufschwung lässt auf sich warten“

Bei den Unternehmen im Kreis regiert weiterhin der Pessimismus, das zeigt eine aktuelle Umfrage der IHK. Die zarte Konjunkturerholung wird erneut unterbrochen. Größtes Risiko sind die Energiekosten.
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su
Kreis Göppingen
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Trübe Konjunkturaussichten: ARCHIV - 18.03.2024, Bayern, Mindelheim: Hinter einer regennassen Scheibe sind Baukräne auf dem Gelände eines Kranservice unter dichten Wolken zu sehen. (zu dpa: «Trübe Aussichten für bayerische Wirtschaft») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Trübe Konjunkturaussichten (Symbolbild): Nach einer leichten Erholung zu Jahresbeginn hat sich die wirtschaftliche Lage im Kreis Göppingen zum Frühsommer 2026 wieder eingetrübt.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • IHK-Umfrage: Konjunktur im Kreis Göppingen trübt sich zum Frühsommer 2026 wieder ein.
  • Lageindex rutscht leicht ins Negative, viele Betriebe bewerten ihre Lage schlecht.
  • Handel und Dienstleister leiden besonders – die Industrie zeigt relativ mehr Stabilität.
  • Geschäftserwartungen und Exporte fallen, Energiekosten gelten als größtes Risiko.
  • Investitionen bleiben schwach, Beschäftigungserwartung ist leicht besser auf niedrigem Niveau.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach einer leichten Erholung zu Jahresbeginn hat sich die wirtschaftliche Lage im Kreis Göppingen zum Frühsommer 2026 wieder eingetrübt. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart für den Kreis Göppingen. Nachdem der Lageindex zu Jahresbeginn noch im positiven Bereich lag, ist er mit minus 1,8 Punkten wieder leicht ins Negative gerutscht. „Ein nachhaltiger Aufschwung lässt also erneut auf sich warten“, heißt es in einer Mitteilung der IHK. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut bewerten, sinkt auf 22,4 Prozent. Gleichzeitig meldet weiterhin rund jedes vierte Unternehmen eine schlechte Lage.

Vor allem Handel und Dienstleister leiden

„Die Lage der Göppinger Wirtschaft ist unter anderem durch die Folgen des Konflikts im Nahen Osten spürbar eingebrochen“, sagt die Präsidentin der IHK‑Bezirkskammer Göppingen, Edith Strassacker. „Eine zuvor erkennbare leichte Stabilisierung ist wieder verloren gegangen.“ In fast allen Kreisen der Region Stuttgart verschlechtert sich die Lage der Unternehmen, wobei im Kreis Göppingen dieser Rückgang nicht so stark ausgefallen ist.  Das liegt vor allem an der Industrie, deren schlechte Lagebeurteilung sich vergleichsweise signifikant verbessert hat. Mit Blick auf die anderen Branchen leiden vor allem die Dienstleister und der Handel sowohl in Göppingen als auch in der Gesamtregion.

Geschäftserwartungen fallen negativ aus

Negativ fallen auch die Geschäftserwartungen aus. Der Erwartungsindikator verschlechtert sich erneut deutlich. Die schwierigen Exportaussichten spielen hier eine wesentliche Rolle. Fast jedes dritte Unternehmen rechnet mit schlechteren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten – deutlich mehr als noch zu Jahresbeginn, heißt es in der Pressemitteilung. Vor allem der Handel und die Dienstleister blicken pessimistischer auf die nächsten Monate. „In der Industrie im Kreis Göppingen hält die positive Stimmung dagegen zunächst an. Im Vergleich zu anderen Landkreisen zeigt sich hier mehr Optimismus“, betont die IHK.

Die zuletzt positiven Impulse aus dem Auslandsgeschäft fehlen zum Frühsommer. Der zu Jahresbeginn noch positive Trend bei den Exporterwartungen hat sich umgekehrt: Die Erwartungen liegen wieder im negativen Bereich. Vor allem Handel und Dienstleister leiden unter den unsichereren internationalen Rahmenbedingungen. Jedes vierte Industrieunternehmen rechnet mit fallenden Exporten. Die Effekte aus dem Abschluss neuer Handelsabkommen sind quasi verpufft. „Umso wichtiger ist es, die Unternehmen am Standort zu entlasten und vor Ort stabile Rahmenbedingungen zu bieten“, betont Strassacker. Der leitende IHK-Geschäftsführer in Göppingen, Gernot Imgart, ergänzt: „Jegliche Erhöhung der Abgabenlast, insbesondere bei der lokalen Gewerbesteuer, wäre für viele Unternehmen untragbar und würde die schlechte wirtschaftliche Situation weiter verschärfen."

„Einziger Lichtblick ist derzeit die Industrie“

Die Investitionen bei den Betrieben im Kreis Göppingen stagnieren weiter auf niedrigem Niveau. Beim Handel verschlechtert sich die Investitionsbereitschaft deutlich. „Einziger Lichtblick ist derzeit die Industrie, in der wieder mehr Betriebe Investitionsspielräume sehen“, so Strassacker. „Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie fragil der leichte Aufwind der letzten Monate war. Die Unternehmen stehen wieder einmal vor neuen Herausforderungen, die sich negativ auf die Geschäfte auswirken“, fasst Strassacker zusammen. „Entscheidend sind nun verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Hürden und wettbewerbsfähige Kosten. Der kürzlich abgeschlossene Koalitionsvertrag unserer neuen Landesregierung in Baden-Württemberg sollte dabei die Basis schaffen, um möglichst schnell ein verlässliches und stabiles Umfeld für die Unternehmen zu sichern“, richtet die Präsidentin einen Appell in Richtung Stuttgart.

Beschäftigungserwartung zeigt in die positive Richtung

Im Vergleich zu den anderen Konjunkturindikatoren zeigt die Beschäftigungserwartung in die positive Richtung, allerdings auf niedrigem Niveau. Nur 13,5 Prozent der Unternehmen sehen in den nächsten zwölf Monaten einen steigenden Bedarf (zu Jahresbeginn 2026 waren es 14,3 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit einer fallenden Beschäftigungserwartung hat sich zum Frühsommer aber wieder verringert (von 33,7 auf 29,8 Prozent). Etwas mehr als jedes zweite Unternehmen im Filstal möchte die Beschäftigung weiterhin stabil halten (plus 4,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn). Damit steigt der IHK-Beschäftigungsindikator leicht auf minus 16,3 Punkte (Jahresbeginn minus 19,3 Punkte). Der Arbeitsmarkt bleibt weiter angespannt.

Spannungen im Nahen Osten führen zu Unsicherheiten

Wie bei jeder IHK-Konjunkturumfrage wurden die Unternehmer auch nach den größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung gefragt. Die anhaltenden Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten führen wenig überraschend zu erhöhten Unsicherheiten an den Energiemärkten: Für die Unternehmen rücken die Energiekosten mit 61,8 Prozent auf den ersten Platz der Risiken (zu Jahresbeginn noch 36,9 Prozent). Die beiden bisherigen Top-Risiken Inlandsnachfrage und Arbeitskosten verlieren dabei etwas an Wichtigkeit. Beide sinken deutlich (Inlandsnachfrage minus 12,1 Prozent, Arbeitskosten minus 9,5 Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn). Neben den Energiekosten verstärken sich auch die Risiken für geopolitische Spannungen bei den Unternehmen (von 34,7 auf 51,2 Prozent) sowie Rohstoffkosten (von 29,1 auf 40,5 Prozent) und rücken auf den vierten beziehungsweise fünften Platz. Vor diesem Hintergrund verliert auch der Fachkräftemangel an Bedeutung. Zu Jahresbeginn noch mit 39,0 Prozent auf dem vierten Rang, rutscht er ab auf den siebten Rang (27,7 Prozent).