Windräder bei Baiereck
: Jetzt freiwillig Nachtabschaltung

Betreiber reagiert auf Mitteilung des Landratsamts, es sehe die Grundlage der Genehmigung als erschüttert an. Windkraft Uhl will fachliche und rechtliche Situation prüfen. Gutachten von verschiedenen Stellen ließen sich noch nicht in Einklang bringen.
Von
Jürgen Schäfer
Uhingen
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Uhingen Baiereck Brummton Windräder Königseiche

Ein Brummton ist jetzt in neuem Ausmaß Thema: Die Windräder bei Baiereck werden nachts abgeschaltet. Seit Donnerstagabend greift das.

Staufenpress
  • Betreiber schaltet Windräder bei Baiereck nachts ab – seit Donnerstag von 22 bis 6 Uhr.
  • Anlass sind Dekra-Messungen: überschrittene Lärmwerte und ein Brummton bei vielen Windstärken.
  • Landratsamt sieht die immissionsrechtliche Grundlage der Genehmigung als erschüttert an.
  • Uhl Windkraft prüft fachliche und rechtliche Lage, da Gutachten sich widersprechen.
  • Bereits seit 8. Mai drosselt der Betreiber ab Windstärke 5 wegen festgestellter Tonhaltigkeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Betreiber der Windräder oberhalb von Baiereck geht auf den Vorschlag des Landratsamts ein, die Windräder nachts abzuschalten. Seit Donnerstagabend sei das der Fall, erklärt Uhl Windkraft aus Ellwangen in einer Mitteilung an die Medien. Der Betreiber reagiert damit auf die Mitteilung des Landratsamts, man sehe die immissionsrechtliche Grundlage der Genehmigung als erschüttert an. Ins Rollen gebracht haben dies Messungen der Dekra vor Ort in Baiereck, die in Kurzfassung ans Landratsamt gingen. Deren Befund seien überschrittene Lärmwerte und ein Brummton bei nahezu allen Windgeschwindigkeiten, teilte die Stadt Uhingen als Aufftraggeber der Messungen mit. Beim Landratsamt haben diese und auch andere Bewertungen dazu geführt, die Grundlage der Genehmigung anzuzweifeln.

„Weitere Sachaufklärung erforderlich“

Für Uhl Windkraft geht es jetzt um Sachaufklärung. Die Firma hat bekanntlich in einer Nacht Mitte März, in der Südwind herrschte, freiwillig den Schall der Windräder im Ort messen lassen und sieht sich nun mit anderen Messergebnissen konfrontiert. Die Ergebnisse der Dekra, die in einer „vorläufigen Kurzzusammenfassung“ vorlägen, und die der selbst beauftragten Messsstelle, die eine zertifizierte sei, „lassen sich derzeit noch nicht in Einklang bringen“, erklärt Uhl. „Deshalb werden in den kommenden Wochen weitergehende Bewertungen vorzunehmen sein, um die fachliche und rechtliche Situation zu prüfen.“

Ein signifikantes Ergebnis hatte aber auch schon die Messung, die Uhl selbst beauftragt hatte: In der Folge hat der Betreiber als Sofortmaßnahme den Betrieb der beiden Windkraftanlagen ab Windstärke 5 gedrosselt. Weil ab einer Windgeschwindigkeit von 9 Metern pro Sekunde eine Tonhaltigkeit, ein Brummton, festgestellt worden sei, wie das Landratsamt damals mitteilte. Seit 8. Mai werde gedrosselt. „Tonhaltigkeit“ darf nicht sein. Die Dekra hat in jener März-Nacht ebenfalls gemessen. Was sie genau damals ermittelt hat, ist nicht bekannt. Aber im Dekra-Gutachten, das auf vielen Messungen bei verschiedenen Windrichtungen beruhen soll, soll es um eine Tonhaltigkeit in ganz anderem Ausmaß gehen. Über die Lärmwerte der März-Messung von Uhl wurde gesagt: Die Grenzwerte seien eingehalten.

Schon einmal nachts abgeschaltet

Uhl betont in seiner Mitteilung, davon überzeugt zu sein, dass die beiden Windkraftanlagen auf dem Schurwald oberhalb von Baiereck „genehmigungskonform betrieben werden“. Bis die Fakten vorlägen, schalte man freiwillig nachts, also zwischen 22 und 6 Uhr, ab. Das ist nicht das  erste Mal. Schon nach den ersten Monaten, als in Baiereck die Wogen über die laut empfundenen Windräder und deren Geräusche hochschlugen, hat Uhl nachts abgeschaltet. Erst bei Wind aus Südwest bis Südost, der auf den Ort trifft, dann nachts generell. Anfang März vorigen Jahres wurden sie ganz abgeschaltet. Im September, nach einem Austausch der Getriebe, liefen sie wieder an.

Hinter der Nachtabschaltung stehe auch der Wille, einen transparenten Dialog zu ermöglichen. Uhl Windkraft wolle einen konstruktiven Dialog unterstützen. Die Firma habe den Anspruch, ihre Windparks nach dem Stand der Technik und den gesetzlichen und sonstigen Vorgaben zu betreiben. Zugleich möchte Uhl einen transparenten und vertrauensvollen Umgang mit der Bürgerschaft und den Behörden pflegen. „Das gilt in besonderem Maße dort, wo es zu Problemen kommt“, heißt es in der Mitteilung an die Medien. Die freiwillige Messung im März sei aufgrund häufiger Beschwerden erfolgt.

Immer wieder: Der Brummton

Die Windräder bei Baiereck sind laut, haben ein rhythmisches Wuusch-Geräusch, erzeugen ein Geräusch, wie wenn ein Flugzeug über dem Ort steht und je nachdem einen Brummton. Das sind die Klagen aus Baiereck, seit die Anlagen dort laufen.

Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde hält fest, dass die Klagen auch nach dem Getriebetausch im vorigen Sommer anhalten. Es stellt fest, dass es kein Gutachten gebe, das die Immissionsprognose bestätige, die Grundlage für die Genehmigung gewesen sei. Die Messung des Betreibers selber habe eine Auffälligkeit gezeigt. Das Dekra-Gutachen, das jetzt in Kurzfassung vorliege, sei ein weiterer Aspekt einer Gesamtschau.