Tourismus in Bad Boll
: Mitgliedschaften auf dem Prüfstand

Die Finanznot drückt, aber der Gemeinderat lässt sich überzeugen: Rausgehen aus einem oder mehreren Tourismusverbänden wäre für den Ort nicht gut. Es wird auf Kosten und Nutzen geschaut. Bei der Bädergemeinschaft geht's um eine Reduzierung des Budgets.
Von
Jürgen Schäfer
Bad Boll
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Schmuck Bad Boll Brunnen am Kurhaus

Bad Boll ist einen Ausflug wert. Der Gemeinderat möchte jetzt wissen, wie die Werbung über den Tourismusverband der Region zieht.

Giacinto Carlucci
  • Bad Boll prüft Mitgliedschaften in drei Tourismusverbänden wegen Finanznot.
  • Vorschlag der Bürgermeisterin: nur ESA behalten – Ausstieg aus Bädergemeinschaft und Regio Stuttgart.
  • Tourismusmanagerin warnt vor Sichtbarkeitsverlust, Kosten-Nutzen für Regio Stuttgart: 3850 Euro.
  • Gemeinderat will Daten zu Reichweite und Leistungen, Entscheidung in einem halben Jahr erneut.
  • Stelle der Tourismusmanagerin wird bei Ruhestand eingespart, Bädergemeinschafts-Budget soll sinken.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

So groß sind die finanziellen Nöte in Bad Boll, dass die Gemeinde sogar ihre Mitgliedschaft in Tourismusverbänden auf den Prüfstand stellt. Da gibt's gleich drei: die Bädergemeinschaft mit Bad Ditzenbach und Bad Überkingen, die kreisweite Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf (ESA) und die Regio Stuttgart Marketing und Tourismus GmbH. Den Rotstift angesetzt hat der Gemeinderat schon. Wenn die langjährige Tourismusmanagerin Sabine Gorol in gut einem Jahr in den Ruhestand geht, wird die Stelle eingespart. Die Idee ist: Man könnte ihre Aufgaben im Rathaus auf andere Schultern verteilen. Nur: „Wir haben schon eine Unterdeckung von 1,3 Stellen“, sagt Bürgermeisterin Ann Kathrin Traub.

Nur in der ESA bleiben?

Bei den Mitgliedschaften geht es um 11.000 Euro im Jahr. Der Bürgermeisterin ging es um das Runterfahren auf 4250 Euro. Das hieße: Raus aus der Bädergemeinschaft, raus aus dem Stuttgarter Tourismusverband, in der ESA bleiben. Die Tourismusmanagerin warnte davor, aus dem Stuttgarter Tourismusverband rauszugehen. Dann sei Bad Boll in einer großen Tourismuslandschaft nicht mehr sichtbar, „wir sind dort ausradiert. Dann schafft sich Bad Boll als Tourismusgemeinde ab. Sie werden das merken. Nicht in einem Jahr, aber in Jahren.“ Diese Reichweite bekomme man für nur 3850 Euro im Jahr. Eine einzige Zeitungsanzeige in einem großen Blatt koste ein Vielfaches.

Florian Junge (Grüne) schloss sich gleich mit einem Plädoyer dafür an. „So günstig kauft man nirgends Leistung ein.“ Tourismuswerbung sei eine Art von Wirtschaftsförderung. Ein Tourist buche sein Hotel, gebe auch am Ort Geld aus. „Man darf nicht unterschätzen, was das an Systemwirkung hat.“

Suche nach Klickzahlen und mehr

Rainer Staib (CDU) verweist auf die Bad Boller Finanznot, nennt Tourismus aber wichtig. So einfach aussteigen solle man nicht, und eigentlich überall Mitglied bleiben. Staib fragt: Was macht die Region für unsere Betriebe? Sabine Gorol glaubt, dass man Klickzahlen bekommen könne, und Staib vermutet, dass es darüber hinaus noch Kennzahlen gebe, wie viele Touristen durch die Werbung der Region kämen. Sabine Gorol schüttelt den Kopf. „Es lässt sich nie messen, wer warum kommt.“ Christoph Ruwwe (Grüne) sagt: Statt zu kündigen, solle man lieber mehr Leistungen von der Regio einfordern. Die Kollegen seien dort immer hilfsbereit, sagt Gorol.

Der Beschluss: Nach Zahlen und Leistungen soll geschaut werden, in einem halben Jahr will man wieder diskutieren. In der Bädergemeinschaft, die bei der CMT auftritt und sich an Aktionen beteiligt, will Bürgermeisterin Traub mit den Kollegen über eine Reduzierung des Budgets sprechen.

Sparen, wo's nur geht

Angesichts von großen drohenden Defiziten in den nächsten Jahren durchforstet die Gemeinde Bad Boll derzeit ihre Mitgliedschaften. Dass sich die Gemeinde künftig keine Tourismusmanagerin mehr leisten will, ist auch Teil des Sparkonzepts.